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Neugeboreneninfektion

Letzte Aktualisierung: 5.3.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Als Neugeboreneninfektion wird i.d.R. eine systemische bakterielle Infektion des Neugeborenen bezeichnet. Sie gehört zu den bedrohlichsten Erkrankungen in der Neonatalperiode, da sie unbehandelt innerhalb weniger Stunden zu einer Meningitis und/oder einem septischen Schock führen kann. Erreger der Early-Onset-Sepsis werden vor oder während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen und führen innerhalb der ersten 72 Lebensstunden zu Symptomen. Die Late-Onset-Sepsis manifestiert sich hingegen erst jenseits der ersten drei Lebenstage und wird nosokomial oder ambulant erworben. Liegen klinische und/oder laborchemische Hinweise auf eine Neugeboreneninfektion vor, ist eine umgehende kalkulierte Antibiotikatherapie entscheidend für die Prognose. Bestehen bereits pränatal Risikofaktoren für eine Early-Onset-Sepsis (bspw. mütterliche Besiedelung mit Gruppe-B-Streptokokken, Triple I), sollten Neugeborene postnatal engmaschig überwacht und ggf. prophylaktisch behandelt werden.

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Definitiontoggle arrow icon

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Einteilungtoggle arrow icon

  • Nach Symptombeginn [2][3]
    • Early-Onset-Sepsis (EOS): Symptombeginn <72 Lebensstunden
    • Late-Onset-Sepsis (LOS): Symptombeginn ≥72 Lebensstunden
      • Ambulant erworbene Neugeboreneninfektion (im häuslichen Umfeld erworben)
      • Nosokomiale Neugeboreneninfektion (im Krankenhaus erworben) ): Symptombeginn ≥72 h nach stationärer Aufnahme
  • Nach Vorliegen eines Erregernachweises [1]
    • Klinische Neugeboreneninfektion: Symptomatik und laborchemische Veränderungen ohne direkten Erregernachweis in der Blutkultur
    • Kulturgesicherte Neugeboreneninfektion (Blutstrominfektion): Symptomatik und laborchemische Veränderungen mit direktem Erregernachweis in der Blutkultur
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Epidemiologietoggle arrow icon

Jedes zehnte Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht <1.500 g erkrankt an einer nosokomialen Neugeboreneninfektion!

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Risikofaktorentoggle arrow icon

Eine maternale Besiedelung mit Gruppe-B-Streptokokken im Anogenitalbereich gilt als wichtigster Risikofaktor für eine Early-Onset-Sepsis. Sie ist bei 10–30% aller Schwangeren nachweisbar! [3]

Intensivmedizinisch behandelte Frühgeborene haben ein hohes Risiko für eine nosokomiale Infektion!

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Erreger und Übertragungtoggle arrow icon

Erreger und Übertragung der Neugeboreneninfektion [1][2][8][9]
Erreger Übertragung
Early-Onset-Sepsis
Late-Onset-Sepsis Ambulant erworben
  • Vertikal von der Schwangeren auf das Kind (subpartal) oder
  • Horizontal von direkten Kontaktpersonen (postnatal)
Nosokomial
  • Patienteneigene Flora oder
  • Horizontal von direkten Kontaktpersonen

Erreger der Early-Onset-Sepsis entstammen der mütterlichen Anogenitalflora und können vor oder während der Geburt auf das Kind übertragen werden!

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Symptomatiktoggle arrow icon

Die klinischen Zeichen einer Neugeboreneninfektion sind oft unspezifisch und gleichen i.d.R. einem SIRS. Initial stehen meist respiratorische Symptome im Vordergrund.

Symptome der Neugeboreneninfektion [1][2][9]
Frühsymptome
Allgemein
  • Körpertemperatur >38 °C oder <36,5 °C [10]
  • Temperaturinstabilität mit zentral-peripherer Temperaturdifferenz >2 °C [10]
  • Blasses/graues oder marmoriertes Hautkolorit
  • Trinkschwäche
Respiratorisch
Kardiovaskulär
Neurologisch
Gastrointestinal
  • Nahrungsunverträglichkeit
Metabolisch
Spätsymptome
Allgemein
Gerinnung
Metabolisch

Frühzeichen einer Early-Onset-Sepsis treten meist innerhalb der ersten 24 Lebensstunden auf!

Unbehandelt kann eine Neugeboreneninfektion innerhalb weniger Stunden zu einer Meningitis und/oder einem septischen Schock führen!

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Diagnostiktoggle arrow icon

IL-6 und IL-8 haben in der Frühphase der Neugeborenensepsis die höchste Sensitivität!

Nur bei ca. 3–10% der Neugeborenen mit klinisch diagnostizierter Early-Onset-Sepsis wird ein Erreger in der Blutkultur nachgewiesen!

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Da betroffene Neugeborene oft durch respiratorische Symptome auffallen, stehen i.d.R. zunächst die häufigsten Differenzialdiagnosen Neugeborener mit respiratorischer Störung im Vordergrund. Daneben kommen je nach Leitsymptomen weitere Erkrankungen in Betracht.

Bei ambulant erworbener Late-Onset-Sepsis sollte zum Ausschluss einer Pyelonephritis immer der Urin untersucht werden!

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Eine Neugeborenensepsis kann unbehandelt innerhalb weniger Stunden zu einer Meningitis und/oder einem septischen Schock führen. Die wichtigsten therapeutischen Maßnahmen sind die Stabilisierung der Vitalfunktionen und der umgehende Beginn einer systemischen kalkulierten Antibiotikatherapie.

Stabilisierung der Vitalfunktionen [1]

Systemische kalkulierte Antibiotikatherapie [1][2]

Bei jedem klinischen V.a. eine Neugeboreneninfektion sollte umgehend eine kalkulierte antibiotische Therapie begonnen werden!

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Wirkstoffauswahl und Therapiedauertoggle arrow icon

Zur Therapie der Neugeboreneninfektion existieren keine einheitlichen und verbindlichen Empfehlungen. Die kalkulierte Antibiotikatherapie sollte gegen möglichst viele der infrage kommenden Erreger wirksam sein und dabei lokale Gegebenheiten (bspw. Resistenzen, klinikspezifische Erreger), mögliche Eintrittspforten (bspw. Gefäßzugänge, Katheter, Tubus) und Besiedelungen sowie Vorbehandlungen von Mutter und Kind beachten.

Early-Onset-Sepsis

Kalkulierte Antibiotikatherapie der Early-Onset-Sepsis [1][2][8]
Klinisches Bild Therapievorschlag
Sepsis

Ampicillin* [2] + Gentamicin** [2][13]

Sepsis + V.a. Meningitis Ampicillin* [2] + Gentamicin** [2][13] + Cefotaxim*** [2]
*oder Piperacillin [1][2], **oder Tobramycin (Off-Label Use bei Kindern im Alter ≤7 d [2], ***oder Ceftazidim [1][2]

Ambulant erworbene Late-Onset-Sepsis

Kalkulierte Antibiotikatherapie der ambulant erworbenen Late-Onset-Sepsis [1][2][8]
Klinisches Bild Therapievorschlag
Sepsis

Ampicillin* [2] + Gentamicin** [2][13] + ggf. Cefotaxim*** [8] [2]

Sepsis + V.a. Meningitis

Ampicillin* [2] + Gentamicin** [2][13] + Cefotaxim*** [2]

*oder Piperacillin [1][2], **oder Tobramycin (Off-Label Use bei Kindern im Alter ≤7 d) [2], ***oder Ceftazidim [1][2]

Nosokomiale Late-Onset-Sepsis (nosokomiale Neugeboreneninfektion)

Kalkulierte Antibiotikatherapie der nosokomialen Neugeboreneninfektion [1][2]

Indikation

Therapievorschlag

Initial

Ampicillin/Sulbactam* [2] + Gentamicin** [2][13]

Verdacht auf katheterassoziierte Sepsis oder Versagen der Initialtherapie

Piperacillin/Tazobactam (Off-Label Use) [2] + Gentamicin** [2][13] + ggf. Vancomycin*** [1][2]

Septischer Schock oder Versagen der vorangegangenen Therapie

Vancomycin*** [2] + Meropenem (Off-Label Use) [2]

*oder Piperacillin/Tazobactam (Off-Label Use) [2] oder Amoxicillin/Clavulansäure [2], **oder Tobramycin (Off-Label Use bei Kindern im Alter ≤7 d) [2],***oder Teicoplanin

Bei der Wirkstoffauswahl sind stets lokale Gegebenheiten, mögliche Eintrittspforten und Besiedelungen/Vorbehandlungen von Mutter und Kind zu beachten!

Therapiedauer

Dauer der Antibiotikatherapie bei Neugeboreneninfektion [1][2]
Erregernachweis Laborchemische Parameter
Unauffällig Auffällig
Negativ 36–48 h

Ca. 5–10 Tage

Positiv Je nach Erreger und klinischem Bild Ohne Meningitis: Ca. 7–14 Tage
Mit Meningitis: 10–14 Tage bzw. 14–21 Tage

Abhängig vom klinischen und laborchemischen Verlauf können Abweichungen von der angegebenen Therapiedauer sinnvoll sein!

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Dosisempfehlungen für Antibiotika bei Neugeborenentoggle arrow icon

Häufig verwendete Antibiotika

Dosisempfehlungen für häufig verwendete Antibiotika bei Neugeborenen [2]

Einzeldosen: Ampicillin* , Cefotaxim* , Ceftazidim* , Clindamycin , Penicillin G* , Piperacillin* , Piperacillin/Tazobactam* (Off-Label Use)
Gestationsalter bei Geburt (SSW) Aktuelles Alter (Tage) Dosisintervall (Stunden)
≤29 ≤28 12
>28 8
30–36 ≤14 12
>14 8
37–44 ≤7 12
>7 8
≥45 Jedes Alter 6
*CAVE: Anpassung der Dosierung bei V.a.Meningitis

Gentamicin und Tobramycin

Dosisempfehlungen für Gentamicin und Tobramycin bei Neugeborenen* [2]

Gestationsalter bei Geburt (SSW) Aktuelles Alter (Tage) Einzeldosis (mg/kgKG) Dosisintervall (Stunden)
≤29 ≤7 5 48
8–28 4 36
≥29 4 24
30–34 ≤7 4,5 36
>7 4 24
≥35 Jedes Alter 4 24
*CAVE: Off-Label Use von Gentamicin bei Frühgeborenen, Gentamicin Talspiegelkontrolle vor 2. oder 3. Gabe (Ziel: <0,5–1 mg/L)

Vancomycin

Dosisempfehlungen für Vancomycin bei Neugeborenen [2]
Einzeldosis: Vancomycin*
Gestationsalter bei Geburt (SSW) Aktuelles Alter (Tage) Dosisintervall (Stunden)
≤29 ≤14 18
>14 12
30–36 ≤14 12
>14 8
37–44 ≤7 12
>7 8
≥45 Jedes Alter 6
*CAVE: Anpassung der Dosierung bei V.a.Meningitis

Metronidazol

Dosisempfehlungen für Metronidazol bei Neugeborenen [2]
Einzeldosis: Metronidazol
Gestationsalter bei Geburt (SSW) Aktuelles Alter (Tage) Dosisintervall (Stunden)
≤29 ≤28 48
>28 24
30–36 ≤14 24
>14 12
37–44 ≤7 24
>7 12
≥45 Jedes Alter 8

Teicoplanin

Dosisempfehlungen für Teicoplanin bei Neugeborenen [2]
Gestationsalter bei Geburt (SSW) Geburtsgewicht (g) Startdosis (mg/kgKG) Erhaltungsdosis (mg/kgKG)
<37 <1.000 g 8 (1×/d) 6 (1×/d)
1.000–1.500 g 8 (1×/d) 8 (1×/d)
>1.500 g 10 (1×/d) 10 (1×/d)
≥37 Jedes Gewicht 10 (2×/d) 10 (1×/d)
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Prognosetoggle arrow icon

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Präventiontoggle arrow icon

Zur Prävention nosokomialer Infektionen wird keine antibiotische Prophylaxe empfohlen!

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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