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Epiglottitis

Letzte Aktualisierung: 28.10.2020

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Die Epiglottitis ist eine akute, meist fulminant verlaufende Entzündung der Epiglottis, die in der Vergangenheit meist durch Haemophilus influenzae Typ b (Hib) ausgelöst wurde. Seit Einführung der Schutzimpfung gegen Hib ist dieses Krankheitsbild seltener geworden und wird meist durch andere Bakterien ausgelöst. Die Epiglottitis hatte früher ihren Altersgipfel im Kindesalter. Sie kann aber in jedem Alter auftreten und betrifft inzwischen vorwiegend Senioren, Ungeimpfte und Impfversager (gegen Hib). Typisch bei Kindern ist ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit hohem Fieber, Halsschmerzen, kloßiger Sprache, Speichelfluss und inspiratorischem Stridor, Einziehungen und Zyanose. Kinder nehmen charakteristischerweise eine sitzende Körperhaltung zur Erweiterung der Luftwege ein. Bei Erwachsenen sind Dysphagie, Schluckschmerzen und eine veränderte Stimme typische Zeichen. Aufgrund der akuten Erstickungsgefahr ist bereits bei Krankheitsverdacht eine ärztlich begleitete Einweisung ins Krankenhaus indiziert. Die Diagnosestellung erfolgt anhand der Klinik. Eine Inspektion des Rachens sollte nur in Intubationsbereitschaft erfolgen. Stationäres Monitoring und eine intravenöse Antibiotikatherapie sowie systemische Glucocorticoide und Adrenalin inhalativ sind immer indiziert. In schweren Fällen ist eine Intubation notwendig. Bei adäquater Therapie hat die akute Epiglottitis eine gute Prognose.

  • Inzidenz [1] [2]
    • Kinder: 0,2 pro 100.000 pro Jahr
    • Erwachsene: 1,9–3,1 pro 100.000 pro Jahr [3]
  • Auftreten
    • Ehemaliger Altersgipfel 2–7 Jahre
    • Seit Einführung der Hib-Schutzimpfung hauptsächlich bei Senioren, Ungeimpften und Impfversagern

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Bakterielle Infektion (direkt über die Schleimhaut oder hämatogen) von Epiglottisgewebe und supraglottischen Strukturen → Zunehmende epi- und supraglottische Entzündung und Ödem → Verengung oder Verschluss der Atemwege
  • Inkubationszeit: Wenige Tage
  • Hochakut, fulminant verlaufendes Krankheitsbild mit Symptommanifestation binnen weniger Stunden

Als Leitsymptome der Epiglottitis kann man sich die „5S“ merken: Stridor, Sabbern, Sprache (kloßig), Schluckbeschwerden, schnorchelnde Atmung.

  • Die Epiglottitis ist eine primär klinische Diagnose!
  • Anamnese: Hib-Impfung? , Essen/Trinken?
  • Maßnahmen vor Diagnostik
    • Patienten nicht hinlegen, unbedingt sitzen lassen , Kinder am besten auf dem Schoß der Bezugsperson
    • Keine Spatelinspektion!
    • Intensivmonitoring
    • Sicherstellen einer suffizienten Atmung
    • Bei Ateminsuffizienz
      • Sicherung der Atemwege
      • Invasive diagnostische Maßnahmen (i.v. Zugang, Laryngoskopie, Labor, LP) in Gasnarkose
  • Untersuchung
    • Larynxinspektion, ggf. mit Mundspatel nach Sicherung der Atemwege: Typischerweise kirschrote, ödematöse Epiglottis
    • Alternativ: Flexible fiberoptische Nasolaryngoskopie oder indirekte Laryngoskopie nur in Intubationsbereitschaft oder nach Sicherung der Atemwege
    • Basislabor (Leukozytose, CRP↑, BSG↑), Blutkultur, BGA
    • Lumbalpunktion bei klinischem Verdacht auf Begleitmeningitis
    • Hib-Antigennachweis in Urin (und ggf. Liquor)
    • Abstrich von der Epiglottis mit Anlegen einer bakteriologischen Kultur
    • Im angloamerikanischen Raum wird ein laterales cervicales Röntgenbild zum Ausschluss anderer Diagnosen bei stabilen Patienten regelhaft durchgeführt.

Insb. bei Kindern sollte jede Stresssituation oder Manipulation vermieden werden, da Ersticken durch Verschluss der Atemwege droht! Bereits im Verdachtsfall sollte man einen ärztlich begleiteten Transport im Sitzen ins Krankenhaus veranlassen!

Bei Erwachsenen kann in Abhängigkeit von Stenose und Compliance des Patienten auch ohne Sicherung der Atemwege eine weiterführende Untersuchung erfolgen. Eine Manipulation im Rachenraum sollte aber auch hier nur in Intubations- bzw. Koniotomiebereitschaft vorgenommen werden.

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Allgemeine Maßnahmen

Medikamentöse Therapie

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Letalität: ca. 1 % (ohne Intensivbehandlung ca. 5–12 %)

Haemophilus-influenzae-Typ-b-Impfung [5]

Postexpositionsprophylaxe bei invasiver Hib-Infektion[6]

  • Indikation: Eine Chemoprophylaxe ist indiziert nach engem Kontakt zu Patienten mit invasiver Hib-Infektion
    • Die Chemoprophylaxe sollte innerhalb von 7 Tagen nach Symptombeginn des Indexpatienten erfolgen
      • Für alle ungeimpften exponierten Kinder ≤4 Jahre
      • Für alle Haushaltsmitglieder des Indexpatienten, wenn sich folgende Personen im Haushalt befinden
      • Für alle Kinder und Betreuungspersonen in Gemeinschaftseinrichtungen für Kleinkinder
        • Bei ≥2 Hib-Erkrankungsfällen innerhalb von 2 Monaten, wenn nicht (oder nicht ausreichend) geimpfte Kinder betreut werden

Gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht keine bundesweite Meldepflicht für die akute Epiglottitis. Es gibt jedoch eine Labormeldepflicht bei Nachweis von Haemophilus influenzae b.

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  • J05.-: Akute obstruktive Laryngitis [Krupp] und Epiglottitis
    • J05.0: Akute obstruktive Laryngitis [Krupp]
      • Obstruktive Laryngitis o.n.A.
    • J05.1: Akute Epiglottitis
      • Epiglottitis o.n.A.

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Guldfred et al.: Acute epiglottitis: epidemiology, clinical presentation, management and outcome In: The Journal of Laryngology & Otology. Band: 122, Nummer: 8, 2007, doi: 10.1017/S0022215107000473 . | Open in Read by QxMD .
  2. Lichtor et al.: Epiglottitis. It Hasn't Gone Away In: Anesthesiology. Band: 124, Nummer: 6, 2016, doi: 10.1097/ALN.0000000000001125 . | Open in Read by QxMD p. 1404-7.
  3. Robert-Koch-Institut: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2016. Robert-Koch-Institut 2017, ISBN: 978-3-896-06280-2 .
  4. S2k-Leitlinie Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018. . Abgerufen am: 10. Januar 2018.
  5. Epidemiologisches Bulletin 34/2020. Stand: 20. August 2020. Abgerufen am: 14. September 2020.
  6. STIKO - Epidemiologisches Bulletin 34/2019 .
  7. Empfehlungen für die Wiederzulassung in Schulen und sonstigen Gemeinschaftseinrichtungen. Stand: 25. Juli 2006. Abgerufen am: 3. August 2016.
  8. Strutz et al.: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie. 2. Auflage Thieme 2009, ISBN: 978-3-131-16972-3 .
  9. Sitzmann: Duale Reihe Pädiatrie. 3. Auflage Thieme 2006, ISBN: 978-3-131-25332-3 .
  10. Reinhardt et al.: Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. 8. Auflage Springer 2007, ISBN: 3-540-71898-2 .
  11. Kliegman et al.: Nelson Textbook of Pediatrics. 19. Auflage Elsevier 2011, ISBN: 978-1-437-70755-7 .
  12. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 6 . Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2013, ISBN: 978-3-131-44716-6 .
  13. Hoffmann et al.: Pädiatrie: Grundlagen und Praxis. 4. Auflage Springer 2014, ISBN: 3-642-41865-1 .
  14. Koletzko, Harnack: Kinder- und Jugendmedizin. 14. Auflage Springer 2012, ISBN: 3-642-11378-8 .
  15. Nicolai: Pädiatrische Notfall- und Intensivmedizin. 5. Auflage Springer 2014, ISBN: 978-3-662-43660-8 .