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Pseudokrupp

Letzte Aktualisierung: 25.8.2025

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Beim Pseudokrupp (subglottische Laryngitis, stenosierende Laryngotracheitis, viraler Krupp) handelt es sich um eine virale Entzündung der Atemwege mit akuter subglottischer Stenose. Die Erkrankung betrifft überwiegend Kinder ≥6 Monate bis <3 Jahre und tritt v.a. in den Herbst- und Wintermonaten auf. Die klinische Symptomatik verläuft meist so charakteristisch, dass keine weitere Diagnostik notwendig ist: I.d.R. erwachen die Kinder nachts mit anfallsartigem, bellendem Husten und Heiserkeit. Mit zunehmender Schwere der Symptomatik kommt es zu einem i.d.R. inspiratorischen Stridor sowie einer Dyspnoe und Tachypnoe. Im Zentrum der Therapie steht neben Beruhigung und supportiven Maßnahmen die (einmalige) Glucocorticoid-Gabe, bei ausgeprägter Symptomatik in Kombination mit einer Adrenalin-Inhalation. Die Prognose ist gut, schwere Verläufe sind insg. selten.

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Prävalenz: 5–10 % aller Kinder erkranken mind. einmal im Leben an Pseudokrupp
    • Hospitalisierungsrate ≤5%
    • Häufigkeit schwerer Verläufe rückläufig
  • Alter: I.d.R. Kinder ≥6 Monate bis <6 Jahre (Häufigkeitsgipfel zwischen 1 und 2 Jahren) [1][2]
  • Geschlecht: > (1,4–2,5:1)
  • Saisonalität: Bevorzugt in den Herbst- und Wintermonaten

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

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Pathophysiologietoggle arrow icon

Bei subtotaler Obstruktion ist nur noch ein leiser in- und exspiratorischer Stridor zu hören!

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Symptomatiktoggle arrow icon

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Stadientoggle arrow icon

Schweregrade des Pseudokrupps [2]
Kriterium Schweregrad
Mild Moderat Schwer
Stridor
  • Inspiratorischer Belastungsstridor oder leiser Ruhestridor
  • Lauter inspiratorischer Ruhestridor
  • Inspiratorisch und exspiratorisch
Tachypnoe/Dyspnoe
  • Keine
  • Mild
  • Ausgeprägt
Vigilanz
  • Normal
  • Reduziert
Schweregrade des Pseudokrupps nach Cape Town Score [1]
Kriterium Schweregrad
1 2 3 4
Stridor
  • Inspiratorisch
  • In- und exspiratorisch
  • In- und exspiratorisch
  • In- und exspiratorisch
Dyspnoe
  • Inspiratorisch
  • Inspiratorisch
  • In- und exspiratorisch
  • In- und exspiratorisch
Allgemeinsymptome

Pseudokrupp verläuft meist mild! [2]

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Diagnostiktoggle arrow icon

  • Klinische Diagnose
    • Anamnese (insb. Alter, Verlauf, Impfstatus )
    • Klinische Untersuchung: Auf das Nötigste beschränken (insb. Inspektion und pulmonale Auskultation)
    • Ggf. Pulsoxymetrie (insb. bei ausgeprägter Symptomatik)
  • Weiterführende Diagnostik (Labordiagnostik , ggf. Bildgebung/Laryngoskopie ) bei
    • Atypischer Anamnese (bspw. ungewöhnlichem Alter) oder Verlauf
    • Schwerer Symptomatik
    • Mangelndem Therapieansprechen oder persistierendem Stridor >7 Tage

Jede Aufregung sollte vermieden und eine Racheninspektion mit Spatel unterlassen werden, weil sich hierdurch die Symptomatik verschlechtern kann!

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Differenzialdiagnose: Krupp/Pseudokrupp/Epiglottitis
Echter Krupp (Kehlkopfdiphtherie) Pseudokrupp Epiglottitis
Erreger
Erkrankungsalter
  • Jedes Alter möglich
  • ≥6 Monate bis <6 Jahre
  • Jedes Alter möglich, insb. Senioren, Ungeimpfte und Impfversager
Krankheitsbeginn
  • Zunächst langsam progrediente lokale Tonsillitis
  • 4–5 Tage später plötzlicher Beginn der Krupp-Symptomatik
  • Plötzlich einsetzende Symptomatik (insb. nachts)
  • Zuvor ggf. Symptome eines milden Atemwegsinfekts
  • Plötzlich, fulminant
Allgemeinzustand
  • Reduziert
  • Gut bis leicht reduziert
  • Reduziert
Fieber
  • Vorhanden
  • Vorhanden (hoch)
Husten
  • Bellend
  • Bellend
  • Fehlt
Stimme
  • Heiserkeit
  • Heiserkeit (bis Stimmlosigkeit)
  • Kloßige Sprache
Inspiratorischer Stridor
  • Vorhanden
  • Vorhanden
  • Vorhanden
Schluckbeschwerden
  • Vorhanden
  • Nicht vorhanden
  • Vorhanden (mit erhöhtem Speichelfluss)
Therapie
Auftreten
  • Erkrankung in Deutschland selten
  • Sehr häufig
  • Erkrankung in Deutschland selten, bei Auftreten meist auf andere Erreger als HiB zurückzuführen
Impfung
  • Nein

Bei fehlender Hib-Impfung, hohem Fieber, schlechtem Allgemeinzustand und Speichelfluss muss immer an eine Epiglottitis gedacht werden! Eine Racheninspektion ist dann nur in Intubationsbereitschaft möglich und das Kind muss stationär aufgenommen werden!

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Laryngomalazietoggle arrow icon

  • Definition: Angeborene Erweichung des Kehlkopfknorpels
  • Epidemiologie
    • Häufigste angeborene Larynxfehlbildung
    • Inzidenz: 1:2.600
    • Geschlecht: > (2:1) [5]
  • Assoziation mit Frühgeburtlichkeit und niedrigem Geburtsgewicht
  • Pathophysiologie: Abnorm weiche Knorpelstruktur → Ansaugen von Kehlkopfstrukturen in InspirationEinengen der Atemwege
  • Klinik
  • Diagnostik: Laryngoskopie
  • Therapie
    • I.d.R. keine Therapie notwendig
    • Minimal-invasive OP bei Komplikationen erwägen

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Tracheomalazietoggle arrow icon

Die Tracheomalazie ist i.d.R. nicht behandlungsbedürftig und bildet sich häufig innerhalb der ersten Lebensjahre spontan zurück!

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Therapietoggle arrow icon

Übersicht

Behandlung des Pseudokrupps nach Schweregrad
Maßnahme Pseudokrupp-Schweregrad
Mild Moderat Schwer
Allgemeinmaßnahmen
  • Beruhigung; Aufregung und invasive Maßnahmen vermeiden
  • Kaltluftzufuhr
  • Oberkörperhochlagerung, insb. bei (ausgeprägter) Dyspnoe
  • Sauerstoffgabe bei spO2 ≤92%
  • Ggf. Antipyretika
  • Ggf. abschwellende Nasentropfen

Monitoring

Glucocorticoide

Inhalatives Epinephrin (Adrenalin)

  • Inhalationslösung [1][2]
  • Oder Injektionslösung (Off-Label Use) [1][2]
  • Inhalationslösung [1][2]
  • Oder Injektionslösung (Off-Label Use) [1][2]

Glucocorticoide verbessern die Symptomatik und vermindern das Hospitalisierungsrisiko! Eine einmalige Anwendung wird daher für alle Pseudokrupp-Schweregrade empfohlen!

Eine Intubation sollte bei Pseudokrupp vermieden werden, da sie zu subglottischen Stenosen führen kann! Bei entsprechender Indikation sollte sie aufgrund der schwierigen Intubationsbedingungen durch erfahrenes Personal erfolgen!

Hinweise zur Therapie

  • Kaltluftzufuhr: Praxistipps bei gutem Allgemeinzustand
    • Kind (mit Jacke oder Decke) auf dem Schoß der Eltern ans geöffnete Fenster setzen
    • Mit den Eltern für ca. 30 min vor das Gebäude an die frische Luft gehen lassen
  • Glucocorticoide: Für alle Schweregrade empfohlen
  • Epinephrin (inhalativ): Bei moderater/schwerer Symptomatik empfohlen
    • Wirkungsbeginn: Nach ca. 10 min
    • Wirkungsdauer: 1–2 hRebound-Effekt mit erneuter Symptomatik möglich!
      • Stationäre Aufnahme zur Überwachung erwägen (für mind. 2–3 h [6])
      • Immer Kombination mit Glucocorticoiden
      • Ggf. wiederholte Anwendung

Glucocorticoide wirken verzögert, aber langanhaltend! Eine Adrenalin-Inhalation wirkt dagegen innerhalb weniger Minuten, aber nur kurzzeitig über 1–2 h, weshalb ein Rebound-Effekt auftreten kann!

Bei Tachykardie sowie Obstruktionen der (rechts‑)ventrikulären Ausflussbahn (bspw. einer Fallot-Tetralogie) sollten Adrenalin-Inhalationen nur mit Vorsicht angewendet werden! [6]

Hinweise zum Behandlungssetting

Indikationen zur stationären Aufnahme

  • Alter <6 Monate
  • Schweregrad
    • Immer bei schwerer Symptomatik
    • Ggf. bei moderater Symptomatik
  • Unzureichendes Therapieansprechen auf Glucocorticoide und Adrenalin
  • Unsichere Diagnose mit V.a. akut behandlungsbedürftige Differenzialdiagnose

Vorgehen bei ambulanter Behandlung

  • Aufklärung der Eltern
    • Vorgehen bei Pseudokrupp
      • Ruhe bewahren!
      • Kind beruhigen, auf den Arm nehmen oder aufsetzen
      • Einmalige Glucocorticoid-Gabe nach ärztlicher Verordnung
      • Kind ans offene Fenster oder auf den Balkon bringen und kalte Luft einatmen lassen
    • Warnzeichen: Akute (Wieder‑)Vorstellung insb. bei
    • Rezidivrisiko: In der Folgenacht sowie im Rahmen weiterer Infekte
  • Bei Entlassung: Glucocorticoide zur ambulanten Anwendung (bei Rezidiv) mitgeben
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AMBOSS-Pflegewissen: Pseudokrupptoggle arrow icon

Bei einem Pseudokruppanfall handelt es sich um eine akute Stresssituation. Die betroffenen Kinder haben das Gefühl zu ersticken, was zu zusätzlicher Angst und einer Verschlimmerung der Symptome führen kann. Da sich die Ängste der Eltern zusätzlich auf das Kind übertragen können, ist es neben der Überwachung der Vitalparameter (insb. der Atmung) besonders wichtig, als Pflegefachperson Ruhe auszustrahlen. Für die Behandlung sollte eine ruhige Atmosphäre geschaffen und den Kindern durch eine einfache, spielerische Darstellung die Angst vor den pflegerischen Maßnahmen genommen werden.

Beobachten/Überwachen

Bei einem Pseudokruppanfall steht die Beobachtung und Überwachung der Atmung im Vordergrund!

Eine Somnolenz spricht für einen sehr schweren Verlauf und erfordert umgehende Therapiemaßnahmen!

Therapie

Um Ängste zu reduzieren, sollten anstehende Maßnahmen möglichst spielerisch erklärt und durchgeführt werden!

Da häufig bereits in der Folgenacht Rezidive auftreten, sollten bei der Entlassung nach ärztlicher Anordnung ggf. Glucocorticoide als Notfallmedikament mitgegeben werden!

Hygiene

  • Kohortierung bzw. Isolation: Abhängig vom Erreger (bspw. RSV oder Influenzaviren)
  • Mundschutz: Bei Mitarbeitenden und Besucher:innen zum Eigenschutz
  • Sputumhygiene: Anleitung der Eltern zur fachgerechten Entsorgung von Sputum

Bei milden Verläufen ist meist kein stationärer Klinikaufenthalt notwendig!

Mobilisation/Bewegung

  • Positionierung: Nach Wunsch des Kindes, bei akuten Anfällen möglichst sitzend
  • Mobilisation: Meist keine Bettruhe notwendig

In Ruhe und während körperlicher Belastung sollte auf eine Zunahme der Dyspnoe geachtet werden!

Prävention und Beratung

  • Prävention eines erneuten Pseudokruppanfalls
    • Aufklärung über mögliche Impfungen (insb. Influenza)
    • Bei Kindern mit bestehender Kehlkopfverengung auf besondere Gefährdung hinweisen
    • Aufklärung über den Einfluss verschiedener Schadstoffe (insb. Tabakrauch) in der Kindesumgebung
  • Tipps für Eltern im Akutfall
    • Ruhe bewahren
    • Kind beruhigen, ggf. auf den Arm nehmen oder aufsetzen
    • Kind auf den Balkon, ans geöffnete Fenster, vor den geöffneten Kühlschrank oder ins Badezimmer bringen und angefeuchtete, kühle Luft einatmen lassen
    • Nach dem Anfall dem Kind ein kühles Getränk anbieten
    • Zur Vorbeugung eines erneuten Anfalls Kind bei offenem Fenster schlafen lassen

Eltern sollten über die hohe Rezidivgefahr (meist schon in der Folgenacht) aufgeklärt werden!

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Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Prognosetoggle arrow icon

  • I.d.R. folgenloses Abklingen der Symptomatik innerhalb weniger Tage
  • Rezidive häufig (i.d.R. mit regredienter Symptomatik über einige Tage [6])
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Meldepflichttoggle arrow icon

Gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht keine Meldepflicht für Pseudokrupp im Allgemeinen. Es gibt jedoch eine amtliche Meldepflicht für einige Erreger.

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Patienteninformationentoggle arrow icon

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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