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Typhus, Paratyphus

Letzte Aktualisierung: 21.8.2024

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Der Typhus/Paratyphus ist eine Erkrankung, die durch Salmonella enterica Serovar Typhi oder Paratyphi auf fäkal-oralem Wege übertragen wird. Die Krankheit kann Tage, aber auch Monate nach Übertragung ausbrechen (Inkubationszeit 3–60 Tage). Im Stadium I (Stadium incrementi) sind zunächst ein langsamer Fieberanstieg und eine Obstipation(!) typisch. Im Stadium II (Stadium fastigii) dominieren dann die Typhus-charakteristischen Symptome: Kontinua-Fieber, Roseolen auf der Bauchhaut, relative Bradykardie, Benommenheit und erbsbreiartige Stühle. Im Blutbild sind eine Leukopenie und eine absolute Eosinopenie auffällig. Stadium III (Stadium decrementi) geht mit dem Abklingen der Symptome einher. Die Diagnosesicherung gelingt i.d.R. durch einen direkten Erregernachweis aus Blut- und Stuhlkulturen. Behandlungsmethode der Wahl ist die antibiotische Therapie mit Fluorchinolonen (z.B. Ciprofloxacin) über mind. zwei Wochen. Etwa 5% der Erkrankten werden nach Abklingen der Symptome zu infektiösen Salmonellen-Dauerausscheidern.

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Weltweit ca. 22 Mio. Fälle pro Jahr
    • Hauptsächlich in Gebieten des globalen Südens (Afrika, Südamerika, Südostasien)
    • In Deutschland ca. 50–100 Fälle pro Jahr

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Erreger

Infektionsweg

Der Mensch ist das Haupterregerreservoir für Salmonella enterica Serovar Typhi!

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Pathophysiologietoggle arrow icon

Infektionszyklus

Die Typhus-Erreger sind häufig nicht im Stuhl nachzuweisen. Sie befinden sich im Lymphsystem oder aber in der Blutbahn!

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Symptomatiktoggle arrow icon

Inkubationszeit

  • 3–60 Tage, i.d.R. 1–3 Wochen

Stadienabhängige Symptome

Die Infektion mit Salmonella enterica Serovar Paratyphi verläuft zumeist milder als eine S. Typhi-Infektion. Interessanterweise ist bei einem Typhus das Auftreten von Durchfall nicht typisch. Häufiger kommt es im Rahmen der Infektion zunächst durch Schwellung der Peyer-Plaques im Ileum zu Obstipation und Subileus-Bildern. Erst nach Generalisierung des Erregers stellen sich die übelriechenden, erbsbreiartigen Diarrhöen ein. Der Typhus ist somit nicht mit anderen Gastroenteritiden vergleichbar, die bspw. durch Toxinwirkung oder Adhäsion am Epithel Schaden anrichten.

Typhus ist keine Durchfallerkrankung, sondern eine Systemerkrankung!

Stadium incrementi (von lat. incrementum = „Anstieg“)

Bei unklarem Fieber über Tage und Reiseanamnese muss stets auch an einen Typhus gedacht werden!

Stadium fastigii (von lat. fastigium = „Spitze, Gipfel“)

Stadium decrementi (von lat. decrementum = „Abnahme“)

  • Langsames Abklingen der Symptome

Die Erreger sind oftmals noch im Stuhl, aber nicht mehr im Blut nachweisbar!

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Diagnostiktoggle arrow icon

Zu Beginn der Erkrankung ist die Blutkultur das entscheidende diagnostische Instrument, Stuhlkulturen sind erst nach 2–3 Wochen positiv!

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Therapietoggle arrow icon

Aufgrund der zunehmenden Resistenzen gegen Fluorchinolone werden inzwischen vermehrt Cephalosporine in der Therapie eingesetzt!

Der Typhus/Paratyphus ist eine Systemerkrankung, die antibiotisch behandelt werden muss!

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Komplikationentoggle arrow icon

  • Gastroenterologisch: Darmblutung und Darmperforation
  • Systemisch: Die Typhuserreger können theoretisch jedes Organ befallen und damit u.a. zu Meningitis, Myokarditis und Nierenversagen führen

Salmonellen-Dauerausscheider

Ein Typhus-Dauerausscheider ist eine Person, die noch 10 Wochen nach einer Infektion (auch bei asymptomatischen Verläufen) Salmonella-Typhi-Erreger ausscheidet. Auch bei der Infektion mit Salmonella enteritidis kann die Person einen Dauerausscheider-Status entwickeln.

  • Definition: >10 Wochen nach Erkrankung weiterhin positive Stuhlkulturen
  • Häufigkeit: Bis zu 5% der Typhus-Erkrankten werden zu Dauerausscheidern
  • Sanierung von Dauerausscheidern: Ciprofloxacin (Fluorchinolon) für 4 Wochen
  • Folgen
    • Dauerausscheider dürfen nicht in der Lebensmittel-Branche arbeiten
    • Erhöhtes Risiko für Gallengangskarzinome

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Präventiontoggle arrow icon

Typhus-Impfung [2][3][4]

Eine durchgemachte Erkrankung bietet keine lebenslange Immunität!

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Meldepflichttoggle arrow icon

  • Arztmeldepflicht
    • Nach § 6 IfSG: Namentliche Meldepflicht bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod
    • Nach IfSGMeldeVO (nur in Sachsen) ): Namentliche Arztmeldepflicht zusätzlich bei Ausscheidern
  • Labormeldepflicht
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Patienteninformationentoggle arrow icon

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Meditrickstoggle arrow icon

In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.

Typhus

Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

A01.-: Typhus abdominalis und Paratyphus

  • A01.0: Typhus abdominalis
  • A01.1: Paratyphus A
  • A01.2: Paratyphus B
  • A01.3: Paratyphus C
  • A01.4: Paratyphus, nicht näher bezeichnet

Erkrankungen bei anderenorts klassifizierter Typhus- oder Paratyphus-Infektion

Sonstiges

  • Z22.-: Keimträger von Infektionskrankheiten
    • Inklusive: Verdachtsfälle
    • Z22.0: Keimträger von Typhus abdominalis
  • Z27.-: Notwendigkeit der Impfung [Immunisierung] gegen Kombinationen von Infektionskrankheiten

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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