ambossIconambossIcon

Akute Gastroenteritis

Letzte Aktualisierung: 27.7.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die akute Gastroenteritis ist eine Magen-Darm-Entzündung häufig infektiöser Genese und geht typischerweise mit Durchfall und/oder Übelkeit/Erbrechen einher. Diagnostisch stehen Anamnese und körperliche Untersuchung im Vordergrund. Labordiagnostik und eine Erregersuche mittels Stuhldiagnostik sind nur in speziellen Fällen (bspw. bei schwerem Verlauf, bei V.a. einen spezifischen Erreger oder bei nosokomialem Auftreten) erforderlich. Da die Erkrankung i.d.R. selbstlimitierend verläuft, sind Rehydratation und symptomatische Maßnahmen therapeutisch meist ausreichend. Mögliche Komplikationen sind insb. Dehydratation mit akuter Nierenfunktionseinschränkung, infektionsbedingte Komplikationen wie Sepsis oder HUS sowie ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom. Präventive Hygienemaßnahmen und Meldepflichten sollten beachtet werden.

Für pädiatrische Inhalte siehe: Akute Gastroenteritis im Kindes- und Jugendalter

Definitiontoggle arrow icon

Epidemiologietoggle arrow icon

  • Inzidenz: Häufige Erkrankung
    • Erwachsene durchschnittlich 1×/Jahr betroffen [1][2]
    • Kinder <5 Jahre besonders häufig betroffen
  • Saisonalität [2]
    • Virale Erreger: Erkrankungsgipfel im Winter
    • Bakterielle Erreger: Erkrankungsgipfel im Sommer

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologietoggle arrow icon

Infektionsweg

Erregerspektrum

Symptomatiktoggle arrow icon

Eine Gastroenteritis kann sich mit nur einem oder mit mehreren der genannten Symptome präsentieren!

Für spezifische Symptome, die auf bestimmte Erreger hinweisen, siehe: Infektiöse Differenzialdiagnosen einer akuten Gastroenteritis!

Diagnostiktoggle arrow icon

Anamnese

  • Symptomatik
    • Beginn und zeitlicher Verlauf
    • Übelkeit/Erbrechen (inkl. Häufigkeit)
    • Durchfall: Häufigkeit, Beschaffenheit, Beimengungen von Blut/Schleim/Eiter
    • Begleitsymptome: Insb. Fieber, Bauchschmerzen, Tenesmen
    • Flüssigkeitsaufnahme möglich?
  • Mögliche Auslöser
    • Erkrankungen im direkten Umfeld
    • Nahrungsmittel , insb. unzureichend erhitzte Lebensmittel mit Milch, Ei, Fleisch, Geflügel, Fisch (siehe auch: Gastroenteritiden nach Nahrungsmittelverzehr)
    • Medikamente
    • Kürzliche Auslandsaufenthalte
    • Tierkontakt
  • Besondere Risikofaktoren
  • Beruf: Tätigkeit in Gastronomie, Lebensmittelherstellung und -verkauf sowie in Gemeinschaftseinrichtungen

Körperliche Untersuchung

Labordiagnostik

Red Flags bei Gastroenteritis

Bei Vorhandensein von Red Flags sollte eine stationäre Behandlung evaluiert werden!

Erregerdiagnostik

Indikationen

Erregerdiagnostik soll nur dann veranlasst werden, wenn das Ergebnis unmittelbar handlungsrelevant ist – therapeutisch, organisatorisch oder im Hinblick auf die Meldepflicht!

Durchführung

Material

Auswahl der zu testenden Erreger

Bildgebung

Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Infektiöse Differenzialdiagnosen einer akuten Gastroenteritis

Infektiöse Differenzialdiagnosen einer Gastroenteritis (Auswahl)
Hinweise Erreger/Infektion
Hinweise aus der Symptomatik Blutige Diarrhö
Erbsbreiartige Stühle
Reiswasserstühle
Voluminöse, schaumige, fettreiche Diarrhö
Schweres systemisches Krankheitsbild und/oder starke Bauchschmerzen
Schwallartiges Erbrechen
Diarrhö >14 Tage
Begleitsymptome (z.B. einer Atemwegsinfektion)
Anamnestische/diagnostische Hinweise Antibiotikaeinnahme
MSM [5][6]
Eisenüberladung (z.B. Hämochromatose) [6]

Nicht-infektiöse Differenzialdiagnosen einer akuten Gastroenteritis

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapietoggle arrow icon

Für pädiatrische Inhalte siehe: Akute Gastroenteritis im Kindes- und Jugendalter

Basismaßnahmen

  • Keine spezielle Diät, ggf. Schonkost
  • Einhaltung von Hygienemaßnahmen, wenn möglich Isolation zur Vermeidung weiterer Ansteckungen
  • Ggf. Meldepflicht beachten
  • Ggf. Tätigkeitsverbot beachten: Bei Tätigkeit in lebensmittelverarbeitendem Gewerbe, in Gemeinschaftseinrichtungen bzw. bei Tätigkeiten mit vielfältigen Menschenkontakten

Da eine infektiöse Gastroenteritis meist selbstlimitierend verläuft, ist eine supportive Therapie oft ausreichend!

Rehydratation

Grundprinzipien

  • Ausgleich von Volumen- und Elektrolytverlust
  • Wenn möglich oral
  • Evaluation entsprechend des Hydratationszustands (Vitalparameter, ggf. Bilanzierung, Gewichtskontrolle)

Orale Rehydratation

  • Präparat: Orale Rehydratationslösung (ORS)
    • Bestandteile: Glucose, Natriumchlorid, Kaliumchlorid und Natriumcitrat
  • Anwendung
    • Auflösen in Wasser, Einnahme ggf. gekühlt und löffelweise
    • Bei Hypovolämie schnelle Rehydratation: Bis zu 4 L ORS in 4 h
    • Keine orale Rehydratation direkt nach dem Erbrechen, mind. 10 min warten

Intravenöse Rehydratation

Symptomatische Therapie

Antibiotische Therapie

Hinweise zum stationären Management

Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Prognosetoggle arrow icon

  • Meist selbstlimitierender Verlauf
    • Dauer der Symptomatik: I.d.R. wenige Tage bis 2 Wochen
  • Komplikationsrate: Abhängig von Alter und Erreger

Präventiontoggle arrow icon

Maßnahmen zur Verhinderung einer Ausbreitung

In Gesundheitseinrichtungen

  • Basishygienemaßnahmen
  • Kontaktisolation
    • Einzelunterbringung (alternativ Kohortenisolierung oder Barriereisolation)
    • Persönliche Schutzausrüstung (Mundschutz, Handschuhe, Schutzkittel)
  • Evaluation der Kontagiosität
    • 48 h nach Ende der Symptomatik: Entisolierung möglich, Basishygiene ausreichend
    • Negative Stuhlkulturen nicht notwendig
    • Entlassung bei noch bestehender Kontagiosität: Vermerk im Entlassungsbrief (und ggf. Pflegeüberleitungsbogen)

Außerhalb von Gesundheitseinrichtungen

  • Konsequente Händereinigung
  • Wechsel benutzter Handtücher
  • Kein Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen (Wiederzulassung frühestens 48 h nach dem letzten Erbrechen/Durchfall)
  • Kein Besuch öffentlicher Schwimmbäder (Wiederzulassung frühestens 2 Wochen nach letztem Durchfall)

Tätigkeitsverbot

  • Bei Tätigkeit in lebensmittelverarbeitendem Gewerbe, in Gemeinschaftseinrichtungen bzw. bei Tätigkeiten mit vielfältigen Menschenkontakten

Meldepflichttoggle arrow icon

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

Patienteninformationentoggle arrow icon

Icon of a lockNur noch 3 Kapitel ohne AMBOSS-Zugang verfügbar

Mit einem AMBOSS-Zugang hast du unbegrenzten Zugriff auf alle Inhalte.
 Evidenzbasiertes Medizin- und Pflegewissen von unserer Fachredaktion auf den Punkt gebracht. Disclaimer aufrufen.