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Akuter arterieller Extremitätenverschluss

Last updated: 12.10.2020

Abstract

Der akute arterielle Verschluss einer Extremität hat eine Ischämie im Versorgungsgebiet der Arterie zur Folge, die unbehandelt zur irreversiblen Gewebsnekrose führt. Klinisch stellt sich die Extremität schmerzhaft, blass und kalt dar. Therapeutisch ist die schnellstmögliche Reperfusion anzustreben. Neben konservativen Maßnahmen (wie Extremitätentieflagerung) kommen in der Regel interventionelle Verfahren (gefäßchirurgisch oder endovaskulär) und medikamentöse Therapie (Antikoagulation, Analgesie) zur Anwendung. Bei schneller Reperfusion ist die Prognose gut, bei länger anhaltender Ischämie drohen irreversible Schäden, die lebensbedrohliche Komplikationen hervorrufen können und evtl. eine Amputation der Extremität erfordern.

Ätiologie

Pathophysiologie

  • Ischämietoleranz
  • Bei Überschreiten der Ischämietoleranz → irreversible Schädigung des Gewebes

Symptome/Klinik

  • 6 "P" nach Pratt
    • Pain (Schmerz)
    • Paleness (Blässe)
    • Pulselessness (Pulslosigkeit)
    • Paralysis (Bewegungsstörung)
    • Paresthesia (Sensibilitätsstörung)
    • Prostration (Schock)
  • Bei Embolie: Akuter Beginn, Herzerkrankung in der Anamnese
  • Bei arteriellen Thrombosen: Subakuter Beginn, arterielle Verschlusskrankheit in der Anamnese
  • (Akutes) Leriche-Syndrom : Schmerzen in beiden Beinen, fehlende Leistenpulse und periphere Pulse, neurologische Ausfälle, Schock

Stadien

Einteilung nach TASC [1][2]

Grad Neurologische Defizite Dopplersignal Gefährdung und Therapiemöglichkeiten
Sensibilität Motorik Arteriell Venös
I
  • Normal
  • Normal
  • Nachweisbar
  • Nachweisbar
  • Nicht vital bedroht
II a
  • Minimale Einschränkung
  • Normal
  • Oft nicht nachweisbar
  • Nachweisbar
  • Gering gefährdet → Unverzügliche Revaskularisation indiziert
b
  • Deutliche Einschränkung
  • Ruheschmerz
  • Geringe bis mäßige Defizite
  • Nicht nachweisbar
  • Nachweisbar
  • Unmittelbar gefährdet → Sofortige Revaskularisation indiziert
III
  • Anästhesie
  • Paralyse
  • Nicht nachweisbar
  • Nicht nachweisbar

Insbesondere Einschränkungen der Motorik und/oder der Sensibilität sind entscheidende Parameter, um die Bedrohung der Extremität zu beurteilen! Ein beginnender Sensibilitätsverlust ist häufig das erste Zeichen für eine akute vitale Gefährdung der Extremität!

Diagnostik

Anamnese und klinische Untersuchung

  • Anamnese zu pAVK, Herzerkrankungen etc.
  • Pulsstatus
  • Hautfarbe und -temperatur
  • Motorik
  • Neurologische Ausfälle

Bildgebende Verfahren

Therapie

Akut

Konservativ

Interventionell

  • Chirurgisch
  • Lokale Thrombolysetherapie (mittels Urokinase, rt-PA; kontinuierliche lokale Infusions- oder Infiltrationsthrombolyse)
  • Kathetergestützte mechanische Thrombembolektomie (z.B. Aspirationsthrombembolektomie)
  • Ultima ratio: Amputation der Extremität

Anschließend muss eine mögliche Emboliequelle (z.B. Rhythmusstörungen) abgeklärt werden und evtl. eine Antikoagulation erfolgen!

Bei akutem Verschluss ist eine sofortige Therapie durchzuführen, da der Behandlungserfolg direkt von der vorliegenden Ischämiedauer abhängt!

Komplikationen

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Prognose

  • Gute Prognose, wenn Embolektomie in den ersten 6 Stunden durchgeführt wird
  • Schlechte Prognose bei Verschlüssen über 6 Stunden → Evtl. Amputation

Prävention

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2021

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

Quellen

  1. Leitlinie Der akute periphere Arterienverschluss. Stand: 25. August 2008. Abgerufen am: 7. November 2017.
  2. Falluji, Mukherjee: Critical and Acute Limb Ischemia In: Angiology. Band: 65, Nummer: 2, 2012, doi: 10.1177/0003319712470966 . | Open in Read by QxMD p. 137-146.
  3. Müller: Chirurgie (2014/15). 11. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2011, ISBN: 3-929-85110-5 .
  4. Siewert: Chirurgie. 8. Auflage Springer 2006, ISBN: 978-3-540-30450-0 .
  5. S3-Leitlinie Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Stand: 30. September 2015. Abgerufen am: 4. September 2020.
  6. Michels, Kochanek: Repetitorium Internistische Intensivmedizin. 3. Auflage. Auflage Springer 2017, ISBN: 978-3-662-53182-2 .
  7. Duran et al.: Akuter arterieller Gefäßverschluss einer Extremität In: Notfall + Rettungsmedizin. Band: 20, Nummer: 4, 2017, doi: 10.1007/s10049-017-0265-y . | Open in Read by QxMD p. 292-298.
  8. Aboyans et al.: 2017 ESC Guidelines on the Diagnosis and Treatment of Peripheral Arterial Diseases, in collaboration with the European Society for Vascular Surgery (ESVS) In: European Heart Journal. Band: 39, Nummer: 9, 2017, doi: 10.1093/eurheartj/ehx095 . | Open in Read by QxMD p. 763-816.
  9. Stiegler: Plötzlich kaltes Bein In: MMW - Fortschritte der Medizin. Band: 153, Nummer: 15, 2011, doi: 10.1007/bf03368151 . | Open in Read by QxMD p. 32-34.
  10. Larena-Avellaneda: Die 6-P-Zeichen nach Pratt In: Gefässchirurgie. Band: 21, Nummer: 2, 2016, doi: 10.1007/s00772-016-0120-3 . | Open in Read by QxMD p. 72-73.
  11. Ludwig: Akute periphere arterielle Verschlusskrankheit. Springer 2019, ISBN: 978-3-662-58450-7 , p. 13-23.
  12. Simon et al.: Pathophysiologie der akuten Extremitätenischämie In: Gefässchirurgie. Band: 21, Nummer: 2, 2016, doi: 10.1007/s00772-016-0121-2 . | Open in Read by QxMD p. 91-95.