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Asplenie und Hyposplenismus

Letzte Aktualisierung: 10.7.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Milz ist der primäre Ort des Erythrozytenabbaus, kann in bestimmten Situationen auch Erythropoese betreiben und spielt v.a. im Immunsystem eine wichtige Rolle. Insb. für eine adäquate immunologische Reaktion gegen bekapselte Bakterien sowie Parasiten ist dieses Organ essenziell. Verschiedene Ursachen wie die traumatische Milzruptur (mit möglicherweise starker Blutung) oder die symptomatische Splenomegalie können eine (notfallmäßige) operative Entfernung des Organs erforderlich machen. Bei fehlender Milz bzw. eingeschränkter Milzfunktion kann es aufgrund der immunologischen Funktion des Organs zum lebensgefährlichen Syndrom der „overwhelming postsplenectomy infection“ (OPSI) kommen, weshalb durch entsprechende Impfungen und Vorsichtsmaßnahmen entgegenzuwirken ist. Zudem besteht insb. im ersten Halbjahr nach einer Milzentfernung ein erhöhtes Risiko für eine Pfortaderthrombose.

Ursachen einer Asplenietoggle arrow icon

Zustand nach Splenektomie

Funktionelle Asplenie bzw. Hyposplenismus [1]

Folgen einer Asplenietoggle arrow icon

Je nach Ausmaß der Funktionsstörung der Milz können die Folgen einer Asplenie auch bei Hyposplenismus auftreten!

Erhöhte Infektanfälligkeit

  • Ätiologie
    • Ausfall der Milz als sekundäres lymphatisches Organ
    • Verlust spezialisierter Makrophagen und B-Zellen aus der Marginalzone der Milz, Folgen sind bspw.
  • Epidemiologie: Lebenslang erhöhtes Infektrisiko, wobei Säuglinge und Kleinkinder ein etwa 10-fach erhöhtes Infektionsrisiko haben verglichen mit Erwachsenen

Laborveränderungen

Das Fehlen von Howell-Jolly-Körperchen nach Splenektomie kann auf das Vorliegen einer Nebenmilz hindeuten!

Prophylaxe bei elektiver Splenektomie [3]

Prävention von Infektionen

Impfplan bei Asplenie oder Hyposplenismus [1][10]
Erreger Alter Grundimmunisierung Erste Auffrischungsimpfung Weitere Auffrischungsimpfungen
Pneumokokken <2 Jahre PCV13 oder PCV15, siehe: STIKO-Impfkalender
2–17 Jahre Nur bei fehlender Grundimmunisierung: PCV13 oder PCV15 PPSV23 (Abstand 6–12 Monate) Alle 6 Jahre, ab einem Alter von 18 Jahren mit PCV20
≥18 Jahre PCV20 Datenlage noch nicht ausreichend
Haemophilus influenzae Typ b >2 Monate Nur bei fehlender Grundimmunisierung: Act-Hib oder Hiberix Datenlage noch nicht ausreichend
Meningokokken Serogruppen ACWY ≥2 Monate Grundsätzliche Empfehlung: Impfung mit 4-valentem Konjugatimpfstoff Datenlage noch nicht ausreichend
>12 Monate Impfung mit 4-valentem Konjugatimpfstoff
Meningokokken Serogruppe B Immunisierung mit Totimpfstoff Datenlage noch nicht ausreichend
Influenza ≥6 Monate Saisonal zugelassener tetravalenter Totimpfstoff Jährlich
2–17 Jahre Inaktivierter Totimpfstoff oder nasal applizierter attenuierter Lebendimpfstoff
≥18 Jahre Saisonal zugelassener tetravalenter Totimpfstoff
Malariaprophylaxe Bei Reisen in Malaria-Endemiegebiete sollte eine reisemedizinische Beratung erfolgen

Patient:innen mit Asplenie und Hyposplenismus sollten gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ b geimpft werden sowie jährlich gegen Influenza!

Patient:innen mit Asplenie und Hyposplenismus müssen über das erhöhte Infektrisiko aufgeklärt werden!

Prävention von Thrombosen

Komplikation: OPSI (overwhelming postsplenectomy infection)toggle arrow icon

Schlüssel zur Vermeidung einer OPSI bzw. Senkung der damit verbundenen Letalität sind das Erkennen der Asplenie oder des Hyposplenismus und der sofortige Einsatz von Antibiotika!

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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