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Sterilität, Infertilität und Impotenz

Letzte Aktualisierung: 10.2.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Sterilität liegt vor, wenn eine Frau trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs über ein Jahr nicht schwanger wird; von primärer Sterilität spricht man, wenn eine Frau noch nie schwanger war. Infertilität ist hingegen dadurch definiert, dass eine Frau zwar schwanger werden kann, die Schwangerschaft jedoch nicht bis zur Lebensreife des Kindes austragen kann. Die Ursachen einer Sterilität sind vielfältig und jeweils zu etwa einem Drittel bei der Frau und beim Mann zu finden; zu etwa einem Drittel liegt die Ursache bei beiden Partnern gemeinsam. In ca. 10% bleibt die Ursache unklar. Zu den häufigsten Ursachen der weiblichen Sterilität gehören das PCOS und der Tubenverschluss bei Z.n. Salpingitis; weitere Ursachen sind die primäre und sekundäre Ovarialinsuffizienz sowie anatomische Schwangerschaftshindernisse.

Männliche Sterilitätsursachen sind i.d.R. auf Störungen der Spermienproduktion und des Spermientransports sowie auf Funktionsstörungen der Spermien selbst zurückzuführen (siehe hierzu auch: Ursachen für pathologisches Spermiogramm), können aber in seltenen Fällen auch durch eine erektile Dysfunktion (Impotentia coeundi) bedingt sein.

Entsprechend den vielfältigen Ursachen ist das diagnostische Spektrum sehr breit: Bei beiden Geschlechtern sollten hormonelle, infektiöse und anatomische Ursachen ausgeschlossen werden. Zudem wird ein Spermiogramm durchgeführt, um die Spermienqualität zu beurteilen. Zur Diagnostik der weiblichen Sterilität können spezielle hormonelle Funktionstests und invasivere Maßnahmen wie die Hysteroskopie oder die Laparoskopie mit Chromopertubation indiziert sein. Die therapeutischen Maßnahmen richten sich nach der Sterilitätsursache: Hormonelle oder anatomische Sterilitätsursachen der Frau können mittels Hormontherapie bzw. chirurgisch behandelt werden. Als Maßnahmen der künstlichen Befruchtung stehen Insemination, IVF oder ICSI zur Verfügung. Die Erfolgsrate der IVF liegt bei etwa 23% („Baby-Take-Home-Rate"). Eine gefürchtete Komplikation der dazu benötigten hormonellen Follikelstimulation ist das ovarielle Überstimulationssyndrom.

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Definitiontoggle arrow icon

  • Sterilität (= Impotentia generandi ): Zeugungsunfähigkeit [1][2]
    • Tritt trotz regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehr innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft ein, spricht man von einer Sterilität
      • Primäre Sterilität: Sterilität bei einer Frau, die noch nie schwanger war, bzw. einem Mann, der noch nie ein Kind gezeugt hat
      • Sekundäre Sterilität: Sterilität nach mind. einer vorangegangenen Schwangerschaft () bzw. Zeugung () [3]
    • CAVE: Beim Mann werden die Begriffe Sterilität und Infertilität häufig synonym verwendet!
  • Bei der Frau wird zusätzlich die Infertilität (= Impotentia gestandi ) unterschieden: Schwangerschaft kann nicht bis zur Lebensreife des Kindes ausgetragen werden, obwohl eine Konzeption prinzipiell möglich ist
  • Erektile Dysfunktion (= Impotentia coeundi ; Impotentia erigendi): Keine penile Erektion möglich
  • Impotentia ejaculandi: Keine Ejakulation möglich
  • Kohabitationsunfähigkeit: Ausführung des Geschlechtsverkehrs nicht möglich
  • Der Begriff "Impotenz" stellt im Prinzip einen Oberbegriff für alle Störungen des Geschlechtsverkehrs und der Fortpflanzung dar. Umgangssprachlich wird er meist gleichbedeutend mit Impotentia coeundi verwendet.
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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Ungewollte Kinderlosigkeit bei ca. 15% der Paare [4][5]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Allgemeines

  • Die Ursache der Sterilität liegt zu ca. jeweils ⅓ bei der Frau, beim Mann und bei beiden zusammen (kombinierte Ursache)
  • Bei ca. 10% der Paare: Idiopathische Sterilität (d.h. ohne nachweisbare Ursachen) [1][4][5]

Weibliche Sterilitätsursachen [1][4]

Endokrine Ursachen

Gestörter Transport der Eizelle (Tubenfunktionsstörungen)

Veränderungen/Fehlbildungen des Uterus

Immunologische Ursachen

  • Spermienantikörper im Zervikalschleim

Weitere Ursachen

  • Alter: Konzeptionswahrscheinlichkeit des Paares stark abhängig vom Alter [4][8]
    • 20–30 Jahre: 20–25% pro Zyklus
    • Ab 35 Jahren: Abnehmend
    • Ab ca. 40 Jahren: 10% pro Jahr(!)
    • Zur altersspezifischen Fertilität der Frau siehe auch: Fekundabilität
  • Psychologische Faktoren [5]

Männliche Sterilitätsursachen [1][9][10]

Endokrine Ursachen [11]

Die Sterilität infolge eines sekundären und tertiären Hypogonadismus lässt sich i.d.R. mit der Gabe von Gonadotropinen (LH/FSH) behandeln!

Erkrankungen des Hodens oder der Samenwege

Veränderungen/Fehlbildungen des Penis [9]

Spermiendysfunktion

  • Immobile Spermiengeißel
  • Reifungsdefekt
  • Spermienautoantikörper

Genetische Ursachen (u.a.)

Sexuelle Störungen

Sterilitätsursachen beider Geschlechter

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Diagnostiktoggle arrow icon

Wichtig bei der Beratung und diagnostischen Abklärung von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen (erfahrenen!) Fachkräfte (i.d.R. Überweisung an spezialisiertes Kinderwunschzentrum sinnvoll). Zur Abklärung einer Sterilität gehört die Untersuchung beider Partner. Aufgrund der psychischen Belastung des Paares ist eine kompetente diagnostische Strategie sowie die Einleitung einer frühen Therapie von großer Bedeutung. Die hier aufgeführten Inhalte der Diagnostik stellen einen Leitfaden dar – für detaillierte Handlungsalgorithmen siehe auch die aktuelle S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung von 2019. [5]

Sterilitätsabklärung beim Mann [1][9][11]

Sterilitätsabklärung bei der Frau [1][4][5][8]

Hormonelle Funktionstests [12][13]

Gestagen-Test

  • Ziel: Prüfung, ob die Ovarien ausreichend Östrogen produzieren und das Endometrium entsprechend aufgebaut wird
  • Indikation: Primäre/sekundäre Amenorrhö
  • Durchführung: Zehntägige Gabe eines Gestagenpräparats
  • Beurteilung
    • Test positiv: Ca. 2–4 Tage nach Absetzen des Gestagens tritt eine Abbruchblutung auf → Östrogenmangel und anatomische Fehlanlage des Endometriums unwahrscheinlich
    • Test negativ: Es tritt keine Blutung auf → Östrogenmangel wahrscheinlich

Östrogen-Gestagen-Test

  • Ziel: Prüfung, ob ein funktionsfähiges Endometrium vorhanden ist
  • Indikation: Weitere Diagnostik nach negativem Gestagen-Test
  • Durchführung: 20-tägige Gabe eines Östrogenpräparats, vom 11. bis 20. Tag zusätzliche Gabe eines Gestagenpräparats
  • Beurteilung

Clomifen-Test

GnRH-Test

  • Ziel: Prüfung auf Stimulierbarkeit der Hypophyse durch GnRH bei V.a. Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Achse
  • Indikation: V.a. Sekundäre Ovarialinsuffizienz (hypothalamisch-hypophysäre Störung)
  • Durchführung: Messung der Serumkonzentrationen von LH und FSH basal vor und 20–30 min nach i.v. Gabe von GnRH
  • Beurteilung
    • Test positiv: Anstieg von LH und FSH auf mind. das 3-Fache des zuvor gemessenen Wertes (LH steigt normalerweise stärker an als FSH) → Normalbefund oder Funktionsstörung des Hypothalamus
    • Test negativ: Ausbleiben des LH- und FSH-Anstiegs → Wiederholung des Tests nach einwöchiger pulsatiler Gabe von GnRH
      • Test weiterhin negativ (Ausbleiben des LH- und FSH-Anstiegs) → Funktionsstörung der Hypophyse
      • Test nun positiv (Anstieg von LH und FSH) → Lange bestehende Funktionsstörung des Hypothalamus

Weitere Hormontests

Invasive Diagnostik [1][13]

Hysteroskopie

  • Indikation: Endoskopische Untersuchung des Cavum uteri zur Diagnostik von z.B. Uterusmyomen, -septen oder -synechien

Hysteroskopie und Laparoskopie mit Chromopertubation [1]

Laparoskopische Beurteilung des inneren Genitales und der Tubendurchgängigkeit; meist in Kombination mit einer Hysteroskopie (Beurteilung von Cavum uteri und Tubenwinkeln)

  • Durchführung: Einbringen eines Katheters mit einer blauen Farbstofflösung (z.B. Methylenblau) ins Cavum uteri. Unter laparoskopischer Sicht wird die Verteilung des Farbstoffs beobachtet.
  • Beurteilung
    • Durchgängige Tuben: Farbstoff fließt durch die physiologische Öffnung des Fimbrientrichters in die Peritonealhöhle
    • Uterusferner Verschluss: Farbstoff fließt nicht in die Peritonealhöhle, ist aber in den Tuben sichtbar
    • Uterusnaher Verschluss: Farbstoff fließt nicht in die Peritonealhöhle und ist auch nicht in den Tuben sichtbar
  • Ggf. zusätzliche operative Therapie, bspw. bei Adhäsionen oder Endometrioseherden/-zysten möglich

Hysterosalpingo-Kontrastsonografie [1]

Veraltet: Hysterosalpingografie [1]

Heutzutage weitgehend verlassene radiologische Untersuchung zur Beurteilung von Uteruskavum und Tubendurchgängigkeit. Dabei wird ein Kontrastmittel endozervikal eingebracht. Im Anschluss werden mehrere Durchleuchtungsaufnahmen oder eine Sonografie durchgeführt.

Tests zur Beurteilung der Interaktion von Spermien und Zervikalschleim [13]

Postkoitaltest (Sims-Huhner-Test)

Die Evidenz des Postkoitaltests wird kontrovers diskutiert. [13]

  • Durchführung
    • Zeitpunkt: Periovulatorisch, ca. 6–10 h nach Geschlechtsverkehr (nach vorheriger 48-stündiger sexueller Karenz)
    • Entnahme von Zervikalsekret direkt aus dem Zervikalkanal
    • Mikroskopische Beurteilung: Messung der Anzahl beweglicher Spermien im Zervikalschleim
  • Beurteilung
    • Test positiv: Nachweis von sich vorwärts bewegenden Spermien im Zervikalschleim
    • Test negativ: Kein Nachweis beweglicher Spermien, mögliche Ursachen
      • Veränderungen des Zervikalschleims: Bspw. sehr muköser Zervikalschleim
      • Mangelhafte Fähigkeit der Spermien zur Invasion in den Zervikalschleim

Kurzrok-Miller-Test (Penetrationstest)

  • Durchführung
    1. Periovulatorische Entnahme von Zervikalsekret der Patientin und Gewinnung der Spermien des Partners
    2. Aufbringen von Zervikalsekret und Sperma direkt nebeneinander (in Berührung) auf einem Objektträger
    3. Mikroskopische Beurteilung: Messung der Anzahl an Spermien, die in den Zervikalschleim eindringen
  • Beurteilung
    • Test positiv: Gute Penetration (und Beweglichkeit) der Spermien in den Zervikalschleim
  • Gekreuzter Test: Zwei zusätzliche Objektträger mit
    • Zervikalsekret einer sicher fertilen Frau zum Test der Funktionsfähigkeit der Spermien des Partners
    • Spermien eines sicher fertilen Mannes zum Test der Funktionsfähigkeit des Zervikalsekrets der Patientin
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Therapietoggle arrow icon

Die hier aufgeführten Inhalte der Therapie stellen einen Leitfaden dar – für detaillierte Handlungsalgorithmen siehe die aktuelle S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung von 2019. [5]

Konservative Therapie

Bestimmung des Konzeptionsoptimums, das im Zeitraum von zwei Tagen vor bis einen Tag nach der Ovulation liegt, mittels Basaltemperaturkurve (bspw. Zykluscomputer) oder Menstruationskalender/Apps.

Hormonelle Therapie der Frau

Durch eine Hormontherapie kommt es in etwa 30% der Fälle zu einer Schwangerschaft.

Follikelstimulation [5][13]

Wichtig: Sonografisches und ggf. hormonelles Monitoring des Follikelwachstums zur Vermeidung von ovariellem Überstimulationssyndrom und Mehrlingsschwangerschaft.

Nach hormoneller Follikelstimulation tritt in <1% ein schweres ovarielles Überstimulationssyndrom auf!

Ovulationsinduktion [13]

Operative Verfahren [1]

  • Mikrochirurgische Wiederherstellung der Tubendurchgängigkeit bei tubarer Sterilität nach Salpingitis oder Sterilisation
  • Hysteroskopische Entfernung von Uterussynechien, -septen oder -myomen
  • Nach Vasektomie des Mannes: Operative Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Samenleiter (i.d.R. durch Vasovasostomie )

Künstliche Befruchtung

Rechtliche Grundlagen (Fertilisationsrecht)

Embryonenschutzgesetz (ESchG) [15]

  • Bei missbräuchlicher Anwendung von Fortpflanzungstechniken drohen Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren
  • Der intrauterine Transfer von bis zu drei Embryonen innerhalb eines Zyklus ist erlaubt

Verfahren

Insemination [1]

  • Intrazervikale Insemination: Einbringen von nativem Sperma in den Zervikalkanal
  • Intrauterine Insemination: Transvaginales Einbringen von aufbereitetem Spermienkonzentrat des Partners (homologe Insemination) oder eines Samenspenders (heterologe Insemination) in das Cavum uteri
  • Indikationen (u.a.)
    • Zervikale Sterilitätsursachen
      • Zervikalkanalstenose
      • Schlechte Durchdringbarkeit des Zervikalsekrets durch die Spermien
      • Vorhandensein von Spermienantikörpern im Zervikalsekret
    • Reduzierte Spermienqualität des Partners (Anzahl und/oder Morphologie) [16][17]
    • Hypospadie, retrograde Ejakulation, erektile Dysfunktion
  • Erfolgsrate: Schwangerschaftsrate abhängig vom Alter der Frau, durchschnittlich ca. 10–15% pro Zyklus [4]

In-vitro-Fertilisation (IVF) [1][4]

  • Indikationen (u.a.)
  • Durchführung: Hormonelle Follikelstimulation → Gewinnung von ca. 10–12 Oozyten mittels transvaginaler Follikelpunktion unter sonografischer Kontrolle → Zugabe aufbereiteter Spermien zu den gewonnenen Oozyten, Inkubation → Intrauteriner Transfer von maximal 3 Embryonen im Achtzellstadium (bis maximal Blastozystenstadium)
  • Erfolgsrate [18]
    • Schwangerschaftsrate: Ca. 32% pro Embryotransfer (Schwangerschaftsrate sinkt mit zunehmendem Alter der Frau!)
    • Geburtenrate („Baby-Take-Home-Rate“): Ca. 23% pro Embryotransfer (Abortrate steigt mit zunehmendem Alter der Frau!)
    • Mehrlingsschwangerschaft: Risiko ca. 20–30% , i.d.R. dichorial-diamniot

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) [1]

  • Indikation (u.a.)
    • Oligoasthenozoospermie III. Grades
    • Unbewegliche Spermien
    • Erfolglose IVF
  • Durchführung: Analog zur IVF; die Spermien werden jedoch nicht nur zu den gewonnenen Eizellen hinzugegeben, vielmehr wird eine Spermatozoe mittels einer speziellen Punktionskanüle unter mikroskopischer Sicht direkt in eine Eizelle eingebracht (weiteres Vorgehen entspricht IVF)
  • Erfolgsrate
    • Schwangerschaftsrate: Ca. 32% (abhängig vom Alter der Frau!)
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Komplikationentoggle arrow icon

Ovarielles Überstimulationssyndrom (ovarielles Hyperstimulationssyndrom, OHSS)

Klassifikation des ovariellen Überstimulationssyndroms nach Golan (1989) und WHO (1973) [1][19]
Schweregrad nach WHO Grad nach Golan Klinik/Befunde
Leicht

1

  • Keine oder leichte abdominelle Beschwerden, Völle- und Spannungsgefühl
  • Ovargröße bis ≤5–10 cm
2
  • Zusätzlich zu Grad 1: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö
Mittel 3
  • Zusätzlich zu Grad 1+2: Aszites
  • Ovargröße >10 cm
Schwer 4
5

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Patienteninformationentoggle arrow icon

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Organisch bedingte Infertilität, Sterilität und Impotenz

Fertilisationsfördernde Maßnahmen bzw. deren Komplikationen

  • Z31.-: Fertilisationsfördernde Maßnahmen
    • Exklusive: Komplikationen im Zusammenhang mit künstlicher Befruchtung (N98.‑)
    • Z31.0: Tuben- oder Vasoplastik nach früherer Sterilisierung
    • Z31.1: Künstliche Insemination
    • Z31.2: In-vitro-Fertilisation
      • Stationäre Aufnahme zur Eizellentnahme oder -implantation
    • Z31.3: Andere Methoden, die die Fertilisation unterstützen
    • Z31.4: Untersuchung und Test im Zusammenhang mit Fertilisation
      • Pertubation, Spermatogramm
      • Exklusive: Spermienzählung nach Vasektomie (Z30.8)
    • Z31.5: Genetische Beratung
    • Z31.6: Allgemeine Beratung im Zusammenhang mit Fertilisation
    • Z31.8: Sonstige fertilisationsfördernde Maßnahmen
    • Z31.9: Fertilisationsfördernde Maßnahme, nicht näher bezeichnet
  • N98.-: Komplikationen im Zusammenhang mit künstlicher Befruchtung

F52.-: Sexuelle Funktionsstörungen, nicht verursacht durch eine organische Störung oder Krankheit

  • Sexuelle Funktionsstörungen verhindern die von der betroffenen Person gewünschte sexuelle Beziehung. Die sexuellen Reaktionen sind psychosomatische Prozesse, d.h. bei der Entstehung von sexuellen Funktionsstörungen sind gewöhnlich sowohl psychologische als auch somatische Prozesse beteiligt.
  • Exklusive: Dhat-Syndrom (F48.8)
  • F52.0: Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen
    • Der Verlust des sexuellen Verlangens ist das Grundproblem und beruht nicht auf anderen sexuellen Störungen wie Erektionsstörungen oder Dyspareunie.
    • Frigidität, sexuelle Hypoaktivität
  • F52.1: Sexuelle Aversion und mangelnde sexuelle Befriedigung
    • Entweder ist der Bereich sexueller Partnerbeziehungen mit so großer Furcht oder Angst verbunden, dass sexuelle Aktivitäten vermieden werden (sexuelle Aversion) oder sexuelle Reaktionen verlaufen normal und ein Orgasmus wird erlebt, aber ohne die entsprechende Lust daran (Mangel an sexueller Befriedigung).
    • Sexuelle Anhedonie
  • F52.2: Versagen genitaler Reaktionen
    • Das Hauptproblem ist bei Männern die Erektionsstörung (Schwierigkeit, eine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr notwendige Erektion zu erlangen oder aufrechtzuerhalten). Bei Frauen ist das Hauptproblem mangelnde oder fehlende vaginale Lubrikation.
    • Erektionsstörung (beim Mann)
    • Psychogene Impotenz
    • Störung der sexuellen Erregung bei der Frau
    • Exklusive: Impotenz organischen Ursprungs (N48.4)
  • F52.3: Orgasmusstörung
    • Der Orgasmus tritt nicht oder nur stark verzögert ein.
    • Gehemmter Orgasmus (weiblich) (männlich), psychogene Anorgasmie
  • F52.4: Ejaculatio praecox
    • Unfähigkeit, die Ejakulation ausreichend zu kontrollieren, damit der Geschlechtsverkehr für beide Partner befriedigend ist.
  • F52.5: Nichtorganischer Vaginismus
  • F52.6: Nichtorganische Dyspareunie
    • Eine Dyspareunie (Schmerzen während des Sexualverkehrs) tritt sowohl bei Frauen als auch bei Männern auf. Sie kann häufig einem lokalen krankhaften Geschehen zugeordnet werden und sollte dann unter der entsprechenden Störung klassifiziert werden. Diese Kategorie sollte nur dann verwendet werden, wenn keine andere primäre nichtorganische Sexualstörung vorliegt (z.B. Vaginismus oder mangelnde/fehlende vaginale Lubrikation).
    • Psychogene Dyspareunie
    • Exklusive: Dyspareunie (organisch) (N94.1)
  • F52.7: Gesteigertes sexuelles Verlangen
    • Nymphomanie, Satyriasis
  • F52.8: Sonstige sexuelle Funktionsstörungen, nicht verursacht durch eine organische Störung oder Krankheit
  • F52.9: Nicht näher bezeichnete sexuelle Funktionsstörung, nicht verursacht durch eine organische Störung oder Krankheit

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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