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Tremor

Letzte Aktualisierung: 7.5.2026

Praxisguide Allgemeinmedizin: Neu aufgetretener Tremortoggle arrow icon

Initiales Vorgehen

Warnzeichen

Wichtige Ursachen

Weiteres Prozedere

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Tremor (dt. „Zittern“) ist eine häufige Bewegungsstörung und beschreibt das Symptom einer mit bloßem Auge erkennbaren, unwillkürlichen, rhythmischen Zitterbewegung agonistischer und antagonistischer Muskeln mit einem Bewegungseffekt in den entsprechenden Gelenken. Im Wesentlichen werden Ruhetremor und Aktionstremor (bspw. Haltetremor, Intentionstremor und einfacher kinetischer Tremor) unterschieden. Erscheinungsform, Manifestationsort und Frequenz des Tremors können Hinweise auf die jeweils zugrunde liegende Erkrankung bieten.

Eine häufige Tremorerkrankung ist insb. der sog. essenzielle Tremor, der typischerweise durch einen Haltetremor charakterisiert ist. Ein Ruhetremor hingegen liegt zumeist bei der Parkinson-Krankheit vor, während ein reiner Intentionstremor vorwiegend durch Kleinhirnschädigungen unterschiedlicher Ursache ausgelöst wird. Die Therapie ist zumeist symptomatisch und richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Definitiontoggle arrow icon

  • Tremor: Unwillkürliche, i.d.R. rhythmische oszillatorische Bewegung eines oder mehrerer Körperteile
    • Zitterbewegungen mit erkennbarem Bewegungseffekt in den beteiligten Gelenken
    • Gestörte Ansteuerung agonistisch und antagonistisch wirkender Muskeln
  • Tremorformen

Vorgehen bei Tremortoggle arrow icon

Tremoruntersuchung

  • Fokussierte Inspektion
    • Betroffene Körperteile
    • Tremoramplitude und -frequenz
      • In Ruhe?
      • Bei einfachen Bewegungen?
      • Bei Haltearbeit?
    • Tremorveränderung bei Aufmerksamkeitsverlagerung, bspw.
      • Serielle Subtraktion
      • Monatsnamen rückwärts aufsagen lassen
      • Ein Wort buchstabieren lassen (ggf. rückwärts)
      • Repetitive Finger-/Fußbewegungen einer nicht betroffenen Extremität
      • Sensiblen Reiz in nicht betroffener Körperregion beurteilen lassen (bspw. Sensibilitätsprüfung, Stimmgabeltest)
Übersicht und Untersuchung der Tremorformen [1][2]
Bezeichnung Beschreibung Untersuchung Beispielhafte Störungen
Aktionstremor Einfacher kinetischer Tremor
  • Bei langsamen Bewegungen
  • Annähernd konstante Frequenz und Amplitude
  • Sistiert bei Entspannung
  • Alltagstätigkeiten ausführen lassen
  • Patient:in bitten, eine Flasche aufzudrehen, Wasser in ein Glas zu gießen und das Glas zum Mund zu führen
  • Auf- und Abbewegen der Hände beim Armvorhalteversuch
Zieltremor (Intentionstremor)
  • Dysmetrischer Bewegungsablauf, bei zielgerichteten Bewegungen
  • Bei abnehmender Distanz zum Ziel zunehmende Abweichung von der Ideallinie und größer werdende Korrekturbewegungen
  • Form der zerebellären Ataxie
Haltetremor
  • Vornehmlich bei isometrischer Haltearbeit
  • Annähernd konstante Frequenz und Amplitude
  • Sistiert bei Entspannung
  • Oft in Kombination mit anderen Aktionstremors
  • Arme ausgestreckt und proniert nach vorne halten lassen, dabei ein Blatt Papier auf die Handrücken legen und bitten, dieses stillzuhalten
  • Ein Glas o.ä. vom Körper entfernt halten lassen
  • Beide Hände vor der Brust mit den Fingern zueinander halten lassen (Fledermaus-Position)
Orthostatischer Tremor
  • Tremor der Beinmuskulatur, nur im Stehen
  • Zittern der Beinmuskulatur im Stehen gelegentlich sicht- oder tastbar
Ruhetremor
  • Tritt bei Entspannung im entsprechenden Körperteil auf
  • Annähernd konstante Frequenz und Amplitude
  • Sistiert bei Beginn einer Willkürbewegung
  • Verstärkung bei einer kognitiven Aufgabe (bspw. Kopfrechnen)
  • Arme der zu untersuchenden Person im Sitzen auf ihre Oberschenkel oder die Armlehne legen
  • Kognitive Aufgabe (bspw. Kopfrechnen) durchführen lassen
Asterixis (Flapping Tremor)
  • Insb. bei Haltearbeit sichtbar
  • Unrhythmisch, variable Amplitude
  • Kein eigentlicher Tremor, sondern generalisierte kurze fallende Zuckungen durch intermittierendes plötzliches Aussetzen des Muskeltonus

Essenzieller Tremortoggle arrow icon

Verstärkter physiologischer Tremortoggle arrow icon

Tremor bei der Parkinson-Krankheittoggle arrow icon

Zerebellärer Tremortoggle arrow icon

Funktioneller Tremortoggle arrow icon

  • Epidemiologie
    • Häufige Bewegungsstörung
    • Häufigste funktionelle Bewegungsstörung
    • Begleitend zu organischer Bewegungsstörung: Ca. 10% der Fälle
  • Ätiologie: Siehe Somatoforme Störungen - Ätiologie
  • Symptomatik
    • Oft ungewöhnliche Kombinationen verschiedener Tremorformen , auch wechselnde Charakteristika möglich
    • Lokalisation: Insb. Extremitäten, Rumpf, seltener gesamter Körper oder isolierte Körperteile wie Gaumensegel
    • Dynamik
      • Beginn: Oft plötzlich und nach Auslöser / kritischem Lebensereignis (bspw. Unfall, akute Erkrankung)
      • Verlauf: Oft fluktuierend, auch phasenweise Remission
  • Diagnostik: Klinische Diagnosestellung durch passendes Gesamtbild
    • Anamnese
      • Charakteristika, Dynamik, Situationsabhängigkeit und Verlauf
      • Häufige Begleitsymptomatik: Fatigue, Schmerzen
      • Häufige Begleiterkrankungen: Depression, Angsterkrankung
    • Mögliche hinweisende Zeichen während der neurologischen Untersuchung
      • Wechselnde Tremorcharakteristika, insb. unter Aufmerksamkeitsverlagerung (bis hin zum Sistieren des Tremors)
      • Irreguläre Frequenz und Amplitude
      • Tremorzunahme beim Halten eines Gegenstandes (ca. 1 kg)
      • Entrainment: Tremorfrequenz des betroffenen Körperteils passt sich der vorgegebenen Bewegungsfrequenz eines unabhängigen Körperteils an
      • Whack-a-Mole-Zeichen: Bei Fixierung des betroffenen Körperteils geht der Tremor auf ein anderes Körperteil über oder generalisiert
      • Starke Fokussierung auf betroffenes Körperteil: Aufgaben zur Aufmerksamkeitsverlagerung können nicht korrekt durchgeführt werden
      • Ko-Kontraktion von Agonisten und Antagonisten , oftmals nach einer Tremorpause, bevor der Tremor erneut einsetzt
      • Synchronizität der Tremors (sofern mehrere Körperteile betroffen sind)
    • Im Einzelfall apparative Diagnostik sinnvoll
  • Therapie

Das wichtigste Charakteristikum eines funktionellen Tremors ist ein Sistieren des Tremors oder eine Änderung der Tremorform bei Aufmerksamkeitsverlagerung!

Dystoner Tremor und dystonie-assoziierter Tremortoggle arrow icon

  • Symptomatik
    • In Verbindung mit einer Dystonie auftretend
    • Typischerweise arrhythmischer kinetischer Tremor oder Haltetremor mit einer Frequenz von 3–6 Hz
  • Siehe: Dystoner Tremor

Primärer orthostatischer Tremortoggle arrow icon

  • Epidemiologie [1]
    • Selten
    • Geschlecht: >
    • Manifestationsalter: Meist ab 60 Jahre
  • Ätiologie: Unbekannt
  • Symptomatik
    • Standunsicherheit, seltener auch Gangunsicherheit
    • Stürze aus dem Stand heraus (selten)
  • Diagnostik
    • Neurologische Untersuchung: Unauffällig, bis auf
      • Standunsicherheit
      • Synchrones hochfrequentes Zittern der Beinmuskeln (kann im Stehen tastbar oder sichtbar sein)
    • Apparative Diagnostik: Tremoranalyse mittels Oberflächenelektromyografie der Beine im Stehen mit Nachweis eines 13–18-Hz-Tremors
  • Differenzialdiagnosen
  • Symptomatische Therapie [1]

Holmes-Tremortoggle arrow icon

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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