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Peritonitis

Letzte Aktualisierung: 3.8.2021

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Die Peritonitis ist eine Entzündung des Bauchfells und stellt in den meisten Fällen einen chirurgischen Notfall dar. Sie wird u.a. eingeteilt nach Ausdehnung (lokalisiert vs. generalisiert), Ätiologie (primär vs. sekundär) und Erscheinungsform (fibrinös, putride, kotig oder gallig).

Am häufigsten ist die sekundäre Form, die in den meisten Fällen durch eine Hohlorganperforation (z.B. Ulkus-, oder Divertikelperforation) oder Infektion intraabdomineller Organe (z.B. Appendizitis, Cholezystitis) als Durchwanderungsperitonitis (z.B. bei Ileus) entsteht. Klinisch äußert sich die Peritonitis mit starken abdominellen Schmerzen (akutes Abdomen) und Druckschmerz mit Abwehrspannung im betroffenen Areal. In der Regel kommt es zu Fieber und Allgemeinzustandsverschlechterung sowie zur Ausbildung eines paralytischen Ileus.

Therapeutische Grundlage der sekundären Peritonitis ist die chirurgische Herdsanierung in Kombination mit Antibiotikatherapie und intensivmedizinischen Maßnahmen. Bei lokalisierter Peritonitis ist der Infektionsherd meist bereits durch eine Operation ausgeräumt, bei generalisierter Peritonitis können auch mehrfache operative Revisionen mit Spülungen, Débridement und Drainage notwendig sein. Eine primäre Peritonitis (z.B. spontan bakterielle Peritonitis) verläuft häufig symptomärmer und wird in der Regel konservativ antibiotisch behandelt. Je nach Ätiologie unterscheiden sich die Peritonitisformen durch Schwere und Prognose voneinander; letale Verläufe sind insbesondere ohne zeitnahe Therapie möglich.

Primäre Peritonitis (ca. 20%)

Sekundäre Peritonitis (ca. 80%)

Weitere Formen

  • Körperliche Untersuchung
    • Peritonismus (lokalisiert oder generalisiert): Bauchdecke hart, Erschütterung schmerzhaft
      • Lokalisierter oder generalisierter Bauchschmerz
      • Lokale oder generalisierte Abwehrspannung: Unwillkürliche muskuläre Anspannung bei Berührung und Erschütterung
      • Starke Berührungsempfindlichkeit, ggf. gebeugte Schonhaltung
      • Untersuchung der Erschütterungsempfindlichkeit
        • Stehenden Patienten auffordern, sich aus dem Zehenspitzenstand auf die Fersen fallen zu lassen
        • Nach Ankündigung an der Liege rütteln.
        • Bei Kindern: Die begleitenden Eltern dazu auffordern, das Kind auf dem Schoß schüttelnd zu wiegen und die Reaktion des Kindes beobachten
      • Ggf. aggressives Verhalten von Patientinnen und Patienten bei unvorsichtiger Annäherung
    • Auskultation: Spärliche/keine Darmgeräusche bei paralytischem Ileus
    • Aszites: Bei vorbekanntem Aszites hinweisend auf spontan bakterielle Peritonitis
    • Ggf. Zeichen der Sepsis (qSOFA-Score? )
  • Labor
  • Apparative Untersuchung
  • Interventionell

Pseudoperitonitis

Von einer Pseudoperitonitis spricht man, wenn ein Patient die typischen Symptome einer Peritonitis aufweist (Peritonismus), ohne dass jedoch eine Peritonitis vorliegt. Einige der möglichen zugrundeliegenden Erkrankungen sind im Folgenden aufgeführt:

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Definition

Erregerspektrum

Das Risiko einer Infektion mit MRE ist immer individuell zu erfassen!

Risikofaktoren und präventive Maßnahmen

Patienten mit einer Peritonealdialyse können durchaus auch eine klassische sekundäre Peritonitis bei abdominellen Erkrankungen aufweisen – insb. bei kulturellem Nachweis einer Mischinfektion mit intestinaler Flora sollte eine chirurgisch zu behandelnde Ursache ausgeschlossen werden!

Diagnostik

Therapie[1]

Primäre Peritonitis

Sekundäre Peritonitis

Chirurgisch

Konservativ (ergänzend zu den chirurgischen Maßnahmen)

  • Allgemeine Maßnahmen
    • Stationäre (ggf. intensivmedizinische) Überwachung
    • Flüssigkeitsgabe
    • Medikamentös: Antibiotikagabe bei infektiöser Ursache (s.u.), Analgetika, Thromboseprophylaxe
  • Weitere spezielle Therapie je nach Ätiologie (siehe spezifische Kapitel)

Antibiotische Therapie bei sekundärer Peritonitis

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Kam-Tao Li, Szeto et al.: ISPD Peritonitis Recommendations: 2016 Update on Prevention and Treatment In: Perit Dial Int.. Band: 36, Nummer: 5, 2016, doi: 10.3747/pdi.2016.00078 . | Open in Read by QxMD p. 481-508.
  2. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  3. Siewert: Chirurgie. 8. Auflage Springer 2006, ISBN: 978-3-540-30450-0 .
  4. Dietel et al.: Harrisons Innere Medizin (2 Bände). 16. Auflage ABW Wissenschaftsverlagsgesellschaft 2005, ISBN: 978-3-936-07229-7 .
  5. S3-Leitlinie Aszites, spontan bakterielle Peritonitis und hepatorenales Syndrom. Stand: 30. April 2011. Abgerufen am: 11. Oktober 2017.
  6. S2k-Leitlinie Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018. . Abgerufen am: 10. Januar 2018.