Zusammenfassung
Als Neugeboreneninfektion wird i.d.R. eine systemische bakterielle Infektion des Neugeborenen bezeichnet. Sie gehört zu den bedrohlichsten Erkrankungen in der Neonatalperiode, da sie unbehandelt innerhalb weniger Stunden zu einer Meningitis und/oder einem septischen Schock führen kann. Erreger der Early-Onset-Sepsis werden vor oder während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen und führen innerhalb der ersten 72 Lebensstunden zu Symptomen. Die Late-Onset-Sepsis manifestiert sich hingegen erst jenseits der ersten drei Lebenstage und wird nosokomial oder ambulant erworben. Liegen klinische und/oder laborchemische Hinweise auf eine Neugeboreneninfektion vor, ist eine umgehende kalkulierte Antibiotikatherapie entscheidend für die Prognose. Bestehen bereits pränatal Risikofaktoren für eine Early-Onset-Sepsis (bspw. mütterliche Besiedelung mit Gruppe-B-Streptokokken, Triple I), sollten Neugeborene postnatal engmaschig überwacht und ggf. prophylaktisch behandelt werden.
Definition
- Definition: Durch bakterielle Infektion verursachte systemische Entzündungsreaktion mit klinischen und/oder laborchemischen Veränderungen beim Neugeborenen [1][2][3]
- Synonyme: Neugeborenensepsis, neonatale Sepsis
Einteilung
- Nach Symptombeginn [2][3]
- Early-Onset-Sepsis (EOS): Symptombeginn <72 Lebensstunden
- Late-Onset-Sepsis (LOS): Symptombeginn ≥72 Lebensstunden
- Ambulant erworbene Neugeboreneninfektion (im häuslichen Umfeld erworben)
- Nosokomiale Neugeboreneninfektion (im Krankenhaus erworben) ): Symptombeginn ≥72 h nach stationärer Aufnahme
- Nach Vorliegen eines Erregernachweises [1]
- Klinische Neugeboreneninfektion: Symptomatik und laborchemische Veränderungen ohne direkten Erregernachweis in der Blutkultur
- Kulturgesicherte Neugeboreneninfektion (Blutstrominfektion): Symptomatik und laborchemische Veränderungen mit direktem Erregernachweis in der Blutkultur
Epidemiologie
- Inzidenz [1][2]
- Early-Onset-Sepsis
- Ca. 1/1.000 reifen Neugeborenen
- Ca. 10–15/1.000 VLBW-Frühgeborenen
- Late-Onset-Sepsis
- Ambulant erworben: Ca. 0,1–0,3/1.000 reifen Neugeborenen
- Nosokomial: Ca. 100/1.000 VLBW-Frühgeborenen
- Early-Onset-Sepsis
Jedes zehnte Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht <1.500 g erkrankt an einer nosokomialen Neugeboreneninfektion!
Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.
Risikofaktoren
- Early-Onset-Sepsis [1][2][3]
- Frühgeburtlichkeit
- Niedriges Geburtsgewicht
- Mütterliche Besiedelung mit Gruppe-B-Streptokokken (anogenital)
- Vorausgegangene Geburt eines Kindes mit GBS-Sepsis
- Vorzeitiger Blasensprung ≥18 h
- Vorzeitige Wehen
- Triple I
- Erhöhtes mütterliches CRP >20 mg/L
- Late-Onset-Sepsis
- Ambulant erworben [4]
- Frühgeburtlichkeit
- Mütterliche Besiedelung mit Gruppe-B-Streptokokken (anogenital)
- Alter der Mutter <20 Jahre
- Betroffenes Zwillingsgeschwisterkind [5]
- Angeborene HIV-Infektion oder -Exposition
- Nosokomial [6][7]
- Frühgeburtlichkeit
- Niedriges Geburtsgewicht (ELBW >VLBW)
- Intensivmedizinische Maßnahmen, insb. eingebrachte Fremdkörper (bspw. Venen- und Arterienkatheter, Endotrachealtubus, Blasenkatheter)
- Unzureichende hygienische Standards
- Lange parenterale Ernährung (Lipidinfusionen)
- Invasive Beatmung und lange Beatmungsdauer
- Operationen
- Medikamente
- Ambulant erworben [4]
Eine maternale Besiedelung mit Gruppe-B-Streptokokken im Anogenitalbereich gilt als wichtigster Risikofaktor für eine Early-Onset-Sepsis. Sie ist bei 10–30% aller Schwangeren nachweisbar! [3]
Intensivmedizinisch behandelte Frühgeborene haben ein hohes Risiko für eine nosokomiale Infektion!
Erreger und Übertragung
Erreger und Übertragung der Neugeboreneninfektion [1][2][8][9] | |||
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Erreger | Übertragung | ||
Early-Onset-Sepsis |
| ||
Late-Onset-Sepsis | Ambulant erworben |
| |
Nosokomial |
|
|
Erreger der Early-Onset-Sepsis entstammen der mütterlichen Anogenitalflora und können vor oder während der Geburt auf das Kind übertragen werden!
Symptomatik
Die klinischen Zeichen einer Neugeboreneninfektion sind oft unspezifisch und gleichen i.d.R. einem SIRS. Initial stehen meist respiratorische Symptome im Vordergrund.
Symptome der Neugeboreneninfektion [1][2][9] | |
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Frühsymptome | |
Allgemein |
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Respiratorisch | |
Kardiovaskulär |
|
Neurologisch |
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Gastrointestinal |
|
Metabolisch |
|
Spätsymptome | |
Allgemein | |
Gerinnung | |
Metabolisch |
|
Frühzeichen einer Early-Onset-Sepsis treten meist innerhalb der ersten 24 Lebensstunden auf!
Unbehandelt kann eine Neugeboreneninfektion innerhalb weniger Stunden zu einer Meningitis und/oder einem septischen Schock führen!
Diagnostik
- Klinisches Bild (siehe: Symptome der Neugeboreneninfektion)
- Laborchemische Parameter
- Entzündungswerte
- Differenzialblutbild
- Leukozytopenie (<5.000/μL) oder Leukozytose (>30.000/μL, ggf. Nach Abzug der Erythroblasten )
- Stabkernige Granulozyten↑ (>500–1.000/μL)
- Granulozytopenie (<2.000/μL)
- I/T-Ratio↑ (>0,2)
- Thrombozytopenie
- Direkter Erregernachweis
- Aerobe Blutkultur , ggf. zusätzlich anaerobe Blutkultur
- Zu beachten: Falsch-positive Befunde der Blutkultur durch passagere Bakteriämie möglich
- Ggf. Erregeranzucht aus Ohrabstrich, Magensaft oder Trachealsekret
- Aerobe Blutkultur , ggf. zusätzlich anaerobe Blutkultur
- Weitere Untersuchungen
- Diagnostik häufiger Organbeteiligungen: Bei entsprechendem klinischen Verdacht
- Meningitis : Lumbalpunktion (siehe auch: Neugeborenenmeningitis)
- Pneumonie : Röntgen-Thorax (siehe auch: Neugeborenenpneumonie)
- Harnwegsinfektion : Urindiagnostik (siehe auch: Pyelonephritis im Kindesalter)
- Kolonisationsscreening
- Schwangere: Bei drohender Frühgeburt, maternalem Fieber oder Triple I
- Präpartal: Kombinierter Abstrich aus Introitus vaginae und Anus
- Postpartal: Abstriche von der Plazenta, bei Sectio caesarea zusätzlich vom Cavum uteri
- Frühgeborene: Bei intensivmedizinischer Behandlung
- Schwangere: Bei drohender Frühgeburt, maternalem Fieber oder Triple I
- Diagnostik häufiger Organbeteiligungen: Bei entsprechendem klinischen Verdacht
IL-6 und IL-8 haben in der Frühphase der Neugeborenensepsis die höchste Sensitivität!
Nur bei ca. 3–10% der Neugeborenen mit klinisch diagnostizierter Early-Onset-Sepsis wird ein Erreger in der Blutkultur nachgewiesen!
Differenzialdiagnosen
Da betroffene Neugeborene oft durch respiratorische Symptome auffallen, stehen i.d.R. zunächst die häufigsten Differenzialdiagnosen Neugeborener mit respiratorischer Störung im Vordergrund. Daneben kommen je nach Leitsymptomen weitere Erkrankungen in Betracht.
Differenzialdiagnosen der Neugeboreneninfektion | |
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Leitsymptome | Differenzialdiagnosen |
Respiratorisch |
|
Kardiovaskulär | |
Neurologisch | |
| |
Metabolisch | |
Unspezifische Allgemeinsymptome |
|
Bei ambulant erworbener Late-Onset-Sepsis sollte zum Ausschluss einer Pyelonephritis immer der Urin untersucht werden!
AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Therapie
Eine Neugeborenensepsis kann unbehandelt innerhalb weniger Stunden zu einer Meningitis und/oder einem septischen Schock führen. Die wichtigsten therapeutischen Maßnahmen sind die Stabilisierung der Vitalfunktionen und der umgehende Beginn einer systemischen kalkulierten Antibiotikatherapie.
Stabilisierung der Vitalfunktionen [1]
- Ziel: Aufrechterhaltung der Organperfusion und -oxygenierung
- Maßnahmen: Je nach Befund und klinischem Verlauf
- Bei respiratorischer Insuffizienz: Maschinelle Beatmung (siehe auch: Lungenprotektive Beatmung bei Neugeborenen)
- Bei hämodynamischer Instabilität : Kreislaufunterstützung bei Neugeborenen
- Volumengabe: Kristalloide Lösung [1]
- Katecholamintherapie: Wirkstoffauswahl je nach LVEF [11]
- Bei eingeschränkter LVEF: Dobutamin [1] (siehe auch: Dobutamin - Klinische Anwendung)
- Bei adäquater LVEF: Noradrenalin [1][12] (siehe auch: Noradrenalin - Klinische Anwendung)
Systemische kalkulierte Antibiotikatherapie [1][2]
- Beginn
- Umgehend bei jedem klinischen Verdacht (siehe: Symptome bei Neugeboreneninfektion) und/oder erhöhten laborchemischen Entzündungsparametern (siehe: Diagnostik der Neugeboreneninfektion)
- Ggf. bei bestehenden Risikofaktoren für eine Early-Onset-Sepsis (siehe: Risikofaktoren für eine Neugeboreneninfektion)
- Wirkstoffauswahl: I.d.R. Kombination mehrerer Antibiotika
- Zu beachten
- Lokale Gegebenheiten (bspw. Resistenzen, klinikspezifische Erreger)
- Mögliche Eintrittspforten durch Fremdkörper (bspw. Gefäßzugänge, Katheter, Tubus)
- Besiedelung und Vorbehandlung von Mutter und Kind
- Therapievorschlag
- Zu beachten
- Therapiekontrolle: Engmaschige klinische Beurteilung + CRP-Kontrollen nach 24 h und 48 h
- Bei Therapieversagen: Erweiterung des Wirkspektrums je nach klinischem Bild bzw. vermutetem Erreger
- Zusätzlich z.B.
- Cefotaxim
- Meropenem (pädiatrisch)
- Metronidazol
- Aciclovir
- Fluconazol oder Amphotericin B
- Zusätzlich z.B.
- Therapiedauer: Je nach klinischem Verlauf und ursächlichem Erreger (i.d.R. ca. 7–14 Tage, siehe: Dauer der Antibiotikatherapie bei Neugeboreneninfektion)
Kalkulierte Antibiotikatherapie der Neugeboreneninfektion (Übersicht) | |||
---|---|---|---|
Häufigste Erreger | Therapievorschlag | ||
Early-Onset-Sepsis | |||
Late-Onset-Sepsis | Ambulant erworben | ||
Nosokomial |
Bei jedem klinischen V.a. eine Neugeboreneninfektion sollte umgehend eine kalkulierte antibiotische Therapie begonnen werden!
Wirkstoffauswahl und Therapiedauer
Zur Therapie der Neugeboreneninfektion existieren keine einheitlichen und verbindlichen Empfehlungen. Die kalkulierte Antibiotikatherapie sollte gegen möglichst viele der infrage kommenden Erreger wirksam sein und dabei lokale Gegebenheiten (bspw. Resistenzen, klinikspezifische Erreger), mögliche Eintrittspforten (bspw. Gefäßzugänge, Katheter, Tubus) und Besiedelungen sowie Vorbehandlungen von Mutter und Kind beachten.
Early-Onset-Sepsis
Kalkulierte Antibiotikatherapie der Early-Onset-Sepsis [1][2][8] | |
---|---|
Klinisches Bild | Therapievorschlag |
Sepsis | Ampicillin* [2] + Gentamicin** [2][13] |
Sepsis + V.a. Meningitis | Ampicillin* [2] + Gentamicin** [2][13] + Cefotaxim*** [2] |
*oder Piperacillin [1][2], **oder Tobramycin (Off-Label Use bei Kindern im Alter ≤7 d [2], ***oder Ceftazidim [1][2] |
Ambulant erworbene Late-Onset-Sepsis
Kalkulierte Antibiotikatherapie der ambulant erworbenen Late-Onset-Sepsis [1][2][8] | |
---|---|
Klinisches Bild | Therapievorschlag |
Sepsis | Ampicillin* [2] + Gentamicin** [2][13] + ggf. Cefotaxim*** [8] [2] |
Sepsis + V.a. Meningitis | Ampicillin* [2] + Gentamicin** [2][13] + Cefotaxim*** [2] |
*oder Piperacillin [1][2], **oder Tobramycin (Off-Label Use bei Kindern im Alter ≤7 d) [2], ***oder Ceftazidim [1][2] |
Nosokomiale Late-Onset-Sepsis (nosokomiale Neugeboreneninfektion)
Kalkulierte Antibiotikatherapie der nosokomialen Neugeboreneninfektion [1][2] | |
---|---|
Indikation | Therapievorschlag |
Initial | Ampicillin/Sulbactam* [2] + Gentamicin** [2][13] |
Verdacht auf katheterassoziierte Sepsis oder Versagen der Initialtherapie | Piperacillin/Tazobactam (Off-Label Use) [2] + Gentamicin** [2][13] + ggf. Vancomycin*** [1][2] |
Septischer Schock oder Versagen der vorangegangenen Therapie | Vancomycin*** [2] + Meropenem (Off-Label Use) [2] |
*oder Piperacillin/Tazobactam (Off-Label Use) [2] oder Amoxicillin/Clavulansäure [2], **oder Tobramycin (Off-Label Use bei Kindern im Alter ≤7 d) [2],***oder Teicoplanin |
Bei der Wirkstoffauswahl sind stets lokale Gegebenheiten, mögliche Eintrittspforten und Besiedelungen/Vorbehandlungen von Mutter und Kind zu beachten!
Therapiedauer
Dauer der Antibiotikatherapie bei Neugeboreneninfektion [1][2] | ||
---|---|---|
Erregernachweis | Laborchemische Parameter | |
Unauffällig | Auffällig | |
Negativ | 36–48 h | Ca. 5–10 Tage |
Positiv | Je nach Erreger und klinischem Bild | Ohne Meningitis: Ca. 7–14 Tage |
Mit Meningitis: 10–14 Tage bzw. 14–21 Tage |
Abhängig vom klinischen und laborchemischen Verlauf können Abweichungen von der angegebenen Therapiedauer sinnvoll sein!
Dosisempfehlungen für Antibiotika bei Neugeborenen
Häufig verwendete Antibiotika
Dosisempfehlungen für häufig verwendete Antibiotika bei Neugeborenen [2] | ||
---|---|---|
Einzeldosen: Ampicillin* , Cefotaxim* , Ceftazidim* , Clindamycin , Penicillin G* , Piperacillin* , Piperacillin/Tazobactam* (Off-Label Use) | ||
Gestationsalter bei Geburt (SSW) | Aktuelles Alter (Tage) | Dosisintervall (Stunden) |
≤29 | ≤28 | 12 |
>28 | 8 | |
30–36 | ≤14 | 12 |
>14 | 8 | |
37–44 | ≤7 | 12 |
>7 | 8 | |
≥45 | Jedes Alter | 6 |
*CAVE: Anpassung der Dosierung bei V.a.Meningitis |
Gentamicin und Tobramycin
Dosisempfehlungen für Gentamicin und Tobramycin bei Neugeborenen* [2] | |||
---|---|---|---|
Gestationsalter bei Geburt (SSW) | Aktuelles Alter (Tage) | Einzeldosis (mg/kgKG) | Dosisintervall (Stunden) |
≤29 | ≤7 | 5 | 48 |
8–28 | 4 | 36 | |
≥29 | 4 | 24 | |
30–34 | ≤7 | 4,5 | 36 |
>7 | 4 | 24 | |
≥35 | Jedes Alter | 4 | 24 |
*CAVE: Off-Label Use von Gentamicin bei Frühgeborenen, Gentamicin Talspiegelkontrolle vor 2. oder 3. Gabe (Ziel: <0,5–1 mg/L) |
Vancomycin
Dosisempfehlungen für Vancomycin bei Neugeborenen [2] | ||
---|---|---|
Einzeldosis: Vancomycin* | ||
Gestationsalter bei Geburt (SSW) | Aktuelles Alter (Tage) | Dosisintervall (Stunden) |
≤29 | ≤14 | 18 |
>14 | 12 | |
30–36 | ≤14 | 12 |
>14 | 8 | |
37–44 | ≤7 | 12 |
>7 | 8 | |
≥45 | Jedes Alter | 6 |
*CAVE: Anpassung der Dosierung bei V.a.Meningitis |
Metronidazol
Dosisempfehlungen für Metronidazol bei Neugeborenen [2] | ||
---|---|---|
Einzeldosis: Metronidazol | ||
Gestationsalter bei Geburt (SSW) | Aktuelles Alter (Tage) | Dosisintervall (Stunden) |
≤29 | ≤28 | 48 |
>28 | 24 | |
30–36 | ≤14 | 24 |
>14 | 12 | |
37–44 | ≤7 | 24 |
>7 | 12 | |
≥45 | Jedes Alter | 8 |
Teicoplanin
Dosisempfehlungen für Teicoplanin bei Neugeborenen [2] | |||
---|---|---|---|
Gestationsalter bei Geburt (SSW) | Geburtsgewicht (g) | Startdosis (mg/kgKG) | Erhaltungsdosis (mg/kgKG) |
<37 | <1.000 g | 8 (1×/d) | 6 (1×/d) |
1.000–1.500 g | 8 (1×/d) | 8 (1×/d) | |
>1.500 g | 10 (1×/d) | 10 (1×/d) | |
≥37 | Jedes Gewicht | 10 (2×/d) | 10 (1×/d) |
Prognose
- Letalität
- In Deutschland ca. 4% [14]
- Weltweit ca. 18% [15]
- Langzeitfolgen: Erhöhtes Risiko insb. bei Frühgeborenen [1]
- Bronchopulmonale Dysplasie (BPD)
- Intraventrikuläre Hämorrhagie (IVH)
- Periventrikuläre Leukomalazie (PVL)
- Infantile Zerebralparese
- Beeinträchtigte neurokognitive Entwicklung
Prävention
- Early-Onset-Sepsis
- Screening der Schwangeren auf anogenitale Besiedelung mit Gruppe-B-Streptokokken [3]
- Ggf. antibiotische Therapie der Schwangeren ab Wehenbeginn oder Blasensprung (siehe: Subpartale antibiotische Therapie) [2][3]
- Late-Onset-Sepsis
- Ambulant erworben: Unbekannt [3]
- Nosokomial [6]
- Möglichst zurückhaltender Einsatz invasiver medizinischer Maßnahmen
- Vermeidung fremdkörperassoziierter Infektionen durch möglichst
- Sterile Bedingungen bei der Anlage und Pflege
- Wenig Manipulation
- Kurze Liegedauer
- Konsequente Erarbeitung und Umsetzung hygienischer Standards
- Ausreichende Verfügbarkeit neonatologisch spezialisierter Pflegekräfte
- Ggf. antiseptische Haut-, Schleimhaut- und Nabelpflege
- Vermeidung nicht-indizierter Antibiotika
- Enterale Ernährung mit Muttermilch [16]
- Gabe von Probiotikakombinationen (Bifidusbakterien + Lactobazillen) [17]
Zur Prävention nosokomialer Infektionen wird keine antibiotische Prophylaxe empfohlen!
Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025
- P36.-: Bakterielle Sepsis beim Neugeborenen (Inkl. Angeborene Sepsis)
- P36.0: Sepsis beim Neugeborenen durch Streptokokken, Gruppe B
- P36.1: Sepsis beim Neugeborenen durch sonstige und nicht näher bezeichnete Streptokokken
- P36.2: Sepsis beim Neugeborenen durch Staphylococcus aureus
- P36.3: Sepsis beim Neugeborenen durch sonstige und nicht näher bezeichnete Staphylokokken
- P36.4: Sepsis beim Neugeborenen durch Escherichia coli
- P36.5: Sepsis beim Neugeborenen durch Anaerobier
- P36.8: Sonstige bakterielle Sepsis beim Neugeborenen
- P36.9: Bakterielle Sepsis beim Neugeborenen, nicht näher bezeichnet
- P39.-: Sonstige Infektionen, die für die Perinatalperiode spezifisch sind
- P39.0: Infektiöse Mastitis beim Neugeborenen
- Exklusive: Brustdrüsenschwellung beim Neugeborenen (P83.4), Nichtinfektiöse Mastitis beim Neugeborenen (P83.4)
- P39.1: Konjunktivitis und Dakryozystitis beim Neugeborenen
- Inklusive: Konjunktivitis durch Chlamydien beim Neugeborenen, Ophthalmia neonatorum o.n.A.
- Exklusive: Konjunktivitis durch Gonokokken (A54.3)
- P39.2: Intraamniale Infektion des Fetus, anderenorts nicht klassifiziert
- P39.3: Harnwegsinfektion beim Neugeborenen
- P39.4: Hautinfektion beim Neugeborenen
- Inklusive: Pyodermie beim Neugeborenen
- Exklusive: Staphylococcal scalded skin syndrome [SSS-Syndrom] (L00.‑), Pemphigus neonatorum (L00.‑)
- P39.8: Sonstige näher bezeichnete Infektionen, die für die Perinatalperiode spezifisch sind
- P39.9: Infektion, die für die Perinatalperiode spezifisch ist, nicht näher bezeichnet
- P39.0: Infektiöse Mastitis beim Neugeborenen
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.