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Alkohol (Intoxikation und Abhängigkeit)

Letzte Aktualisierung: 19.2.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Alkoholabhängigkeit ist eine Erkrankung, an der ca. 1,6 Millionen Menschen in Deutschland leiden. Die Dunkelziffer ist jedoch hoch, weshalb ein starker Fokus auf der Früherkennung und -intervention, insb. bei riskantem Konsum, liegen sollte. Diagnostisch können neben einer genauen Alkoholanamnese Screening-Tests wie der AUDIT oder der CAGE-Test sowie die Bestimmung von CDT und Transaminasen wegweisend sein. Für die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit beziehen die ICD- und DSM-Kriterien Abhängigkeitsmerkmale wie Toleranzentwicklung, Entzugserscheinungen und die Vernachlässigung anderer Aktivitäten zugunsten des Alkoholkonsums mit ein.

Klinisch sind mehrere Krankheitsbilder auf den Konsum der toxischen Substanz zurückzuführen. Während die akute Intoxikation und der pathologische Rausch durch eine vermehrte Alkoholaufnahme entstehen, ist das Entzugssyndrom mit gefürchteten Komplikationen wie einem Alkoholentzugsdelir (Delirium tremens) Folge eines absinkenden Alkoholspiegels. Die zahlreichen Folgeerkrankungen (z.B. Leberzirrhose, Wernicke-Korsakow-Syndrom, periphere Polyneuropathie) führen zu einer deutlichen Einschränkung der Lebenserwartung. Im klinischen Entzug kommt neben symptomorientierter medikamentöser Therapie mit Benzodiazepinen oder Clomethiazol der Substitution von Vitamin B1 eine wichtige Bedeutung zu. Nach dem körperlichen Entzug steht therapeutisch die postakute Langzeitentwöhnung in zugelassenen Rehabilitationseinrichtungen mit individueller Nachsorge im Vordergrund.

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Global [1]
    • Alkohol-assoziierte Mortalität: 5,3% aller Tode, entsprechend 3 Millionen Menschen/Jahr
    • Große globale Varianz
      • Globale Spitzenposition: Europa
        • Höchste Konsumrate
        • Jährlich ca. 74.000 alkoholassoziierte Todesfälle [2]
      • Niedrigste Konsumraten: Südostasiatische Region und östliche Mittelmeerregion
  • Deutschland [2]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Akute Alkoholintoxikationtoggle arrow icon

Allgemein

  • Definition: Vorübergehendes Zustandsbild nach Alkoholaufnahme, das u.a. durch Störung von Bewusstsein, Kognition und Affekt geprägt ist
  • Pathophysiologie
    • Individuelle Toleranz gegenüber Alkohol, Blutalkoholkonzentrationen >5‰ sind i.d.R. letal
    • Resorption kleiner Mengen Alkohol über die Mund- und Magenschleimhaut sowie den Ösophagus, der Großteil im proximalen Dünndarm
    • Resorptionsrate abhängig von vielen Faktoren

Symptome in Abhängigkeit von der Promillekonzentration

  • Dosisabhängige biphasische Wirkung
    • Leicht (ca. 0,5–1,5‰): Stimulierende Wirkungen stehen im Vordergrund
      • Gesteigerter Antrieb, Euphorisierung (Enthemmung, Rededrang), mangelnde Kritikfähigkeit
      • Hautrötung
      • Tachykardie
      • Gang- und Standunsicherheit
    • Mittelschwer (ca. 1,5–2,5‰): Übergang von stimulierender zu zunehmend sedierender Wirkung
      • Benommenheit, evtl. amnestische Lücken
      • Übelkeit und Erbrechen
      • Zunahme der Gangunsicherheit und lallender Sprache
      • Einschränkung des Sehens und der Schalllokalisation
      • Erhebliche Reduktion von Aufmerksamkeit und Reaktion
      • Ausgeprägte Enthemmung
    • Schwer (ab ca. 2,5‰): Sedierende Wirkung mit starken Bewusstseinsstörungen

Vorgehen bei akuter Alkoholintoxikation

Aufgrund der verzögerten Resorptionszeit (ca. 40 Minuten) können alkoholisierte Patient:innen im Verlauf eine gefährliche Verschlechterung ihrer Vitalfunktionen entwickeln!

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Pathologischer Rauschtoggle arrow icon

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Alkoholabhängigkeittoggle arrow icon

Definition

Ätiologie der Alkoholabhängigkeit

Die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit ist multifaktoriell. Vereinfachend gesagt, hängt sie vom stoffeigenen Suchtpotenzial, der individuellen Disposition (also Vulnerabilität) und der Konsummenge ab.

  • Stoffspezifisches Suchtpotenzial von Alkohol
    • Neurobiologische Anpassungsvorgänge → Toleranzentwicklung
  • Disposition
    • Allgemeine Risikofaktoren
    • Genetische Risikofaktoren [3]
      • Machen ca. 50% des Risikos aus
      • Multigenetischer Einfluss
    • Psychosoziale und umweltbedingte Risikofaktoren
      • Sozialer Stress
      • Konsumförderndes Umfeld
      • Kritische Lebensereignisse (z.B. Missbrauch, Gewalterfahrungen)
  • Konsummenge
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Symptome/Kliniktoggle arrow icon

Generelles

Allgemeine körperliche Symptome [4]

Psychische Symptome

Neurologische Symptome

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Diagnostik (inkl. Diagnosekriterien)toggle arrow icon

Allgemein

Exploration

  • Alkoholanamnese [2]
    • Konsummenge: Gängige Angabe in Form von „Standardgetränken“
    • Einstiegsalter
    • Häufigkeit/Trinkmuster
      • Traditionelle Typologie Alkoholabhängiger nach Jellinek
        • Alpha- und Beta-Typ (sog. „Problemtrinker“ und „Gelegenheitstrinker“): Zwar suchtgefährdet, aber noch nicht abhängig
        • Gamma-Typ: Trinkmuster variabel, viele Räusche, dazwischen kurze Abstinenzphasen
        • Delta-Typ (sog. „Spiegeltrinker“): Konstant hoher Konsum ohne häufige Räusche
        • Epsilon-Typ (sog. „Quartalstrinker“): Phasen mit exzessartigen Räuschen und starkem Kontrollverlust, dazwischen lange abstinente Intervalle
      • Rauschtrinken (sog. Binge-Drinking): Konsum großer Mengen innerhalb kurzer Zeit / bei einer Gelegenheit [5]
    • Vergangene Entzüge
      • Wie viele stattgehabte Entzüge? Ambulant oder (teil‑)stationär?
      • Abstinenzzeiten?
      • Stattgehabte Komplikationen wie Delir oder epileptischer Anfall im Entzug?
    • Motivationsstatus bzgl. aktuellem Alkoholentzug
  • Genussmittel- und Suchtanamnese
  • Familien- und Sozialanamnese
    • Ressourcen?
    • Risikofaktoren?
  • Komorbiditäten

Der Konsum von mehr als 12 g () bzw. 24 g () Reinalkohol pro Tag galt lange Zeit als Grenzwert für einen sog. riskanten Konsum. Doch auch geringere Mengen können das Risiko für gesundheitliche Folgeschäden erhöhen!

Es gibt keine gesundheitlich unbedenkliche Konsummenge! [6]

Etablierte Screeningtests [5][7]

Der AUDIT-Fragebogen kann u.a. auf der Homepage der Bundesärztekammer heruntergeladen werden (siehe: Tipps & Links).

  • AUDIT: Alcohol Use Disorder Identification Test
    • Ziel: Früherkennung von riskantem Alkoholkonsum
    • Einsetzbar in allen Settings
    • Kurz- und Langversion mit 10 bzw. 8 Items/Fragen
    • Dauer ca. 5–10 Minuten
    • Sehr gute psychometrische Eigenschaften [8]
  • CAGE: Einfacher Alkoholismus-Test, der der groben Orientierung dient
    • C (Cut down drinking): „Haben Sie jemals daran gedacht, weniger zu trinken?
    • A (Annoyed): „Ärgert Sie die Kritik Ihres Umfelds an Ihrem Alkoholkonsum?
    • G (Guilty): „Empfinden Sie Schuldgefühle aufgrund ihres Trinkverhaltens?
    • E (Eye opener): „Brauchen Sie morgens nach dem Aufwachen Alkohol, um leistungsfähig zu werden?
    • Auswertung
      • Jede positiv beantwortete Frage entspricht einem Punkt
      • Zwei oder mehr Positiv-Antworten: Wahrscheinlicher Alkoholmissbrauch bzw. Alkoholabhängigkeit
      • Gemischte Evidenz bzgl. der psychometrischen Güte des Tests [9][10][11][12]

„Weniger (Cut-down) Kritik (Annoyed) ist gewiss (Guilty) ein Muntermacher (Eye opener)“

Körperliche Untersuchung

Labordiagnostik [5]

  • Labordiagnostik bei akutem Alkoholabusus
    • Ethanol in der Atemluft oder im Blut
    • Ethylglucuronid (EtG) und Ethylsulfat (EtS) im Urin
      • Ethylglucuronid und -sulfat werden meist zusammen in der Urinprobe bestimmt, um falsch-negative Befunde infolge der Aktivität bakterieller Glucuronidasen (→ Abbau von Ethylglucuronid) in besiedelten Urinproben zu vermeiden.
  • Labordiagnostik bei chronischem Alkoholabusus

Diagnosekriterien der Alkoholabhängigkeit

Die Diagnosekriterien entsprechen den allgemeinen Kriterien des Abhängigkeitssyndroms (ICD-10) bzw. der Substanzgebrauchsstörung (DSM-5):

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Komorbiditätentoggle arrow icon

Häufige psychiatrische Komorbiditäten [4][15]

Bei Vorliegen einer komorbiden psychischen Störung sollte die leitliniengerechte Behandlung beider Erkrankungen erfolgen . [5]

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Therapietoggle arrow icon

Allgemein

  • Therapieziele
    • Primär: Abstinenz
    • Sekundär: Konsumreduktion
  • Bei Entscheidung gegen eine Alkoholentzugsbehandlung [5]
    • Über Risiken aufklären
    • Alternative Unterstützungsangebote nahelegen

Behandlungsangebote bei Alkoholabhängigkeit

Häufig ist es erst mal wichtig, eine Veränderungsmotivation zu schaffen, bspw. durch eine motivierende Gesprächsführung. [4] Zum allgemeinen Vorgehen bei Abhängigkeitserkrankungen siehe: Therapie von Abhängigkeiten

Früh- und Kurzinterventionen

  • Beschreibung: Interventionen von kurzer Dauer, die auf Reduktion/Alkoholabstinenz abzielen [2]
  • Einsatz: Insb. bei riskantem Konsum und Rauschtrinken [5]
  • Bestandteile
    • Personalisiertes Feedback
    • Individuelle Zielfindung
    • Konkrete Ratschläge
    • Ggf. computergestützte Interventionen [2][16]
  • Siehe auch unter Tipps & Links
    • Leitfaden der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. zu Kurzinterventionen
    • DiGA-Verzeichnis

Körperliche Entgiftung

Qualifizierte Entzugsbehandlung

Hierbei handelt es sich um die Regelbehandlung der Alkoholabhängigkeit in der psychiatrischen Pflichtversorgung in Deutschland. Diese beinhaltet neben der Entgiftungsbehandlung interdisziplinäre Therapieansätze.

  • Ziel: Anlage eines Fundaments zur Abstinenz durch
    • Förderung von Problemeinsicht
    • Stärkung der Motivation zur Abstinenz
    • Vermittlung in Nachbehandlungsangebote
  • Setting: In Deutschland i.d.R. stationär
  • Therapeutische Berufsgruppen: U.a. ärztlich, sozialdienstlich, psychologisch, ergo- und physiotherapeutisch, pflegerisch
  • Behandlungsdauer
    • I.d.R. bis zu 3 Wochen
    • Behandlungsdauer kann jedoch je nach Schweregrad, Komplikationen und Komorbiditäten variieren
  • Bausteine
    • Körperliche Entgiftung
    • Einbezug/Therapie psychischer und somatischer Begleit- und Folgeerkrankungen
    • Motivationsarbeit: Bspw. gruppentherapeutische Programme, Wissensvermittlung, Rückfallprävention, Entspannung
    • Nachbehandlung: Bahnung von bzw. Vermittlung in spezifische Behandlungsangebote

Entwöhnung (Postakutbehandlung)

Die Entwöhnungsbehandlung kann als medizinische Rehabilitationsmaßnahme im Anschluss (möglichst zeitnah) an die qualifizierte Entzugsbehandlung erfolgen.

  • Ziel: Langfristige Aufrechterhaltung der Abstinenz verbessern
  • Setting: Ambulante, teilstationäre oder stationäre Angebote
    • Ambulante Angebote
      • Fach- oder Institutsambulanz einer psychiatrischen Klinik
      • Zugelassene ambulante Suchtberatungs- oder Behandlungsstellen
    • Teilstationäre Angebote: Tagesklinische psychiatrische Angebote
    • Stationäre Angebote: Anerkannte Fachkliniken zur suchtspezifischen Rehabilitation
  • Bausteine
  • Dauer: Individuell, je nach Erkrankungsstadium und Ressourcen
  • Angebotsübersicht: siehe: Tipps & Links

Adaptation

Die Adaptationsbehandlung, also der zweite Schritt der medizinischen Rehabilitation, kann Teil der Entwöhnungsbehandlung sein oder im Anschluss an selbige erfolgen.

  • Ziel: Reintegration in Beruf und Gesellschaft
  • Bausteine
    • Vorbereitung der selbstständigen Lebensführung
    • Vorbereitung der Rückkehr in den Beruf
    • Vorbereitung des Umfelds
    • Therapeutische Einzel- und Gruppentherapie
  • Zielgruppe: Insb. bei beruflicher und sozialer Desintegration

Nachbetreuung und Selbsthilfe

Medikamentöse Therapie bei Alkoholentwöhnung (Anti-Craving-Substanzen)

  • Indikation: Ergänzend zu laufenden psychosozialen oder -therapeutischen Angeboten
  • Ziel: Rückfallvermeidung durch Minderung des Trinkverlangens
  • Mögliche Präparate [5]
    • Wirkung über glutamaterges System
    • Wirkung über opioiderges System
    • Aversions-Therapie
      • Disulfiram (in Deutschland nicht mehr zugelassen)
        • Indikation: Wenn andere Therapieformen nicht zum Erfolg geführt haben
        • Beachte
          • Bei Alkoholkonsum unter Medikation kann das resultierende Acetaldehyd-Syndrom im Extremfall zu Atemdepression, epileptischen Anfällen und Tod führen!
          • Differenzierte Aufklärung und Begleitung wichtig
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Alkoholentzugssyndromtoggle arrow icon

Verlauf

  • Beginn: Meist innerhalb weniger Stunden nach Dosisreduktion/Alkoholabstinenz [15]
  • Dauer: Ca. 3–7 Tage

Typische Alkoholentzugssymptomatik

Schweregrade der Alkoholentzugssymptomatik [19]
Schweregrad Klinische Symptomatik
Unkompliziertes Alkoholentzugssyndrom
Kompliziertes Alkoholentzugssyndrom (unvollständiges Alkoholentzugsdelir)
Delirium tremens bei Alkoholentzugsdelir

Ein zunächst unkompliziertes Alkoholentzugssyndrom kann in ein Alkoholentzugsdelir übergehen!

Diagnostik

Therapie des Alkoholentzugssyndroms [5]

Übersicht der Therapieempfehlungen bei Alkoholentzugssyndrom [5]
Leicht, mittel Schwer Alkoholentzugsdelir

Beim Alkoholentzugssyndrom sollte immer eine Thiaminsubstitution erfolgen!

Medikamentöse Empfehlungen bei Alkoholentzugssyndrom [5]

  • Nutzen
  • Indikation
    • Bei leichten Alkoholentzugssymptomen optional
    • Bei mittelschweren und schweren Entzugssymptomen oder bei Komplikationen in der Vergangenheit empfohlen
  • Symptomgesteuerte Medikationsgabe vs. festes Dosierschema: Score-Systeme dienen der Objektivierung der Schwere des Entzugssyndroms, z.B. indem Punkte für vorhandene Entzugssymptome wie Tachykardie oder Tremor vergeben werden
    • Vor- und Nachteile der symptomgesteuerten Gabe
      • Vorteile: Geringer Medikationsverbrauch, oft kürzere Behandlungsdauer
      • Nachteile: Engmaschige Überwachung und Kenntnis in Handhabung notwendig

Symptomgesteuerte Medikationsgabe anhand etablierter Score-Systeme

  • Clinical Institute Withdrawal Assessment for Alcohol Scale (CIWA-Ar)
    • Beschreibung: 10-Item-Fragebogen, der die Ausprägung typischer Symptome des Alkoholentzugssyndroms erfragt und somit die Schwere des Entzugssyndrom objektiviert
    • Durchführung
      • Durch geschulte Pflegekraft oder ärztliches Personal
      • Alle 4–8 Stunden, bis die Entzugssymptomatik mehr als 24 Stunden lang unter 8 Punkten liegt
    • Auswertung: Schweregrad des Entzugssyndroms nach Gesamtscore
    • Medikamentöse Empfehlungen: Je nach Klinikstandard [20]
  • Alkohol-Entzugssyndrom-Skala (AES)
    • Beschreibung
      • Scoring-System, das aus Symptomen vegetativer und psychischer Symptomatik zwei Teilscores errechnet, die zu einem Gesamtwert addiert werden
      • Je höher der Wert, desto ausgeprägter das Alkoholentzugssyndrom
      • Die medikamentöse Therapie orientiert sich am Punktwert
    • Durchführung
      • Durch geschulte Pflegekraft oder ärztliches Personal
      • Stündlich in den ersten 36 Stunden oder so lange Score-Wert ≥6 Punkte
      • Zweistündlich ab Score-Wert <6 Punkten
    • Auswertung
      • Teilscore „Psychische Störungen“
      • Gesamtscore (Addition beider Teilscores)
        • <6 Punkte: I.d.R. keine Medikation erforderlich
        • ≥6 Punkte: Gabe von Clomethiazol oder Diazepam oder Lorazepam bis bei stündlicher Reevaluation AES-Gesamtscore <6 Punkten liegt

Substanzklassen

Therapie des Alkoholentzugsdelirs [19][21]

Ohne Behandlung geht ein Alkoholentzugsdelir mit einer hohen Letalität einher (ca. 30%). Zudem ist der Übergang in eine Wernicke-Enzephalopathie möglich, weshalb immer eine Thiaminsubstitution (prophylaktisch) erfolgen sollte.

Allgemein

Beim Alkoholentzugsdelir sollte immer eine Thiaminsubstitution erfolgen!

Medikamentös [4]

Die nachfolgend aufgeführten Dosisempfehlungen entsprechen den Angaben der Fachinformation. In der S1-LeitlinieDelir und Verwirrtheitszustände inklusive Alkoholentzugsdelir“ finden sich teils abweichende Dosisempfehlungen.

Da Haloperidol die Schwelle für epileptische Anfälle senkt, ist beim Alkoholentzugsdelir die Kombination mit Benzodiazepinen oder Clomethiazol empfohlen! [15]

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Komplikationentoggle arrow icon

Somatische Folgeerkrankungen (Auswahl)

Langjähriger Alkoholkonsum kann zu verschiedenen Folgeschäden in allen Organsystemen führen. Zu den häufigsten Folgeerkrankungen zählen die Leberzirrhose, die alkoholische Polyneuropathie, HNO-Karzinome und Unfallfolgeschäden.

Psychiatrische Folgeerkrankungen (Auswahl)

Die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit sollte immer auch die Suche nach Folgeerkrankungen einschließen! Umgekehrt sollte bei typischen Alkoholfolgeerkrankungen immer ein Screening auf eine Alkoholabhängigkeit erfolgen!

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Prognosetoggle arrow icon

  • Meist chronischer Verlauf mit lebenslanger Neigung zu Rückfällen
  • Langfristige Stabilisierung möglich (bei ca. 40–50% der Betroffenen), u.a. durch [4]
    • Motivationsfördernde Maßnahmen
    • Stationäre Entwöhnungsbehandlungen
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Rechtsmedizinische Grundlagentoggle arrow icon

Wichtige Begrifflichkeiten

  • Alkoholabbau: Eliminationsrate
  • Resorptionsdefizit
  • Restalkohol
  • Nachtrunk

Widmark-Formel

Die Widmark-Formel wird zur Schätzung des Blutalkoholspiegels genutzt.

  • Blutalkohol (Promille, ‰) = Alkoholmenge (Gramm) / (Körpergewicht (kg) × Reduktionsfaktor)
    • Alkoholmenge (Gramm, g) = getrunkenes Volumen (mL) × (Vol.% ) × 0,8 g/mL
    • Reduktionsfaktor: = 0,7 , = 0,6
    • Beispiel: Ein Mann von 75 kg hat sechs Flaschen Bier (500 mL, 5% Alkohol) getrunken
      • Alkoholmenge = 6 × 500 mL × 5/100 × 0,8 = 120 g
      • Blutalkohol = 120 g / (75 kg × 0,7) = 2,28‰

Unter Berücksichtigung des Resorptionsdefizits und des Alkoholabbaus über die Zeit entsteht folgende modifizierte Formel.

  • Berechnung des Blutalkohols: Blutalkohol (Promille, ‰) = Alkohol (Gramm) × (1 - Resorptionsdefizit ) / (Körpergewicht × Reduktionsfaktor) − (Eliminationsrate × Anzahl der Stunden (h) seit Trinkbeginn)
    • Beispiel: Ein Mann von 75 kg hat sechs Flaschen Bier (500 mL, 5% Alkohol) über vier Stunden getrunken
      • ((120 g × 0,7) / (75 kg × 0,7)) − (0,1‰ × 4 ) = 1,2‰
  • Rückrechnung des Blutalkohols (BAK) zur Beurteilung der Schuldfähigkeit während einer Straftat: BAK zum Tatzeitpunkt = BAK aus Blutprobe (Promille, ‰) + Eliminationsrate × Anzahl der Stunden (h) zwischen Tat und Blutentnahme
    • Maximal-BAK: Eliminationsrate pro Stunde = 0,2‰ + einmaliger Sicherheitszuschlag von 0,2‰
    • Mindest-BAK: Eliminationsrate pro Stunde = 0,1‰
    • Beispiel: Eine BAK von 1,65‰ wird in der Blutprobe vier Stunden nach einer Straftat nachgewiesen. Seitdem hat der vermeintliche Straftäter keinen weiteren Alkohol konsumiert
      • Maximal-BAK zur Tatzeit: 1,65‰ + 0,2‰ × 4 + 0,2‰ = 2,65 ‰
      • Mindest-BAK zur Tatzeit: 1,65‰ + 0,1‰ × 4 = 2,05 ‰

Blutalkoholnachweis (Ethanol)

Alkoholbestimmung post mortem

Die Entnahme der Blutprobe muss stets aus der Vena femoralis erfolgen. Herznahes Blut kann durch Diffusion von Alkohol aus dem Magen das Ergebnis verfälschen.

Alkoholkonsum im Straßenverkehr

  • Grenzwerte
    • Ab 0,5‰ Blutalkohol: Führen eines Kraftfahrzeugs verboten (Ordnungswidrigkeit)
    • Ab 1,1‰ Blutalkohol: Absolute Fahruntüchtigkeit
    • Ausnahme: 0‰-Grenze für Fahranfänger und berufliche Personenbeförderung
  • Relative Fahruntüchtigkeit: Bei alkoholbedingten Symptomen, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, auch unabhängig vom Alkoholspiegel
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Alkoholkonsum – hinschauen, ansprechen, handeln (Dezember 2021)

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Alkohol

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

F10.-: Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol

T51.-: Toxische Wirkung von Alkohol

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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