ambossIconambossIcon

Transplantation

Letzte Aktualisierung: 14.4.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Transplantation (TX) bezeichnet das Übertragen eines Gewebes oder eines Organs auf denselben (autogen/autolog) oder einen anderen Menschen (allogen). Neben streng geregelten rechtlichen Voraussetzungen (Transplantationsgesetz) ist im Regelfall bei der Allotransplantation eine möglichst große Histokompatibilität zwischen Spender:in und Empfänger:in erwünscht, um die Gefahr einer Abstoßungsreaktion zu senken. Da eine komplette Übereinstimmung des Major Histocompatibility Complex (MHC) nur bei Isotransplantation (der Übertragung von genetisch identischem Material, z.B. bei eineiigen Zwillingen) erreicht wird, schließt sich einer Transplantation grundsätzlich eine immunsuppressive Therapie an.

Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Transplantation von soliden Organen (wie Niere und Leber) sowie über die verschiedenen Formen der Stammzelltransplantation.

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Grundlagen der Organtransplantationtoggle arrow icon

Transplantationsarten

Definition Beispiele
Autotransplantation
  • Autogen = Transplantiertes Material stammt von Patient:in selbst
Isotransplantation
  • Isogen = Transplantiertes Material stammt von genetisch identischer Person (wie es bei eineiigen Zwillingen der Fall ist)
Allotransplantation
  • Allogen = Transplantiertes Material stammt von genetisch nicht-identischer Person
Xenotransplantation
  • Xenogen = Transplantiertes Material stammt von einer anderen Spezies (bspw. bovine oder porzine Transplantate)
  • Biologischer Herzklappenersatz

Rechtliche Voraussetzungen

Modelle der Transplantationsregelung

  • Erweiterte Zustimmungsregelung (bspw. Litauen)
    • Erweiterte Entscheidungslösung (gilt in Deutschland)
  • Enge Zustimmungsregelung (bspw. Japan)
  • Widerspruchsregelung (bspw. Österreich, Belgien, Spanien)

Transplantationsgesetz (Deutschland)

Es müssen folgende Voraussetzungen für eine Organentnahme erfüllt sein

  • Entnahme von Organen und Geweben bei toten Spender:innen (Abschnitt 2, § 3ff.)
  • Entnahme von Organen und Geweben bei lebenden Spender:innen (Abschnitt 3, § 8ff.): Die Entnahme der Niere, eines Teils der Leber oder anderer nicht regenerierungsfähiger Organe ist nur zulässig zur Übertragung auf Verwandte ersten oder zweiten Grades, Ehepartner:innen, eingetragene Lebenspartner:innen, Verlobte oder andere Personen, die der spendenden Person in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahe stehen.
    • Weitere Voraussetzungen
      • Volljährigkeit und Einwilligungsfähigkeit
      • Die spendende Person wird durch die Organentnahme nicht unmittelbar gefährdet
      • Es steht kein geeignetes Organ einer verstorbenen Person zur Verfügung
      • Es dürfen keine Anhaltspunkte für ein Handeltreiben bzw. für eine unfreiwillige Spende vorliegen

Kontraindikationen für eine Organtransplantation

Empfängerabhängige Kontraindikationen

Spenderabhängige Kontraindikationen

Das Spenderalter spielt bei einer postmortalen Organtransplantation keine Rolle. Ausschlaggebend ist allein die Organfunktion bzw. das biologische Alter!

Bei nicht-natürlicher Todesursache einer spendenden Person sollte die Rechtsmedizin bei der Organentnahme hinzugezogen werden, um Verletzungen zu dokumentieren und so einen etwaigen Beweisverlust zu minimieren!

Immunologische Voraussetzungen

  • Histokompatibilität: Der Major Histocompatibility Complex (MHC) von Spender:in und Empfänger:in sollte weitestgehend übereinstimmen. Hierdurch kann die Gefahr einer Abstoßungsreaktion gesenkt werden
    • MHC-I: Genkomplex, der u.a. für die auf der Zelloberfläche von nahezu allen Körperzellen befindlichen Oberflächenantigene „human leucocyte antigen“ (HLA) A, B und C kodiert
    • MHC-II: Genkomplex, der u.a. für die auf der Zelloberfläche von antigenpräsentierenden Zellen befindlichen Oberflächenantigene „human leucocyte antigen“ (HLA) DP, DQ und DR kodiert
    • Neben HLA sind auch die Blutgruppenantigene von großer Bedeutung für die immunologische Verträglichkeit des transplantierten Gewebes
  • Cross-Match-Untersuchung: Das Serum der empfangenden Person wird auf präformierte Antikörper gegen Lymphozyten der spendenden Person untersucht. Diese sind für das Auftreten einer hyperakuten Abstoßungsreaktion verantwortlich. Ein positives Ergebnis stellt eine Kontraindikation für eine Transplantation dar.
  • AB0-Kompatibilität: Grundsätzlich notwendig bei der Transplantation von soliden Organen
    • Eine AB0-inkompatible Lebendspende sollte vermieden werden, allerdings ist eine AB0-inkompatible Lebendspende im Prinzip in folgender Weise möglich:
      1. Vier Wochen vor der Transplantation: Gabe von CD20-Antikörpern (z.B. Rituximab) zur Hemmung der AB0-Antikörperproduktion + regelmäßige Kontrollen, ob die AB0-Antikörper-Bildung erfolgreich unterdrückt wird
      2. Eine Woche vor Transplantation: Entfernung restlicher Antikörper (z.B. mithilfe von Immunadsorption oder Plasmapherese) + Immunsuppression
      3. Organtransplantation + Immunsuppression ggf. in höherer Dosierung

Immunsuppressive Therapie und Abstoßungsreaktionen

Infektionsrisiko

Das klinische Bild einer CMV-Infektion kann sich ähnlich einer Transplantatabstoßung präsentieren. Eine Abgrenzung zwischen beiden Krankheitsbildern kann schwierig sein!

Weitere Risiken der immunsuppressiven Therapie [1]

Abstoßungsreaktion

  • Da die verschiedenen Organe eine unterschiedlich starke Immunogenität haben, muss die immunsuppressive Therapie entsprechend angepasst werden
  • Es werden prinzipiell folgende Formen unterschieden:

Für eine ausreichende Graft-versus-Leukemia-Reaktion kann eine zu hohe Histokompatibilität ungünstig sein!

Abstoßungsreaktion Zeitpunkt nach Transplantation Pathophysiologie Klinik Präventive Maßnahmen Therapie
Hyperakute Abstoßung
  • Innerhalb von Minuten bis Stunden
  • Bereits vor der Transplantation sind Antikörper gegen Antigene des Transplantats vorhanden → Komplementaktivierung und Anhaftung von Granulozyten → Gefäßthrombosen → Ischämie des Transplantats
  • Entfernung des Transplantats
Akute Abstoßung
  • Nach wenigen Tagen bis Wochen
  • Schmerzen über dem Transplantat
  • Schwellung des Organs
  • Fieber und AZ-Verschlechterung
  • Bei NTX : Anstieg von Blutdruck und Nierenwerten; Rückgang der Urinausscheidung
  • Bei HTX : Veränderungen im 12-Kanal-EKG (Verminderung der QRS-Amplitude ≥25%, Lagetypänderung, Tachykardie, Arrhythmien, Blockbilder) [1]
  • Postoperativ Ultraschall mit Duplexsonografie
  • Initiale starke Immunsuppression, z.B. Triple-Drug-Therapie bei NTX
  • Erhaltung der Immunsuppression bei sukzessiver Dosisreduktion
  • Hochdosis-Glucocorticoide (Stoßtherapie)
  • Dosiserhöhung und/oder Umstellung des Immunsuppressivum
Chronische Abstoßung
  • Nach Wochen bis Jahren
  • CD4-Zellen-vermittelte chronische Entzündung des Gefäßendothels → Irreversible Fibrosierung und Stenosierung der Gefäße
  • Kontinuierlicher Funktionsverlust des Organs
  • Evtl. Entfernung des Transplantats

Die immunsuppressive Therapie muss den Spagat zwischen Infektionsrisiko (zu starke Immunsuppression) und Abstoßungsrisiko (zu geringe Immunsuppression) meistern!

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Nierentransplantation (NTX)toggle arrow icon

Häufigkeit

  • Ca. 2000/Jahr in Deutschland

Die Nierentransplantation ist der Dialyse bei Nierenversagen überlegen!

Formen

Leichenspende

Lebendspende (siehe auch: Transplantationsgesetz)

Fast jede dritte transplantierte Niere stammt heutzutage aus einer Lebendspende!

  • Vorteile der Lebendspende
    • Spender:in in guter körperlicher Verfassung
    • Prä- und perioperative Immunmodulation möglich
    • Kurze kalte Ischämiezeit
    • Die Lebendspende hat einerseits auch bei HLA-Inkompatibilität eine insg. bessere 5-Jahres-Prognose hinsichtlich der Transplantatfunktion im Vergleich zur Leichenspende, andererseits bietet sie eine höhere Lebenserwartung für die empfangenden Person
  • Besondere Kontraindikationen bei Lebendspender:innen

Unabdingbar für eine Lebendspende sind zwei gesunde, normal funktionierende Nieren der spendenden Person!

Durchführung

  • Heterotope Implantation in die Fossa iliaca mit Anschluss des Spenderureters in die Harnblase
    • Vorteile gegenüber einer orthotopen Implantation
  • Häufig Ureterschiene für einige Tage

Immunsuppression und Nachuntersuchung

  • Lebenslange Immunsuppression
  • Nachuntersuchung
    • 1. Wahl zur frühen postoperativen Kontrolle: Ultraschalldiagnostik mit Duplexsonografie
    • Bei auffälligem Befund kann eine Nierenbiopsie notwendig werden
  • Prognose: Transplantatüberleben ca. 14 Jahre, bei Lebendspende länger
Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Lebertransplantation (LTX)toggle arrow icon

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Herztransplantation (HTX)toggle arrow icon

Die Herztransplantation stellt insb. hinsichtlich des Langzeitüberlebens und der erreichbaren Lebensqualität den Goldstandard zur Therapie der fortgeschrittenen Herzinsuffizienz dar, wird in Deutschland aber aufgrund des Mangels an Organspenden nur selten durchgeführt!

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Lungentransplantation (LuTX)toggle arrow icon

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Stammzelltransplantation (SZT)toggle arrow icon

Definition

Stammzellen sind Zellen, die einerseits Kopien von sich selbst herstellen, andererseits aber auch in spezialisierte Zellen ausdifferenzieren können. Hämatopoetische Stammzellen werden klassischerweise zur Regeneration des Blut- und Immunsystems übertragen .

Konditionierung

Der Begriff Konditionierung beschreibt eine der eigentlichen Transplantation vorgeschaltete Behandlung des Empfängerknochenmarks.

  • Therapieregime: Alleinige Chemotherapie , alleinige Radiatio oder kombinierte Radiochemotherapie
  • Ziele
    • Immunsuppression
    • Myeloablation
    • Eradikation verbliebener Tumorzellen
  • Intensität: Je nach Grunderkrankung, Alter, Rezidivrisiko, Komorbiditäten sowie im Fall von malignen hämatologischen Erkrankungen dem erwartbaren und gewünschten Graft-versus-Malignancy-Effekt („GvM“)

Autologe Stammzelltransplantation

Durch die Rückübertragung myeloblastischer Zellen kann die Knochenmarksfunktion wieder hergestellt und somit eine myeloablative Chemotherapie überhaupt erst überlebt werden!

Allogene Stammzelltransplantation

Spezielle Komplikation der allogenen Stammzelltransplantation: Graft-versus-Host-Disease (GvHD)

Akute GvHD

Klinische Einteilung der GvHD nach Glucksberg
Leitsymptome Grad I Grad II Grad III Grad IV

Haut

Darm

  • >500 mL/d
  • >1.000 mL/d
  • >1.500 mL/d

Leber

  • 2–3 mg/dL
  • 3–6 mg/dL
  • 6–15 mg/dL
  • >15 mg/dL

Chronische GvHD

Die Gesamtmortalität nach allogener Stammzelltransplantation ist deutlich rückläufig, beträgt jedoch immer noch ca. 50%!

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Studientelegramme zum Thematoggle arrow icon

Hast du Interesse an regelmäßigen Updates zu aktuellen Studien aus dem Bereich der Inneren Medizin? Dann abonniere das Studien-Telegramm! Den Link zur Anmeldung sowie zu weiteren spannenden AMBOSS-Formaten findest du am Seitenende unter „Tipps & Links“.

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

AMBOSS-Podcast zum Thematoggle arrow icon

Stammzellspende: Wissen für die hausärztliche Praxis (Mai 2023)

Interesse an noch mehr Medizinwissen zum Hören? Abonniere jetzt den AMBOSS-Podcast über deinen Podcast-Anbieter oder den Link am Seitenende unter "Tipps & Links.”

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Patienteninformationentoggle arrow icon

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Meditrickstoggle arrow icon

In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.

Immun-Saga – Episode 31: Abstoßung von Transplantaten

Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Probiere die Testversion aus und erhalte 30 Tage lang unbegrenzten Zugang zu über 1.400 Kapiteln und +17.000 IMPP-Fragen.
disclaimer Evidenzbasierte Inhalte, von festem ärztlichem Redaktionsteam erstellt & geprüft. Disclaimer aufrufen.