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Sinusitis

Letzte Aktualisierung: 20.8.2021

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Die Sinusitis ist eine häufige entzündliche Veränderung der Nasennebenhöhlenschleimhaut, die meist von einer Entzündung der Nasenhöhle begleitet wird (Rhinosinusitis). I.d.R. heilt sie spontan aus; hält die Erkrankung hingegen länger als 12 Wochen an, ist sie definitionsgemäß als chronisch zu bezeichnen. Leitsymptome sind Nasenlaufen und bewegungsabhängige Gesichtsschmerzen (v.a. beim Beugen des Körpers nach vorne). Viren sind die häufigsten Auslöser, weshalb nur bei heftigem Krankheitsverlauf mit Verdacht auf bakterielle Sekundärinfektion eine Antibiotikatherapie sinnvoll ist. Bei Komplikationen einer akuten Infektion oder bei chronischen Verläufen kann eine operative Therapie notwendig sein.

  • Einteilung nach beteiligten Strukturen [1]
  • Einteilung nach Verlauf
    • Akute (Rhino‑)Sinusitis (ARS): Symptomatische Entzündung der Nasennebenhöhle für ≤12 Wochen (mit vollständigem Abklingen der Symptome)
      • Rhinitis acuta: Beschwerden <10 Tage
      • Postvirale Rhinosinusitis [2]
        • Zunahme der Symptome nach >5 Tagen
        • Persistenz der Beschwerden über 10 Tage hinaus
    • Rezidivierende akute Rhinosinusitis (rez. ARS): Mind. 4 Episoden einer akuten Rhinosinusitis innerhalb von 12 Monaten, zwischen Episoden vollständiges Abklingen der Symptome
    • Chronische (Rhino‑)Sinusitis (CRS): Symptomatische Entzündung der Nasennebenhöhle >12 Wochen (ohne vollständiges Abklingen der Symptome)
  • Prävalenz: Sehr hoch
    • Jahresprävalenz in Europa (CRS): 10,9% [3]
  • Inzidenz (ARS): 18,8/1000 Patientenjahre [2]
  • Kinder: Altersabhängige Verteilung [4]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Akute Rhinosinusitis

  • Nasale Infektion → Schleimhautschwellung → Störung von Sekretabfluss und Ventilation der Nasennebenhöhlen, insb. durch Verlegung des ostiomeatalen Komplexes → Ausbreitung der Entzündung und Begünstigung von Sekundärinfektionen
    • Ggf. durch anatomische Varianten insb. der lateralen Nasenwand begünstigt

Chronische Rhinosinusitis

Für die Anatomie der Nasennebenhöhlen siehe auch: Nasennebenhöhlen (= Sinus paranasales)

Akute Rhinosinusitis [1]

  • Allgemeine Symptomatik
    • Leitsymptom: Gesteigerte Nasensekretion und retronasale Sekretion
    • Verstopfung und Engegefühl der Nase
    • Riechstörung
    • Allgemeines Krankheitsgefühl, evtl. Fieber
    • Husten bei Kindern [5]
  • Schmerzsymptomatik
    • Sinusitis maxillaris und frontalis: Gesichtsschmerz mit Druckgefühl in der betroffenen Nasennebenhöhle (in der Kiefer- bzw. Stirnhöhle)
    • Sinusitis ethmoidalis: Schmerzen im Bereich der Nasenwurzel oder zwischen den Augen
    • Sinusitis sphenoidalis: Dumpfer Druckschmerz in der Mitte des Schädels
  • Hinweise auf bakterielle Genese [2]
    • Fieber über 38 °C
    • Zweizeitige Verschlechterung des Krankheitsverlaufs
    • Einseitige Beschwerden
    • Starke Schmerzen

Chronische Rhinosinusitis

  • Wie bei akuter Rhinosinusitis, jedoch häufig schwächer ausgeprägt und/oder weniger charakteristisch
  • Persistenz der Beschwerden >12 Wochen

Diagnosestellung nach Verlaufsform [1]

Bei der akuten und rezidivierenden akuten Rhinosinusitis ist i.d.R. keine(!) Bildgebung indiziert!

Untersuchungsmethoden [1]

Choanalpolyp

Primäre ciliäre Dyskinesie (PCD) [7]

Weitere Differenzialdiagnosen

Therapie der akuten Sinusitis [1][3]

Eine generelle Antibiotikagabe ist bei der akuten Sinusitis nicht(!) sinnvoll!

Therapie der chronischen Sinusitis [6] [1]

Bei einem operativen Eingriff im Bereich des Sinus sphenoidalis ist eine Verletzung der A. carotis interna oder des N. opticus möglich!

Antibiotische Therapie bei CRS nur bei bakteriellen Exazerbationen!

Zusätzliche Therapiemöglichkeiten bei chronischer Rhinosinusitis mit Polypen (CRScNP) [5][6]

Ausbreitung der eitrigen Entzündung in benachbarte Strukturen

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Akute Rhinosinusitis: Hohe Spontanheilungsraten (>50% nach 1 Woche, >90% nach 4 Wochen) [3]
  • Chronische Rhinosinusitis
    • Häufig langwierige Verläufe, teilweise mit Einschränkungen der Lebens- und Schlafqualität
    • Ziel einer Therapie ist die Symptomkontrolle, nicht die Heilung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Reiß: Facharztwissen HNO-Heilkunde: Differenzierte Diagnostik und Therapie. 1. Auflage Springer 2009, ISBN: 978-3-540-89440-7 .
  2. Kartagener Syndrom und Primäre Ciliäre Dyskinesie e. V.. . Abgerufen am: 11. August 2021.
  3. Rhinosinusitis. Stand: 7. April 2017. Abgerufen am: 24. Mai 2017.
  4. S2k-Leitlinie Rhinosinusitis. Stand: 1. April 2017. Abgerufen am: 9. Dezember 2020.
  5. Fokkens et al.: European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyps 2020 In: Rhinology journal. 2020, doi: 10.4193/rhin20.600 . | Open in Read by QxMD p. 1-464.
  6. Koletzko: Pädiatrie. 13. Auflage Springer 2007, ISBN: 978-3-540-48632-9 .
  7. Klimek et al.: Chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen: Biologika auf dem Prüfstand In: Deutsches Aerzteblatt Online. 2020, doi: 10.3238/PersPneumo.2020.02.14.05 . | Open in Read by QxMD .
  8. Knerer-Schally B.: Rhinosinusitis STATE OF THE ART In: ÖSTERREICHISCHE ÄRZTEZEITUNG. 2020, .
  9. S2K-Leitlinie Antibiotikatherapie bei HNO-Infektionen. Stand: 1. November 2019. Abgerufen am: 17. September 2020.
  10. S2k-Leitlinie Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018. . Abgerufen am: 10. Januar 2018.