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Durchfall

Letzte Aktualisierung: 27.7.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Durchfall – definiert durch vermehrte Stuhlentleerungen am Tag, einen hohen Wassergehalt und/oder ein erhöhtes Stuhlgewicht – ist ein sehr häufiges Symptom. Pathophysiologisch liegt allen Diarrhö-Formen ein Ungleichgewicht zwischen Sekretion und Resorption im Gastrointestinaltrakt zugrunde, das wiederum durch Mechanismen wie Hypermotilität, Exsudation oder Malabsorption ausgelöst sein kann.

Akute Diarrhöen sind meist infektiös bedingt und treten oftmals im Rahmen einer viralen Gastroenteritis auf. Bei chronischen/rezidivierenden Diarrhöen kommt eine Vielzahl von Differenzialdiagnosen in Betracht, worunter nahrungsmittelassoziierte und funktionelle Beschwerden am häufigsten sind. Schwerwiegende Erkrankungen wie ein kolorektales Karzinom oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung sollten dabei nicht übersehen werden.

Definitiontoggle arrow icon

  • Diarrhö: Zutreffen von mind. 1 der folgenden Kriterien [1]
    1. Zu häufige Stuhlentleerung: ≥3 ungeformte Stühle in 24 h
    2. Verminderte Stuhlkonsistenz: Wassergehalt des Stuhls >75%
    3. Erhöhtes Stuhlgewicht: >250 g täglich
  • Definitionen nach zeitlichem Verlauf [2]
    • Akute Diarrhö: Dauer ≤2 Wochen (meist wenige Tage)
    • Persistierende Diarrhö: Dauer 2–4 Wochen
    • Chronische Diarrhö: Dauer >4 Wochen

Einteilung nach Pathophysiologietoggle arrow icon

  • Pathophysiologische Grundlage: Alle Formen der Diarrhö sind letztlich auf ein Ungleichgewicht zwischen Sekretion und Resorption im Gastrointestinaltrakt zurückzuführen.
    • Physiologische Verhältnisse: Eintritt von 9 L Flüssigkeit/Tag in das Jejunum → Durchtritt von 3 L in das Ileum → Durchtritt von 1,5 L in das Zäkum 100 mL werden letztlich mit dem Stuhlgang ausgeschieden → Von 9.000 mL Flüssigkeit werden täglich im Dünndarm und Dickdarm somit 8.900 mL (rück‑)resorbiert.
Zuordnung nach pathophysiologischen Prinzipien
Pathophysiologie Exemplarische Erkrankungen
Malabsorptive und osmotische Diarrhö
Hypermotile Diarrhö
  • Schnelle Darmpassage → Verringerte Kontaktzeit mit der intestinalen Resorptionsfläche
Exsudativ-entzündliche Diarrhö
Sekretorische Diarrhö
  • Bakterientoxine/Viren/Schleimhautschäden → Steigerung der Sekretion von Wasser und Chlorid in das Darmlumen

Bei einer Vielzahl von Durchfallerkrankungen können mehrere Pathomechanismen gleichzeitig vorliegen, sodass sich in der Differenzialdiagnostik nicht immer eindeutige Befunde ergeben!

Ätiologische Übersichttoggle arrow icon

Unspezifische Gastroenteritistoggle arrow icon

  • Definition: Magen-Darm-Entzündung, die mit Übelkeit, Erbrechen und/oder Durchfällen einhergeht
  • Ätiologie: Schmier- und Tröpfcheninfektionen
  • Klinik: Durchfall, Übelkeit, Erbrechen
  • Basisdiagnostik
    • Anamnese, klinische Untersuchung
    • Erregerdiagnostik nicht zwingend erforderlich
  • Therapie: Symptomatische Therapie (Ausgleich von Volumen- und Elektrolytverlust)
  • Verlauf: I.d.R. selbstlimitierend
  • Für detailliertere Informationen, siehe: Akute Gastroenteritis

Für viele infektiöse Gastroenteritiden gilt eine namentliche Meldepflicht bei Erregernachweis!

Bei Personen mit beruflichem Kontakt zu Lebensmitteln oder bei Hinweisen auf eine Epidemie sowie bei Botulismus, HUS, Cholera und Typhus ist bereits der Krankheitsverdacht meldepflichtig!

Sonderformentoggle arrow icon

Paradoxe Diarrhö

Pseudodiarrhö

  • Inkontinenz vs. Diarrhö: Häufig beschreiben Patienten mit Stuhlinkontinenz das unwillkürliche Austreten von Stuhl als Durchfall, für eine erfolgreiche Behandlung müssen beide Zustände gegeneinander abgegrenzt werden.
    • Abgrenzung der Inkontinenz zur Diarrhö: Die Stuhlfrequenz ist auch bei der Inkontinenz erhöht, das Stuhlgewicht jedoch normal.
      • Digital-rektale Untersuchung: Bei Inkontinenz kann der Patient kaum Druck aufbauen, dies spricht für eine Sphinkterinsuffizienz
      • Stuhlschmieren: Die Patienten schildern verschmierten Stuhl in der Unterwäsche, keine Flüssigkeit und Durchnässung
      • Vertiefung der Anamnese: I.d.R. empfinden Patienten Durchfall weniger peinlich als die Schilderung, nicht mehr einhalten zu können – eine genauere und einfühlsame Befragung ist häufig sehr hilfreich.

Laxantienabusus

Diagnostiktoggle arrow icon

Vorgehen bei akuter Diarrhö

Akute Durchfälle sind meist infektiös bedingt und selbstlimitierend! Zum diagnostischen Vorgehen siehe: Akute Gastroenteritis - Diagnostik

Vorgehen bei chronischer/rezidivierender Diarrhö

Anamnese

Körperliche Untersuchung

Red Flags bei chronischer Diarrhö [6]

Weitere Diagnostik

Basislabor

Vorgehen bei V.a. lebensmittelassoziierte Symptome

Stuhldiagnostik

Bildgebung

Endoskopie [8]

Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Akute Diarrhö

Differenzialdiagnosen akuter Diarrhö
Ursache Erkrankung Charakteristika und Hinweise
Infektiös
  • Auftreten in zeitlichem Zusammenhang zu einem Nahrungsmittel, ggf. mit kurzer Latenzzeit
Medikamentös-toxisch
  • Kürzlich neu begonnene medikamentöse Therapie
  • Assoziation zu Nahrungsmitteln, berufliche Exposition
Vaskulär
Entzündlich

Chronische Diarrhö

Differenzialdiagnosen chronischer Diarrhö
‎Ursache Erkrankung Charakteristika und Hinweise
Nahrungsmittelassoziiert
  • Nahrungsmittelintoleranz
Funktionell
Infektiös
Medikamentös-toxisch
Autoimmun/entzündlich
Vaskulär
Postoperativ
Tumoren
Metabolisch
Endokrin
  • Abdominelle Krämpfe, Flush-Symptomatik
  • Systemisches Krankheitsbild mit Adynamie, Hypotonie, Gewichtsverlust, psychischen Veränderungen
Weitere

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapietoggle arrow icon

Akute Diarrhö

  • Rehydratation, ggf. Schonkost
  • Einhaltung von Hygienemaßnahmen
  • Ggf. Antidiarrhoika
    • Indikation
      • Kein routinemäßiger Einsatz
      • Ggf. kurzfristiger Einsatz (<48 h) bei Erwachsenen ohne Fieber/Blut im Stuhl
    • Wirkstoff: Loperamid
  • Siehe: Therapie der akuten Gastroenteritis

Chronische Diarrhö

  • Kausale Therapie je nach Ursache
  • Symptomatisch: Antidiarrhoika

AMBOSS-Pflegewissen: Diarrhötoggle arrow icon

Beobachten/Überwachen

Weitere pflegerische Maßnahmen

  • Medikamentöse Therapie
    • Infusionstherapie: Nach ärztlicher Anordnung bei hohem Flüssigkeitsverlust und Elektrolytverlust
  • Hygienemaßnahmen: Isolation im Einzelzimmer, bis eine genaue Einschätzung erforderlicher Hygienemaßnahmen nach Erregernachweis möglich ist
  • Positionierung: Bauchdeckenentspannend
  • Prophylaxen: Bedarfsgerecht, insb.
    • Sturzprophylaxe: Stolperfallen beseitigen, insb. auf dem Weg ins Bad, auf ausreichende Beleuchtung achten
    • Kontrakturprophylaxe: Insb. bei älteren Patient:innen und bauchdeckenentspannender Positionierung
  • Körperpflege: Bei der Ausscheidung unterstützen, Inkontinenzhilfsmittel zeitnah wechseln
    • Ggf. Toilettenstuhl bereitstellen
    • Analregion nach Stuhlgang mit klarem Wasser waschen (lassen) und mit Hautschutzmitteln versorgen bzw. Hautpflege durchführen
  • Ernährung: Mehrere kleine Mahlzeiten anbieten
    • Initiale Nahrungskarenz für 12–24 h sinnvoll
    • Vorsichtiger Beginn der Nahrungsaufnahme mit Tee, Brühe, Brot
    • Schonkost: Meiden von Fett, fructosereichen Säften und Softdrinks, Alkohol und Koffein
    • „Stopfkost“ bevorzugen: Zwieback, Reis, Pellkartoffeln, Salzstangen

Meldepflichttoggle arrow icon

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

Patienteninformationentoggle arrow icon

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