Zugang zu fachgebietsübergreifendem Wissen – von > 70.000 Ärzt:innen genutzt

5 Tage kostenfrei testen
Von ärztlichem Redaktionsteam erstellt & geprüft. Disclaimer aufrufen.

Immunsuppressiva

Letzte Aktualisierung: 30.3.2021

Abstracttoggle arrow icon

Immunsuppressiva senken auf unterschiedliche Arten die Immunabwehr des Körpers. Zur Immunsuppression kommen verschiedene Substanzen zum Einsatz, die mit uneinheitlichen Wirkmechanismen Einfluss auf die zelluläre und humorale Immunantwort nehmen. Einsatzgebiet sind vorwiegend Organtransplantationen, Autoimmunerkrankungen sowie die zytostatische Therapie. Eine erhöhte Infektanfälligkeit ist allen Immunsuppressiva als Nebenwirkung gemein.

Wirkmechanismus zelluläre Immunantwort humorale Immunantwort
Ciclosporin A Bindung an Cyclophilin → Hemmung von Calcineurin → IL-2-Produktion↓ → Aktivierung der T-Lymphozyten
Tacrolimus Bindung an FKBP 12 → Hemmung von Calcineurin → IL-2-Produktion↓ → Aktivierung der T-Lymphozyten
Sirolimus (Rapamycin) Bindung an FKBP 12 → Hemmung von mTOR-Kinase → Hemmung des IL-2-vermittelten Zellzyklus → Hemmung der Proliferation der T-Lymphozyten
Mycophenolat-Mofetil Hemmung der Inosinmonophosphat-Dehydrogenase → selektive Proliferationshemmung von Lymphozyten
Glucocorticoide Hemmung des intrazellulären NF-κB → multiple Entzündungs- und Immunmediatoren werden gehemmt
Zytostatika Azathioprin (6-Mercaptopurin ) Purin-Analogon (Antimetabolit) → u.a. Einbau einer falschen BaseDNA-Replikation (✓)
Methotrexat

Folsäure-Antagonist (Antimetabolit) → Purin- und Pyrimidin- und dadurch DNA-Synthese

Cyclophosphamid Alkylans: Alkylierung von DNA/RNA → Vernetzung und Strangbrüche → DNA-Synthese gestört (✓)
Biologicals Spezifische Bindung an relevante Strukturen in der Immunkaskade (✓) (✓)

Ciclosporin A
Tacrolimus (FK506)
  • Bindung an FKBP-12 → Hemmung von Calcineurin → IL-2-Produktion↓ → Aktivierung der T-Lymphozyten
Glucocorticoide
  • Akute Wirkung (Minuten) → nicht gänzlich geklärt, membranstabilisierender Effekt wird angenommen
  • Langfristige Wirkung (Stunden und Folgezeit) → Direkter Einfluss auf Genexpression
Azathioprin
Methotrexat

Biologicals

  • Rekombinant hergestellte Proteine, die gezielt in immunologische Prozesse eingreifen
  • Einsatz bei Autoimmunerkrankungen und Malignomen
    • Zwar teilw. aufwendig und kostspielig, stellt aber in einigen Fällen eine deutliche Steigerung des Behandlungserfolges dar
Antikörper Typ Target Anwendung

Infliximab

chimär TNF-α-Hemmung

CAVE: Nebenwirkungen und Kontraindikationen einer Anti-TNF-α-Therapie

Adalimumab

human
Etanercept Fusionsprotein
Rituximab chimär

CD20

Alemtuzumab humanisiert CD52
Natalizumab humanisiert α4-Integrin
Omalizumab humanisiert IgE
Muromonab-CD3 Maus-AK CD3 von T-Lymphozyten
Basiliximab chimär α-Kette (CD25-Antigen) des IL-2-Rezeptors von T-Lymphozyten
  • Prophylaxe von Nierenabstoßung nach Transplantation (in Kombination mit anderen Immunsuppressiva)

Daclizumab

humanisiert α-Kette (CD25-Antigen) des IL-2-Rezeptors von T-Lymphozyten
  • Keine Zulassung mehr (Marktrücknahme für die Indikation Multiple Sklerose im März 2018)
Trastuzumab humanisiert HER2/neu
Bevacizumab humanisiert VEGF

Cetuximab

chimär EGFR
  • Metastasiertes Kolonkarzinom (ohne KRAS-Mutation) [1]
  • Plattenepithelkarzinom im Kopf- und Halsbereich

Canakinumab

humanisiert Interleukin-1 (spezifisch für IL-1β)

Die Namensgebung besitzt eine gewisse Systematik und teilt die Medikamente in die folgenden vier Abschnitte: 1. Präfix (variabel), 2. Wirkbereich (bspw. -ci(r)- für Blutkreislauf, oder -li(m)- für Immunsystem), 3. Organismus, aus dem der Antikörper stammt (bspw. -u- für human, oder -xi- für chimär) und 4. Endung -mab (steht für „monoclonal antibody“)!

Eine immunsuppressive Therapie geht ihrem Wirkprinzip entsprechend mit dem Risiko einer erhöhten Infektanfälligkeit einher!

Bei allen Patienten unter immunsuppressiver Therapie soll regelmäßig der Impfstatus geprüft und Impfungen gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) aufgefrischt werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Rheumatologie)

Ciclosporin A

Tacrolimus

Glucocorticoide (siehe dort)

Azathioprin/6-Mercaptopurin

  • Myelosuppressiv
    • Verstärkung durch Interaktion mit Allopurinol
    • Es gibt Patienten mit genetischem Polymorphismus (verminderte Thiopurin-Methyltransferase), bei denen es zu einem langsameren Abbau und damit zur Überdosierung von Azathioprin kommen kann. Da vor der Therapie eine Testung ohne weiteres möglich ist, wird empfohlen, diese vor einer geplanten hohen Dosierung vorzunehmen.
  • Pankreatitis, Hepatitis
  • Deutlich erhöhtes Risiko für Nicht-Melanom-Hautkrebs

Methotrexat

  • Myelosuppression
  • Mukositis (v.a. Stomatitis, Enteritis), Infektanfälligkeit
  • Hepatotoxizität, Nephrotoxizität
  • Lungenfibrose
  • Haarausfall

Rote-Hand-Brief zu Methotrexat [5]

In der zytostatischen Tumortherapie kann Methotrexat z.T. täglich gegeben werden, zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen nur einmal wöchentlich !

  • Maßnahmen zur Verhinderung von Dosierungsfehlern bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen
    • Verschreibung nur durch Ärzte mit Erfahrung im Umgang mit Methotrexat
    • Ausführliche und wiederholte Aufklärung und Schulung von Patienten bzw. Pflegekräften über korrekte Dosierung und Anzeichen einer Überdosierung
    • Gemeinsame Festlegung eines Wochentags, an dem Methotrexat eingenommen wird
    • Bei jeder neuen Verordnung prüfen, ob die Dosierungsanweisung verstanden wurde
    • Umgehende ärztliche Konsultation bei V.a. Überdosierung

Rescue-Therapie“ („Leucovorin®-Rescue“)

Als Immunsuppressiva eingesetzte Zytostatika (z.B. Cyclophosphamid)

Biologicals

Zum Ausschluss einer latenten Tuberkulose bzw. um die Aktivierung zu vermeiden, muss vor Einsatz ein Quantiferon-Test (früher Tuberkulintest) durchgeführt werden!

Es werden die wichtigsten Nebenwirkungen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Einnahmeintervalle können in Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Indikation erheblich variieren! In der zytostatischen Tumortherapie kann Methotrexat z.T. täglich gegeben werden, zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen nur einmal wöchentlich! Siehe hierzu: Rote-Hand-Brief zu Methotrexat.

Azathioprin

  • Allopurinol: Hemmung der Xanthinoxidase , was zu einer erhöhten Knochenmarkstoxizität des Azathioprins führt
    • Vermeiden einer gleichzeitigen Gabe
    • Bei notwendiger Komedikation: Senkung der Azathioprin-Dosis auf etwa 25% der Normaldosierung

Allopurinol bewirkt eine toxische Kumulation von Azathioprin! Die benötigte Wirkstoffmenge reduziert sich auf ca. 1/4 der Dosis und muss unbedingt angepasst werden!

Interesse an wöchentlichen Updates zur aktuellen Studienlage im Bereich der Inneren Medizin? Abonniere jetzt das Studientelegramm! Den Link zur Anmeldung findest du am Seitenende unter "Tipps & Links"

COVID-19 und Immunsuppressiva (April 2020)

Interesse an noch mehr Medizinwissen zum Hören? Abonniere jetzt den AMBOSS-Podcast über deinen Podcast-Anbieter oder den Link am Seitenende unter "Tipps & Links"

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir Videos zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du in dem Kapitel Meditricks.

Azathioprin

Methotrexat

Ciclosporin

Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).

  1. Leitlinie Kolonkarzinom. Stand: 1. August 2017. Abgerufen am: 26. April 2018.
  2. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2018 .
  3. Fava, Montagnana: Atherosclerosis Is an Inflammatory Disease which Lacks a Common Anti-inflammatory Therapy: How Human Genetics Can Help to This Issue. A Narrative Review In: Frontiers in Pharmacology. Band: 9, 2018, doi: 10.3389/fphar.2018.00055 . | Open in Read by QxMD p. 55.
  4. Ridker: From C-Reactive Protein to Interleukin-6 to Interleukin-1 In: Circulation Research. Band: 118, Nummer: 1, 2016, doi: 10.1161/circresaha.115.306656 . | Open in Read by QxMD p. 145-156.
  5. Rote-Hand-Brief zu Methotrexat: Maßnahmen zur Vermeidung von Dosierungsfehlern mit potenziell tödlichen Folgen bei der Anwendung von Methotrexat bei Autoimmunerkrankungen. Stand: 25. November 2019. Abgerufen am: 26. November 2019.
  6. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  7. Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 15. Auflage Thieme 2002, ISBN: 3-133-68515-5 .
  8. Wehling (Hrsg.): Klinische Pharmakologie. 1. Auflage Thieme 2005, ISBN: 3-131-26821-2 .
  9. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012 .