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Hernien

Letzte Aktualisierung: 21.8.2024

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Hernien stellen ein häufiges Krankheitsbild dar, bei dem sich Bauchraumbestandteile durch angeborene oder erworbene Lücken aus ihrer ursprünglichen Position heraus verlagern. Am häufigsten handelt es sich um sog. äußere Hernien, bei denen sich parietales Peritoneum ggf. mit Bauchraumbestandteilen durch Schwachstellen der Bauchwand nach außen stülpt und insb. bei Erhöhung des intraabdominellen Drucks (Husten, Pressen, Adipositas, Aszites oder Schwangerschaft) als Vorwölbung tastbar und sichtbar sein kann. Zu den häufigsten äußeren Hernien zählt die Leistenhernie. Weitere wichtige Hernienformen sind die Schenkelhernie, Narbenhernie und Nabelhernie. Je nach Lokalisation können weitere, seltenere Hernienformen unterschieden werden. Die kausale Therapie besteht in der Reposition des Bruchsackinhalts, der Abtragung des Bruchsacks und dem Verschluss der Bruchpforte. Häufig ist die Unterstützung der Bauchwand durch die Einlage eines Netzes indiziert.

Von den äußeren Hernien sind die inneren Hernien abzugrenzen. Diese sind wesentlich seltener und zeichnen sich durch eine Protrusion von Bauchraumbestandteilen durch angeborene oder erworbene Öffnungen innerhalb der Peritonealhöhle (ohne ein Austreten aus dem Bauchraum nach außen) aus. Klinisch fallen sie i.d.R. durch eine Ileussymptomatik auf. Die kausale Therapie stellt auch hier die Operation dar, die meist im Sinne einer Notfalloperation bei hoher Letalitätsrate durchgeführt wird.

Folgende Krankheitsbilder werden in gesonderten Kapiteln behandelt:

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Aufbau einer Hernie

  • Bruchpforte: Schwachstelle oder Lücke, durch die sich die Hernie schiebt
  • Bruchsack
  • Bruchinhalt
    • Inhalt der Hernie
    • Kann je nach Lage der Hernie nahezu alle Bauchraumbestandteile enthalten, am häufigsten Omentum oder Dünndarm

Die Bezeichnung einer Hernie erfolgt nach der Lokalisation ihrer Bruchpforte!

Formen einer Hernie

  • Komplette Hernie: Vollständig von Peritoneum bedeckte Hernie
  • Gleithernie: Anteilig von Peritoneum und extraperitonealen Organanteilen bedeckte Hernie
  • Inkomplette Hernie: Partielle Hernie, bei der bspw. nur Teile eines Organs vorfallen (siehe auch: Richter-Hernie)

Reponierbarkeit einer Hernie [1]

  • Reponible Hernie: Spontane oder manuelle Verlagerung des Bruchinhalts ist möglich
  • Irreponible Hernie: Bruchinhalt lässt sich weder spontan noch manuell verlagern, ist jedoch nicht akut von der Durchblutung abgeschnitten
  • Inkarzerierte Hernie: Bruchinhalt ist akut eingeklemmt und von der Durchblutung abgeschnitten (drohender bzw. manifester Gewebeuntergang) [2][3]

Je kleiner die Bruchpforte, umso höher das Risiko einer Inkarzeration!

Die Inkarzeration stellt eine Notfallsituation dar, die ein schnellstmögliches chirurgisches Handeln erfordert!

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Äußere Hernientoggle arrow icon

Diese Sektion gibt einen allgemeinen Überblick über äußere Hernien. Für spezifische Informationen zu den einzelnen Hernienformen wird auf jeweilige Sektionen und Kapitel verwiesen.

Überblick [2]

Epidemiologie

Ätiologie

  • Angeboren
  • Erworben

Risikofaktoren für das Auftreten äußerer Hernien

Klassifikation

EHS-Klassifikation der ventralen Bauchwandhernien [10]

Lokalisation der Hernie Durchmesser
<2 cm 2–4 cm >4 cm
Mittellinie Epigastrisch Klein

Mittel

Groß
Umbilikal
Lateral Spieghel-Linie
Lumbal

Symptome/Klinik

Diagnostik

Anamnese und körperliche Untersuchung

Bildgebende Verfahren

Therapie

Konservative Therapie

Bei einer Bauchwandhernie im Erwachsenenalter besteht grundsätzlich eine Operationsindikation!

Manuelle Reposition einer Hernie [2]

  • Indikation: Akute Irreponibilität <6 h
  • Kontraindikationen
    • Inkarzeration
    • Dauer der Einklemmung >6 h [4]
  • Durchführung
    • Ausschluss einer Inkarzeration
    • Seiten- oder Rückenlage mit leichter Kopftieflage, ggf. Beine angezogen
    • Analgesie
    • Umfassen des Bruchsackes mit einer Hand und Ausüben eines kontinuierlichen sanften Drucks
    • Behutsames Ausstreichen des Bruchinhaltes in Richtung Bruchpforte mit der anderen Hand
    • Anschließende Überwachung: Stationär
  • Mögliche Komplikationen
    • Periinterventionell
      • Verletzung intraabdomineller Strukturen durch Reposition
      • Zusätzliche Risiken bei unerkannter Inkarzeration
    • Postinterventionell
      • Akute Inkarzerationen: Geringe Rate (ca. 2%)
      • Erforderlichkeit einer operativen Therapie aufgrund zunehmender Beschwerden [17]

Die stationäre Überwachung ist nach manuellem Repositionsmanöver obligat!

Bei Hinweisen auf eine Inkarzeration wie Ileus oder akutes Abdomen darf kein Repositionsversuch erfolgen!

Operative Therapie

Die Inkarzeration stellt eine Notfallsituation dar, die ein schnellstmögliches chirurgisches Handeln erfordert!

Nahtbasierte Verfahren zur Hernienreparation [2]

Netzbasierte Verfahren zur Hernienreparation [2]

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Leisten- und Schenkelhernietoggle arrow icon

Leisten- und Schenkelhernie werden in gesonderten Kapiteln behandelt, siehe

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Nabelhernietoggle arrow icon

Allgemein

Ätiologie

Symptome/Klinik

  • Vorwölbung
  • Ggf. Schmerzen in der Nabelregion

Diagnostik

  • Klinische Diagnose (Anamnese, Inspektion, Palpation)
  • Ggf. Sonografie zur Diagnosebestätigung

Differenzialdiagnosen

Therapie

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Narbenhernietoggle arrow icon

Allgemein

Ätiologie

Klassifikation [10]

Klassifikation der Narbenhernien nach EHS
Charakteristik Dokumentation Kodierung
Auf der Mittellinie Subxiphoidal

M1

Epigastrisch M2
Umbilikal M3
Infraumbilikal M4
Suprapubisch M5
Lateral der Mittellinie Subkostal L1
Flanke L2
Iliakal L3
Lumbal L4
Breite des Defekts in cm <4 cm W1
4–10 cm W2
>10 cm W3
Länge des Defekts in cm Exakte Länge des Defekts
Rezidiv Rezidivnarbenhernie: Ja oder nein

Therapie

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Parastomale Hernietoggle arrow icon

  • Definition: Verlagerung von Bauchraumbestandteilen entlang eines Enterostomas
  • Epidemiologie: Sehr häufig
  • Ätiologie
  • Befund/Symptome: Sicht- und tastbare Vorwölbung in der Stomaregion , ggf. mit
  • Therapie
    • Bei Beschwerdefreiheit: Konservatives Prozedere („Watchful Waiting“)
      • Stuhlregulation
      • Maßgeschneiderte Bauchdeckenbinde
      • Tragen schwerer Lasten vermeiden
      • Anpassen der Stomaversorgung
    • Bei Symptomen: Netzbasierte operative Reposition (bei Inkarzeration als Notfall-OP!) [22]
      • Reparation nach Sugarbaker: Netz wird über den nach lateral geführten stomatragenden Darmanteil positioniert und an der Bauchdecke fixiert, sodass ein Tunnel für ca. 6–10 cm Darm entsteht
      • Reparation in Schlüsselloch-Technik : Kreisförmig ausgeschnittenes Netz wird um den ausgeleiteten Darm platziert und an der Bauchdecke fixiert
      • Reparation in Sandwich-Technik: Kombination aus Reparation nach Sugarbaker und Schlüsselloch-Technik
      • 3D-Tunnelnetz-Technik: Tunnelförmiges Netz umfasst stomatragenden Darmabschnitt und innere Bauchdecke, an der es fixiert wird
      • Stomaneuanlage
  • Komplikationen
    • Konservatives Prozedere: Inkarzeration
    • Operation: Wundkomplikationen, Rezidiv [22]
  • Prävention: Prophylaktische Netzverstärkung, ggf. Behandlung von Risikofaktoren [23]

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Seltene äußere Hernientoggle arrow icon

Epigastrische Hernie

Spieghel-Hernie

  • Definition: Laterale Bauchwandhernie durch einen Defekt der sog. Spieghel-Aponeurose , meist an der Kreuzungsstelle mit der Linea arcuata
  • Ätiologie/Epidemiologie: Seltene Hernienform, die immer erworben ist und v.a. bei Frauen auftritt
  • Symptome/Klinik: Ggf. Vorwölbung im rechten oder linken Unterbauch beim Valsalva-Manöver
    • Häufig Inkarzeration als Erstmanifestation
  • Diagnostik: Meist zusätzlich zur klinischen Untersuchung Sonografie und/oder CT notwendig
    • Vorgeschaltete diagnostische Laparoskopie kann ebenfalls sinnvoll sein
  • Therapie: I.d.R. absolute OP-Indikation wegen hoher Einklemmungsgefahr

Richter-Hernie

  • Definition: Partielle (inkomplette) Darmwandhernie: Nur ein Teil der Darmwand fällt vor und bildet den Bruchinhalt (nicht die gesamte Zirkumferenz des Darmes)

Littré-Hernie

Obturatorhernie (Hernia obturatoria)[2]

Hernia ischiadica

Beckenbodenhernie (Hernia perinealis)

Lendenhernie (Hernia lumbalis) [2]

Supravesikale Hernie (Hernia supravesicalis) [24]

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Innere Hernientoggle arrow icon

Der folgende Inhalt bezieht sich auf innere Bauchraumhernien! Für Informationen zu Zwerchfellhernien siehe Zwerchfellhernie bzw. Hiatushernie.

Überblick

Epidemiologie [2]

  • Häufigkeitsverteilung
    • Ca. 1–5% aller Hernien
    • In 53% der Fälle paraduodenale Hernien, gefolgt von ileozökalen Hernien mit 13%
  • Geschlechterverhältnis: Insb. Männer in der 4.–6. Lebensdekade

Ätiologie [25]

  • Kongenital
  • Erworben: Postoperativ , posttraumatisch oder postentzündlich

Symptome/Klinik

Ähnlich der äußeren Hernie mit Zeichen eines mechanischen Ileus

Diagnostik

  • Sonografie
  • Abdomen-Übersichtsaufnahme
  • CT
  • Häufig erst intraoperative Diagnosestellung

Differenzialdiagnosen

Therapie

  • OP-Indikationen und -Dringlichkeit
    • Absolute OP-Indikation: Bei Inkarzeration
    • Relative OP-Indikation: Bei anhaltenden Beschwerden und V.a. innere Hernie
  • Operatives Vorgehen: Mittels Laparotomie oder seltener Laparoskopie
    • Eingeklemmte Eingeweide unter Schonung der noch vitalen Organanteile rückverlagern
    • Verschluss der Bruchpforte
    • Ggf. Resektion avitaler Organe

Die Diagnose einer inneren Hernie ist in der Mehrzahl der Fälle nur durch eine Laparoskopie/Laparotomie zu sichern!

Kommt es bei inneren Hernien zur Inkarzeration, beträgt die Sterblichkeit nahezu 80%!

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AMBOSS-Pflegewissen: Hernientoggle arrow icon

Spezielle präoperative Pflege

I.d.R. handelt es sich bei Hernien-OPs um geplante, elektive Operationen. Unter Umständen können diese ambulant erfolgen, wenn keine Risikofaktoren für einen komplizierten postoperativen Verlauf vorliegen (siehe auch: Voraussetzungen für ambulantes Operieren). Bei inkarzerierten Hernien ist eine Notfalloperation notwendig.

Spezielle präoperative Pflege

Siehe: AMBOSS-Pflegewissen: Präoperative Pflege

Spezielle postoperative Pflege

Siehe: AMBOSS-Pflegewissen: Postoperative Pflege

Beobachten/Überwachen

  • Schmerzen
  • Stuhlgang
  • Postoperative Hodenschwellung bei Männern
  • Temperatur
  • Postoperative Komplikationen
    • Allgemeine chirurgische Komplikationen wie bspw. Blutungen, (chronische) Schmerzen, Wundinfektionen
    • Darmverletzung
    • Beeinträchtigte Hodendurchblutung
    • Netzinfektionen nach intraoperativer Netzeinlage

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Mobilisation/Positionierung

  • Positionierung
    • Insb. nach Leisten- und Schenkelhernien-OP bei Männern: Ggf. Hodenhochlagerung
      • Hodenbänkchen
    • Unmittelbar postoperativ nach Leistenhernien-OP: Auflegen eines Sandsacks nach ärztlicher Anordnung zur Prophylaxe von Nachblutung und Serombildung
  • Erstmobilisation: Nach ärztlicher Anordnung
    • I.d.R. noch am OP-Tag
    • Aufstehen über die Seite, aus dem Liegen zunächst ins Sitzen an der Bettkante
      • Patient:in dreht sich im Bett zur Bettkante, über die er/sie aufstehen möchte
      • Auf der Seite liegend wird der oben liegende, frei bewegliche Arm genutzt, um den Oberkörper von der Matratze weg in die sitzende Position zu drücken
      • Die Beine sollten hier zeitgleich über die Bettkante geführt werden (wenn nötig, mit Unterstützung einer Pflegefachkraft), um eine fließende und schmerzarme Bewegung zu gewährleisten

Körperpflege/Prophylaxen

Ernährung

  • Kostaufbau nach ärztlicher Anordnung, i.d.R. noch am OP-Tag

Beratung

  • Bei Husten und Niesen soll der/die Patient:in mit der Hand von außen gegen die OP-Wunde drücken
  • Körperliche Belastung, die zu einer Druckzunahme im Bauchraum führt (insb. schweres Heben, Sport), ist nach der OP zu vermeiden
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Patienteninformationentoggle arrow icon

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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