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Weaning

Letzte Aktualisierung: 29.7.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Als Weaning bezeichnet man die schrittweise Entwöhnung von einer maschinellen Beatmung bis zur Extubation bzw. Dekanülierung. Dieser Prozess stellt einen zentralen Bestandteil der intensivmedizinischen Versorgung dar und beansprucht ca. 40–50% der gesamten Beatmungsdauer. Entscheidend für ein erfolgreiches Weaning ist ein strukturiertes und individuell angepasstes Vorgehen, das ärztliche, pflegerische und physiotherapeutische Expertise vereint.

Abhängig vom Verlauf ist eine Einteilung in ein einfaches, schwieriges und ein prolongiertes Weaning möglich. Letzteres ist fast immer durch eine Überlastung der Atemmuskulatur bedingt und geht mit einer ungünstigen Prognose einher.

Grundlagentoggle arrow icon

Definition

Phasen der invasiven Beatmung [2]
Phase Beschreibung
1 Intubation und Behandlung einer akuten respiratorischen Insuffizienz
2 Vermutung einer Weaning-Bereitschaft
3 Überprüfung der Kriterien für Weaning-Bereitschaft
4 Spontanatmungsversuch: Beginn des Weanings im eigentlichen Sinne
5 Extubation/Dekanülierung
6 Ggf. Reintubation/Rekanülierung

Epidemiologie

  • Inzidenz einer ungeplanten Extubation [2]
    • Je nach Quelle zwischen 0,3–16%
    • In fast 50% dieser Fälle erfolgt keine Reintubation
  • Inzidenz des schwierigen Weanings [4]
    • Etwa 20% aller beatmeten Personen
    • Bis zu 50% der beatmeten Personen mit langer Beatmungsdauer oder COPD

Etwa die Hälfte aller ungeplanten Extubationen erfordert keine Reintubation! Das legt nahe, dass oft zu spät extubiert wird!

Zwischen 70–80% aller >24 h beatmeten Personen werden bereits beim ersten Weaningversuch erfolgreich entwöhnt! [2]

Risikofaktoren für prolongiertes Weaning [5]

Klassifikationtoggle arrow icon

Weaning-Klassifikation gemäß internationaler Konsensuskonferenz (2005) [3]

Weaning-Klassifikation gemäß internationaler Konsensuskonferenz
Gruppe Bezeichnung Beschreibung
1
  • Einfaches Weaning (engl. Simple Weaning)
  • Erfolgreiches Weaning nach dem ersten Spontanatmungsversuch und der ersten Extubation
2
  • Schwieriges Weaning (engl. Difficult Weaning)
  • Erfolgreiches Weaning nach ≤3 Spontanatmungsversuchen oder innerhalb von <7 Tagen nach dem ersten (erfolglosen) Spontanatmungsversuch
3
  • Prolongiertes Weaning (engl. Prolonged Weaning)
  • Erfolgreiches Weaning nach >3 Spontanatmungsversuchen oder Beatmung über >7 Tage nach dem ersten (erfolglosen) Spontanatmungsversuch

Ein prolongiertes Weaning ist prognostisch ungünstig (signifikant geringere Erfolgsaussichten und höhere Letalität im Vergleich zum einfachen bzw. schwierigen Weaning)! [1]

Subgruppen gemäß Leitlinie zum prolongierten Weaning (2019) [2]

Weaning-Klassifikation: Leitliniengerechte Unterteilung der Gruppe 3
Gruppe Beschreibung Weitere Einteilung Beschreibung
3a
  • 3aI
  • 3aII
  • Ohne Dekanülierung
3b
  • 3bI
  • Langzeit-NIV ohne zusätzlichen Pflegebedarf
  • 3bII
  • Langzeit-NIV mit zusätzlichem Pflegebedarf
3c
  • 3cI
  • 3cII
  • Intrahospitaler Tod

WIND-Klassifikation (2017) [7]

WIND-Klassifikation
Gruppe Bezeichnung Beschreibung
0 No Weaning Kein Separationsversuch durchgeführt
1 Short Weaning Erfolgreiche Extubation beim ersten Separationsversuch
2 Difficult Weaning Erfolgreiche Extubation nach >1 Tag, aber <1 Woche nach dem ersten Separationsversuch
3 Prolonged Weaning Keine Extubation nach ≥1 Woche nach dem ersten Separationsversuch

Die internationale, standardisierte WIND-Klassifikation wird zunehmend in Studien und für Qualitätsindikatoren angewendet! Für den klinischen Alltag – und insb. beim prolongierten Weaning – ist weiterhin die detaillierte deutsche Klassifikation praxisrelevant! [6]

Weaningkonzeptetoggle arrow icon

Diskontinuierliche Entwöhnung

  • Definition: Gezielter Wechsel zwischen Phasen der vollständigen maschinellen Beatmung (Erholungsphase) und Phasen der kompletten Spontanatmung
  • Zielgruppe: Patient:innen mit bereits erschöpfter Atemmuskulatur
  • Durchführung
    • Maschinelle Beatmung für definierte Zeitintervalle unterbrechen
    • Patient:innen atmen selbstständig
    • Unterstützung durch eine Sauerstoffquelle, bspw. über T-Stück
    • Unterstützung durch CPAP
    • Bei Erschöpfungszeichen : Erholungsphase einleiten
  • Vorteile
    • Ermöglicht Beurteilung der aktuellen Leistungsfähigkeit der Patient:innen
    • Erholungsphasen gewähren gezielte Regeneration der Atemmuskulatur
  • Nachteile

Kontinuierliche Entwöhnung

  • Definition: Schrittweise und langsame Reduktion der maschinellen Unterstützung
  • Zielgruppe: Patient:innen mit einer akuten, aber reversiblen respiratorischen Insuffizienz
  • Durchführung
  • Vorteile
    • Geringeres Risiko für plötzliche Überlastung der Atemmuskeln
    • Bessere Steuerbarkeit
  • Nachteile
    • Erfordert regelmäßige Anpassung der Geräteeinstellungen an die Patient:innen
    • Risiko für Hyperventilation
    • Ggf. Asynchronität zwischen Patient:innen und Gerät

Automatisierte Weaning-Systeme

  • Definition: Kontinuierliche Anpassung der Beatmungsunterstützung an die gemessenen Atemparameter durch das Beatmungsgerät
  • Durchführung
    • System überwacht Parameter (bspw. Atemfrequenz, Atemzugvolumen, CO2-Werte)
    • Druckunterstützung wird automatisch in kleinen Schritten angepasst
  • Vorteil: Ggf. schnelleres Weaning
  • Nachteil: Nicht für alle Patientengruppen geeignet

Das Weaningkonzept sollte immer individuell an die Patient:innen angepasst sein!

Ablauf/Durchführungtoggle arrow icon

Weaning-Strategien [1]

Weaning-Strategien können die Zeit bis zur Entwöhnung vom Beatmungsgerät verkürzen und sollten grundsätzlich bei allen maschinell beatmeten Personen angewendet werden! [1]

Weaning-Protokolle [6]

  • Definition: Strukturierte Vorgehensweisen zur systematischen Beendigung einer maschinellen Beatmung je nach klinikinternen Standards
  • Ziele: Mithilfe vorher festgelegter Kriterien
    • Entwöhnungsbereitschaft frühzeitig erkennen
    • Spontanatmungsversuche konsequent durchführen
    • Rasche und sichere Extubation/Dekanülierung ermöglichen
  • Anwendung
    • Bei allen erwachsenen Patient:innen mit invasiver Beatmung >24 h empfohlen
    • Kombination mit protokollbasierten Aufwachversuchen und/oder Sedierungsregime

Standardisierte Weaning-Protokolle können den Weaning-Prozess unterstützen und beschleunigen! [2]

Kriterien für Weaning-Bereitschaft [2]

Spontanatmungsversuchtoggle arrow icon

Vorbereitung

Patient:in

Material und Medikamente

  • Basismonitoring: EKG, Pulsoxymeter, Blutdruck
  • Beatmungszubehör: T-Stück mit Sauerstoffzufuhr oder Beatmungsgerät für ASB, PEEP-Ventil
  • Material für Sekretmanagement: Funktionsbereites Absauggerät, Absaugkatheter, Material für Inhalation
  • BGA-Material
  • Notfallequipment: Intubationsset, Beatmungsbeutel, Notfallmedikamente

Durchführung

Die ersten 30 min des Spontanatmungsversuchs sind entscheidend für den erfolgreichen Verlauf!

Ein Spontanatmungsversuch mit einer druckunterstützten Beatmung über 30 min führt zu einer signifikant besseren Rate an erfolgreichen Extubationen im Vergleich zum T-Stück-Versuch über 2 h! [9]

Nachbereitung und Dokumentation

  • Nach erfolgreichem Spontanatmungsversuch
    • Patient:in auf Extubation bzw. Dekanülierung vorbereiten und Ablauf erklären
    • Engmaschige Überwachung nach Extubation bzw. Dekanülierung sicherstellen
    • Sekretmanagement intensivieren
  • Nach gescheitertem Spontanatmungsversuch
    • Patient:in beruhigen, für Erholungsphase sorgen, Beatmung fortsetzen
    • Interdisziplinäre Ursachenanalyse
    • Beatmung und weitere Therapie anpassen
    • Erneuten Spontanatmungsversuch für nächsten Tag planen
  • Dokumentation im Weaning-Protokoll
    • Gesamter Verlauf des Weaning-Prozesses
    • Eingesetzte Methode und Dauer
    • Alle relevanten Beatmungsparameter
    • Bei Abbruch: Angabe von Gründen und Uhrzeit

Bei einem gescheiterten Spontanatmungsversuch sollte man einen erneuten Versuch bereits am nächsten Tag durchführen, falls alle Kriterien erfüllt sind!

Zwischen den Spontanatmungsversuchen soll sich die Atemmuskulatur ausreichend erholen und regenerieren können! Eine langfristige vollentlastende Beatmung ist jedoch zu vermeiden! [2]

Supportive Therapie bei prolongiertem Weaningtoggle arrow icon

Supportive Therapie bei prolongiertem Weaning
Problematik Maßnahme Ziel
Pleuraergüsse/Hypervolämie
Pathologien von Atemwegen und Lunge
Störungen des Atemantriebs
  • Sauerstoffgabe bei Gasaustauschstörungen
  • Gabe von Morphin
Unzureichender Hustenstoß
  • Perkussion, Vibration und Oszillation
  • Autogene Drainage oder Lagerungsdrainage
  • Technische Hilfsmittel für forciertes Husten
Zwerchfell-Dysfunktion
  • Normalisierung der Zwerchfellfunktion
Kardiale Dysfunktion
Lagerung
  • Oberkörperhochlagerung
Malnutrition
  • Reduktion einer erhöhten CO2-Produktion
Metabolische Störungen
  • Normalisierung von metabolischen oder hormonellen Störungen
Delir, Angst, Agitation
  • Normalisierung der vegetativen und neurophysiologischen Funktion
Immobilität
  • Physiotherapie
  • Atemmuskeltraining
  • Frühmobilisation
  • Rekonditionierung von atrophierten Muskeln

Weaning-Versagentoggle arrow icon

Ursachen beim einfachen und schwierigen Weaning [11]

Ursachen beim prolongierten Weaning [2]

Überlastung der Atemmuskulatur
Mögliche Ursachen Klinische Beispiele
Atemwege und Lunge
  • Obstruktion
  • Überblähung
  • Reduzierte Compliance
  • Eingeschränkte Gasaustauschfläche
Thoraxwand
Eingeschränkter Sauerstofftransport
Erhöhter Sauerstoffverbrauch
  • Erhöhter Umsatz
Metabolismus
  • Metabolische Störungen
Insuffizienz der Atempumpe
Mögliche Ursachen Klinische Beispiele
Atemzentrum
Nervensystem
  • Neuritis
  • Nervenschädigungen
Atemmuskulatur

Ursächlich für das Weaning-Versagen beim prolongierten Weaning ist fast immer eine Überlastung der Atemmuskeln! [2]

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