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Hirntumor

Letzte Aktualisierung: 23.8.2021

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Hirntumoren können wie alle Tumoren histologisch gut- oder bösartig sein. Bösartige Tumoren sind durch Infiltration von hirneigenem Gewebe rasch lebenslimitierend, aber auch gutartige Tumoren gehen nicht selten mit einer schlechten Lebenserwartung einher, da das Hirngewebe in seiner vorgegebenen Knochenschutzhülle (dem Schädel) dem Tumorwachstum nicht ausweichen kann. Folglich sind lebenslimitierende Einklemmungen aufgrund einer Erhöhung des Hirndrucks möglich. Erstsymptome stellen in der Regel diffuse Kopfschmerzen oder epileptische Anfälle dar. Die Lokalisation des Hirntumors bestimmt die klinischen Symptome; so können beispielsweise Tumoren des Frontalhirns durch psychische Veränderungen im Sinne einer vermehrten Reizbarkeit oder auffälliger Gedächtnisschwäche symptomatisch werden. Störungen des Bewusstseins und neurologische Ausfälle sind Spätsymptome oder Zeichen eines schnellen Tumorwachstums. Die Verdachtsdiagnose wird durch ein MRT bestätigt. Bei unklaren Befunden werden die Raumforderungen zunächst im Verlauf kontrolliert, Heilung verspricht jedoch nur die vollständige Entfernung des Tumors. Postoperativ kann mittels histologischer Differenzierung des Tumors in WHO-Grad I–IV eine grobe Prognose abgeschätzt werden. Ist der Tumor bösartig, folgt oftmals eine Bestrahlung u./o. Chemotherapie.

  • Zweithäufigste maligne Tumorerkrankung des Kindesalters (ca. 20% der kindlichen Krebserkrankungen)
    • Lokalisation: Zumeist intrakraniell (ca. 45% supratentoriell, ca. 52% infratentoriell), selten intraspinal (ca. 3%)
  • Ca. 2% der Krebserkrankungen im Erwachsenenalter
    • Lokalisation: Meist supratentoriell

Bei klinischem Verdacht auf einen Hirntumor wird in erster Linie eine MRT mit oder ohne Kontrastmittel durchgeführt. Die folgenden radiologischen Zeichen sprechen für ein malignes Geschehen:

  • Starke, inhomogene KM-Aufnahme (durch gesteigerte Vaskularisation)
  • Nekrotische Areale innerhalb des Tumors
  • Gefäßinfiltration
  • Unregelmäßige Begrenzung
  • Infiltration der LiquorräumeKonsekutive Liquorzirkulationsstörung mit Hydrozephalus möglich

Hirntumoren werden gemäß der „WHO-Klassifikation der Tumoren des zentralen Nervensystems“ eingeteilt. Dabei wird für jeden Hirntumor die passende Klassifikation und die passende Gradeinteilung (WHO-Grad) vergeben.

Einteilung gemäß WHO-Klassifikation

Aus Übersichtsgründen wird hier nur eine Auswahl der häufigsten Entitäten dargestellt.

WHO-Grade der häufigsten Hirntumoren

WHO-Grad

Prognose bei Therapie

Häufigste hirneigene Tumoren
I
II
  • Mittlere Überlebenszeit: >5 Jahre
III
  • Mittlere Überlebenszeit: 2–3 Jahre
IV
  • Mittlere Überlebenszeit: Monate bis Jahre (variiert stark in Abhängigkeit von wirksamen Therapien)

Medulloblastom Ependymom Kraniopharyngeom Hirnmetastase
Kurzbeschreibung
  • Hochmaligner Hirntumor aus embryonalem, neuroektodermalem Gewebe
  • Absiedlungen eines Primärtumors, welcher außerhalb des ZNS liegt
Alter
  • Einer der häufigsten malignen Hirntumoren im Kindesalter (ca. 20–25% der kindlichen Hirntumoren)
  • Kinder bis junge Erwachsene
  • 2 Häufigkeitsgipfel
    • 5.–14. Lebensjahr
    • 50.–75. Lebensjahr
  • 60. Lebensjahr
Lokalisation
  • Intra- oder suprasellär
Symptome
  • Dauerkopfschmerz (Verschlusshydrozephalus)
MRT/CT
  • Zystische Kammerung
  • Krümelige Verkalkungen
Additive Diagnostik
  • MRT des gesamten Spinalkanals, postoperativ Lumbalpunktion: Abtropfmetastasen
  • Histologie: Rosettenförmige Anordnung kleiner Tumorzellen (Homer-Wright-Rosetten)
  • Histologie: Feste Kapsel, mehrfach zystisch gekammert
  • Abklärung Primärtumor
Therapie
  • Primäre Resektion
  • + Kinder >4 Jahre : Anschließende kraniospinale Radiatio
  • + Erhaltungschemotherapie
  • Resektion
  • Ggf. Hormonsubstitution
WHO-Grad
  • IV
  • I–III
  • I
Prognose
  • Je nach WHO-Grad
  • Mittleres Überleben 3–6 Monate [1]

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. S2k-Leitlinie Hirnmetastasen und Meningeosis neoplastica. Stand: 23. Dezember 2014. Abgerufen am: 17. Oktober 2016.
  2. Schlegel: Neuroonkologie. Thieme 2003, ISBN: 978-3-131-09062-1 .
  3. Louis et al.: The 2016 World Health Organization Classification of Tumors of the Central Nervous System: a summary. In: Acta Neuropathologica. Band: 131, 2016, doi: 10.1007/s00401-016-1545-1 . | Open in Read by QxMD p. 803-820.
  4. Weller et al.: Gliome: Aktuelle Entwicklungen in der Diagnostik und Therapie In: Deutsches Ärzteblatt. Band: 113, 2016, doi: 10.3238/PersOnko/2016.02.12.04 . | Open in Read by QxMD p. 18-20.
  5. International Agency for Research on Cancer: WHO Classification of Tumours of the Central Nervous System. World Health Organisation 2016, ISBN: 978-9-283-24492-9 .
  6. Müller: Craniopharyngioma In: Endocrine Reviews. Band: 35, Nummer: 3, 2014, doi: 10.1210/er.2013-1115 . | Open in Read by QxMD p. 513-543.
  7. Müller, Sörensen: Kraniopharyngeom im Kindes- und Jugendalter In: Deutsches Ärzteblatt. Nummer: 40, 2006, p. 2634-2640.
  8. S1-Leitlinie Medulloblastom im Kindes- und Jugendalter. Stand: 30. November 2012. Abgerufen am: 6. November 2017.
  9. S1-Leitlinie ZNS-Tumoren im Kindes- und Jugendalter: Leitsymptome und Diagnostik. Stand: 26. September 2016. Abgerufen am: 6. November 2017.