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Antidepressiva

Letzte Aktualisierung: 1.6.2021

Abstracttoggle arrow icon

Antidepressiva werden in erster Linie zur Behandlung von Depressionen, Somatisierungsstörungen sowie Angst- und Zwangsstörungen eingesetzt. Supportiv finden sie aber auch bei zahlreichen weiteren psychiatrischen Erkrankungen Verwendung. Heutzutage sind vor allem die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), die selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSNRI) und Mirtazapin Mittel der ersten Wahl. Sie wirken über eine Erhöhung der Serotonin-(und Noradrenalin‑)spiegel stimmungsaufhellend. Das passende Medikament wird hauptsächlich danach ausgewählt, ob eine sedierende (z.B. Mirtazapin) oder aktivierende Wirkung (z.B. SSRI, SSNRI) erwünscht ist. Trizyklische Antidepressiva werden aufgrund des ungünstigeren Nebenwirkungsprofils (anticholinerge Wirkung, Gewichtszunahme, geringe therapeutische Breite) eher als Mittel der zweiten Wahl eingesetzt. Antidepressiva sollten grundsätzlich nur in Monotherapie verwendet werden, da eine Kombination mit anderen Antidepressiva eine zu starke Erhöhung der Serotoninspiegel mit der Gefahr eines Serotoninsyndroms zur Folge haben kann.

Amitriptylin

Wirkstoff Amitriptylin (z.B. Saroten®): Trizyklisches Antidepressivum, Amitriptylin-Typ
Applikation
  • p.o
Standarddosierung
  • Initial Amitriptylin 50 mg p.o. 0-0-1 oder 0-0-0-1, im Verlauf langsame Steigerung auf Amitriptylin 100–150 mg/Tag möglich
  • Nach Stabilisierung: Abstufung auf eine Erhaltungsdosis, i.d.R. Amitriptylin 50–100 mg p.o. 0-0-1 oder 0-0-0-1
Indikationen
Zu beachten
  • Ausgeprägt sedierend → Abendgabe bevorzugen
  • Gewichtszunahme
  • Bei älteren und geschwächten Patienten ist grundsätzlich die niedrigste wirksame Dosis zu geben
  • Überdosierungsgefahr: Gefahr des anticholinergen Syndroms
    • Tagesdosen über 150 mg sollten vermieden werden (und wenn nur unter stationärer Behandlung verabreicht werden)
  • Passagere Verstärkung von Suizidgedanken und Suizidverhalten möglich (insb. zu Beginn der Therapie)
  • Ein plötzlicher Therapieabbruch sollte vermieden werden
  • Siehe auch: Allgemeine Wirkungen und Nebenwirkungen von Antidepressiva

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Anwendung bei Kindern und Jugendlichen
  • Unmittelbar nach Myokardinfarkt
  • Erregungsleitungsstörungen im Hisschen Bündel
  • Akute Alkohol-, Barbiturat- und Opioidvergiftungen
  • Gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern
  • Vegetative Störungen, die durch anticholinerge Substanzen aggraviert werden
DANI
  • Keine Dosisanpassung erforderlich
DALI
  • Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Substanz gehört zu den Mitteln der Wahl in der Schwangerschaft
  • Stillzeit: Substanz gehört zu den Mitteln der Wahl in der Stillzeit

Trimipramin

Wirkstoff Trimipramin (z.B. Stangyl®): Trizyklisches Antidepressivum, Amitriptylin-Typ
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Initial Trimipramin 25–75 mg/Tag p.o., die Tagesdosis kann aufgeteilt oder in einem abends eingenommen werden, bei Aufteilung der Dosis sollte die Gabe der höchsten Teildosis abends erfolgen
    • Langsame Steigerung auf Trimipramin 50–150 mg/Tag
    • Erhaltungsdosis nach Stabilisierung: 50–100 mg/Tag
Indikationen
Zu beachten

Kontraindikationen

DANI
  • Niereninsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter
DALI
  • Leberinsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nicht empfohlene Substanz während der Schwangerschaft
  • Stillzeit: Die Substanz sollte in der Stillzeit nicht verwendet werden

Doxepin

Wirkstoff Doxepin (z.B. Aponal®): Trizyklisches Antidepressivum, Amitriptylin-Typ
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Leichte Fälle
    • Initial Doxepin 10–20 mg/Tag
    • Nach Stabilisierung: Erhöhung auf Erhaltungsdosis, i.d.R. Doxepin 30–50 mg/Tag
  • Schwere Fälle
    • Initial Doxepin 75–100 mg/Tag, Maximaldosis 300 mg/Tag
    • Nach Stabilisierung: Reduktion auf niedrigere Erhaltungsdosis

Indikationen

  • Depressionen verschiedener Ätiologie (Sedierung erwünscht)
  • Angst- und Depressionszustände, innere Unruhe, Schlaflosigkeit
Zu beachten

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Anwendung bei Kindern und Jugendlichen
  • Stillzeit
  • Akute Vergiftungen mit Alkohol, Hypnotika, narkotischen Analgetika und Psychopharmaka
  • Akuten Delirien
  • Gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern
  • Vegetative Störungen, die durch anticholinerge Substanzen aggraviert werden
DANI
  • Niereninsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter
DALI
  • Ggf. Dosisreduzierung
Gravidität/Stillzeit

Nortriptylin

Wirkstoff Nortriptylin (z.B. Nortrilen®): Trizyklisches Antidepressivum, Desipramin-Typ
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Initial Nortriptylin 50 mg p.o. 1-0-0 oder Nortriptylin 25 mg 2–3×/Tag
    • Steigerung auf 100–150 mg/Tag oder 50 mg 2–3×/Tag möglich
Indikationen
Zu beachten
  • Nicht sedierend → Hauptdosis morgens verabreichen
  • Älteren Patienten ist grundsätzlich die niedrigste noch wirksame Dosis zu verabreichen
  • Passagere Verstärkung von Suizidgedanken und Suizidverhalten möglich (insb. zu Beginn der Therapie)
  • Ein plötzlicher Therapieabbruch sollte vermieden werden
  • Siehe auch: Allgemeine Wirkungen und Nebenwirkungen von Antidepressiva

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Anwendung bei Kindern und Jugendlichen
  • Akute Alkohol-, Barbiturat- und Opioidvergiftungen
  • Akutes Delir
  • Kardiale Kontraindikationen
  • Vegetative Störungen, die durch anticholinerge Substanzen aggraviert werden
  • Gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern
DANI
  • Keine Dosisanpassung erforderlich
DALI
  • Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Substanz gehört zu den Mitteln der Wahl in der Schwangerschaft
  • Stillzeit: Substanz gehört zu den Mitteln der Wahl in der Stillzeit

Imipramin

Wirkstoff Imipramin (z.B. Tofranil®): Trizyklisches Antidepressivum, Imipramin-Typ
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Initial Imipramin 25 mg p.o. 1–3×/Tag
    • Stufenweise Erhöhung um 25 mg bis auf 150–200 mg/Tag
    • Vorsichtige Dosisreduktion auf Erhaltungsdosis, i.d.R. 50–100 mg/Tag
Indikationen
Zu beachten

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Anwendung bei Kindern und Jugendlichen
  • Unmittelbar nach Myokardinfarkt
  • Angeborenes Syndrom des langen QT-Intervalls
  • Akute Alkohol-, Barbiturat- und Opioidvergiftungen
  • Akutes Delir
  • Gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern
  • Vegetative Störungen, die durch anticholinerge Substanzen aggraviert werden
DANI
  • Niereninsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter
DALI
  • Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Substanz gehört zu den Mitteln der Wahl in der Schwangerschaft
  • Stillzeit: Substanz gehört zu den Mitteln der Wahl in der Stillzeit

Clomipramin

Wirkstoff Clomipramin (z.B. Anafranil®): Trizyklisches Antidepressivum, Imipramin-Typ
Applikation
  • p.o. (bevorzugte Applikationsform)
  • i.m.
  • i.v.
Standarddosierung
  • p.o.
    • Initial Clomipramin 25 mg p.o. 2–3×/Tag oder Clomipramin 75 mg retard 1×/Tag (vorzugsweise abends)
    • Langsame, stufenweise Erhöhung der Tagesdosis bspw. um 25 mg, Maximaldosis 250 mg/Tag
  • i.m.
    • Initial Clomipramin 25 mg i.m. 1–2×/Tag, stufenweise Erhöhung der Tagesdosis um 25 mg bis zu einer Dosis von Clomipramin 25 mg i.m. 4–6×/Tag
      • Nach Stabilisierung vorsichtige Dosisreduktion und zügiger Übergang auf orale Erhaltungsdosis
  • i.v.
    • Initial Clomipramin 100–225 mg i.v. 1×/Tag in 250–500 ml isotonischer Kochsalz- oder Glucoselösung verdünnt über 1½–3 h infundieren
      • Nach Stabilisierung: Fortsetzung der Infusionsbehandlung für 3–5 Tage, anschließend Weiterbehandlung mit oraler Erhaltungsdosis
Indikationen
Zu beachten

Kontraindikationen

DANI
  • Niereninsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter

DALI
  • Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung eingeschränkt verwendbar
  • Stillzeit: Die Substanz sollte in der Stillzeit nicht verwendet werden

Citalopram

Wirkstoff Citalopram (z.B. Cipramil®): SSRI
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Initial Citalopram 10–20 mg p.o. 1-0-0
    • Bei jüngeren Patienten langsame Steigerung auf max. 40 mg/Tag möglich
    • Bei älteren Patienten langsame Steigerung auf max. 20 mg/Tag möglich
Indikationen
Zu beachten
  • Antriebssteigernd → Morgengabe bevorzugen
  • Die antidepressive Wirkung sowie der Wirkungseintritt bei der Behandlung von Zwangsstörungen setzt im Allgemeinen nach 2–4 Wochen ein
  • Serotoninerge Nebenwirkungen (z.B. Übelkeit) sind relativ häufig zu beobachten (insb. zu Beginn der Therapie)
  • Dosisabhängige QT-Zeit-Verlängerung → Maximaldosis beachten
  • Passagere Verstärkung von Suizidgedanken und Suizidverhalten möglich (insb. zu Beginn der Therapie)
  • Ein plötzlicher Therapieabbruch sollte vermieden werden
  • Siehe auch: Allgemeine Wirkungen und Nebenwirkungen von Antidepressiva

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Einnahme von MAO-Hemmern
  • Verlängerung des QT-Intervalls oder angeborenes Long-QT-Syndrom
  • Gleichzeitige Einnahme von Pimozid
DANI
  • GFR <30 mL/min: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter
DALI
  • Maximaldosis 10–20 mg/Tag
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Substanz gehört zu den Mitteln der Wahl in der Schwangerschaft
  • Stillzeit: Substanz gehört zu den Mitteln der Wahl in der Stillzeit

Sertralin

Wirkstoff Sertralin (z.B. Zoloft®): SSRI
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Initial Sertralin 25 mg p.o. 1-0-0, langsame Dosissteigerung auf 50 mg/Tag
Indikationen
Zu beachten

Kontraindikationen

DANI
  • Niereninsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter

DALI
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Substanz gehört zu den Mitteln der Wahl in der Schwangerschaft
  • Stillzeit: Substanz gehört zu den Mitteln der Wahl in der Stillzeit

Fluoxetin

Wirkstoff Fluoxetin (z.B. Fluctine®): SSRI
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Fluoxetin 20 mg/Tag p.o., langsame Dosissteigerung um je 20 mg möglich, Maximaldosis 80 mg/Tag (bzw. bei älteren Menschen 60 mg/Tag)
Indikationen
Zu beachten

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Einnahme von MAO-Hemmern
DANI
  • Niereninsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter

DALI
  • Individuelle Dosisreduktion
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Die Substanz sollte in der Schwangerschaft nicht verwendet werden
  • Stillzeit: Die Substanz sollte in der Stillzeit nicht verwendet werden

Paroxetin

Wirkstoff Paroxetin (z.B. Paroxat®): SSRI
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Paroxetin 20 mg p.o. 1-0-0, langsame Dosissteigerung um je 10 mg auf 40 mg, Maximaldosis 60 mg/Tag (bzw. bei älteren Menschen 20 mg/Tag)
Indikationen
Zu beachten
  • Antriebssteigernd → Morgengabe bevorzugen
  • Bei älteren Menschen sollte die Dosierung aufgrund erhöhter Plasmakonzentrationen 20 mg/Tag nicht überschreiten
  • Die antidepressive Wirkung setzt im Allgemeinen nach 2-4 Wochen ein
  • Serotoninerge Nebenwirkungen (z.B. Übelkeit) sind relativ häufig zu beobachten (insb. zu Beginn der Therapie)
  • Dosisabhängige QT-Zeit-Verlängerung
  • Passagere Verstärkung von Suizidgedanken und Suizidverhalten möglich (insb. zu Beginn der Therapie)
  • Ein plötzlicher Therapieabbruch sollte vermieden werden
  • Siehe auch: Allgemeine Wirkungen und Nebenwirkungen von Antidepressiva

Kontraindikationenn

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern
  • Einnahme von Thioridazin oder Pimozid
DANI
  • Niereninsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter

DALI
  • Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter

Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung verwendbar
  • Stillzeit: Substanz gehört zu den Mitteln der Wahl in der Stillzeit

Venlafaxin

Wirkstoff Venlafaxin (z.B. Trevilor®): SSNRI
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Venlafaxin 75 mg/Tag p.o., Steigerung nach frühestens zwei Wochen auf maximal 150 mg/Tag
Indikationen
Zu beachten
  • Dosiserhöhungen können schrittweise in Abständen von mindestens zwei Wochen durchgeführt werden
  • Nach Remission: Fortführung der antidepressiven Medikation über mindestens sechs Monate
  • Die antidepressive Wirkung setzt im Allgemeinen nach 2–4 Wochen ein
  • Passagere Verstärkung von Suizidgedanken und Suizidverhalten möglich (insb. zu Beginn der Therapie)
  • Ein plötzlicher Therapieabbruch sollte vermieden werden
  • Siehe auch: Allgemeine Wirkungen und Nebenwirkungen von Antidepressiva

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Kinder und Jugendliche
  • Gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern
DANI
  • Leichte bis mittlere Niereninsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter
  • GFR <30 mL/min: Dosishalbierung
DALI
  • Dosishalbierung sowie vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung verwendbar
  • Stillzeit: Nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung verwendbar

Mirtazapin

Wirkstoff Mirtazapin (z.B. Remergil®)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Initial Mirtazapin 15 mg p.o. 0-0-0-1, Steigerung nach 2–4 Wochen auf 30 mg möglich, Maximaldosis 45 mg/Tag
Indikationen
Zu beachten
  • Ausgeprägt sedierend → Abendgabe bevorzugen
  • Gewichtszunahme
  • Nach Remission: Fortführung der antidepressiven Medikation über mindestens sechs Monate
  • Die antidepressive Wirkung setzt im Allgemeinen nach 2–4 Wochen ein
  • Passagere Verstärkung von Suizidgedanken und Suizidverhalten möglich (insb. zu Beginn der Therapie)
  • Ein plötzlicher Therapieabbruch sollte vermieden werden
  • Siehe auch: Allgemeine Wirkungen und Nebenwirkungen von Antidepressiva

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Keine Anwendung bei Kindern und Jugendlichen
  • Gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern
DANI
  • GFR <40 mL/min: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter
DALI
  • Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung eingeschränkt verwendbar
  • Stillzeit: Die Substanz kann in der Stillzeit verwendet werden

Keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Die Angaben erfolgen nach sorgfältigster redaktioneller Recherche. Insbesondere aktuelle Warnhinweise und veränderte Empfehlungen müssen beachtet werden. Soweit nicht anders genannt, beziehen sich die genannten Empfehlungen auf Erwachsene.

Nicht-selektive Monoamin-Wiederaufnahmehemmer: Trizyklische Antidepressiva (TZA)

Substanzgruppe Substanzen Wichtige Nebenwirkungen Indikation und Besonderheiten
Amitriptylin-Typ
  • Eher bei Depressionen mit Unruhezuständen gut wirksam
  • Zu vermeiden bei Demenzen und älteren Patienten aufgrund starker anticholinerger Wirkung
  • Weitere Indikation: Ko-Analgetikum (Schmerztherapie)
Desipramin-Typ
  • Desipramin wurde in Deutschland aufgrund plötzlicher ungeklärter Todesfälle vom Markt genommen.
Imipramin-Typ
  • Zu vermeiden bei Demenzen und älteren Patienten aufgrund starker anticholinerger Wirkung
  • Erste Substanz der Klasse der Antidepressiva (Markteinführung: 1958)
  • Weitere Indikation: Ko-Analgetikum (Schmerztherapie)

Selektive Monoamin-Wiederaufnahmehemmer

Substanzgruppe Substanzen Wichtige Nebenwirkungen Indikation und Besonderheiten
Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) Merkspruch: "Ein depressives Paar zittert sehr flugs"
Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSNRI)
Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI)
  • Reboxetin
  • Atomoxetin

Selektive Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahme-Hemmer

  • Bupropion

Weitere Substanzen

Substanzgruppe Substanzen Wichtige Nebenwirkungen Indikation und Besonderheiten
Präsynaptische α-Blocker (Tetrazyklische Antidepressiva)
MAO-Hemmer
  • Reversible MAO-Hemmung (vor allem MAO-A): Moclobemid
  • Irreversible MAO-Hemmung (gleichermaßen MAO-A und MAO-B): Tranylcypromin
Melatonin-Analoga
  • Agomelatin
  • Eher Mittel der 2. Wahl bei schweren Depression (ggf. in Kombination)
  • Besonderes Wirkprinzip
    • Agonismus an melatoninergen MT1- und MT2-Rezeptoren → Beeinflussung der zirkadianen Rhythmik → Verringerung von Schlafstörungen
    • Antagonismus an serotoninergen 5-HT2C-Rezeptoren → Indirekte Erhöhung der Noradrenalin- und Dopaminspiegel
Phytotherapeutika
  • Johanniskraut

Allgemeines

  • Serotoninspiegel-Erhöhung: Vor allem stimmungsaufhellend (nach 2–3 Wochen Verzögerung)
  • Noradrenalinspiegel-Erhöhung: Vor allem antriebssteigernd (deutlich früher als die Stimmungsaufhellung)

Spezielle Wirkprinzipien

Allgemeine Wirkungen und Nebenwirkungen von Antidepressiva

Antriebssteigerung Sedierung

Sexualstörungen

Gewichtszunahme Übelkeit Anticholinerge Wirkung Überdosierungsgefahr
TZA Amitriptylin-Typ --- +++ +++ +++ +++ +++
Desipramin-Typ +(+) + + + +++
Imipramin-Typ (+) [1][2] ++ + ++ +++
SSRI + ++ ++
SSNRI + ++ +++ +
Mirtazapin -- ++ ++
MAO-Hemmer + + +++

Trizyklische Antidepressiva vom Desipramin-Typ sind bei Suizidalität kontraindiziert, da die antriebssteigernde Wirkung vor der Stimmungsaufhellung (erst nach 2–3 Wochen) einsetzt und somit ein Suizid provoziert werden kann!

Spezifische Nebenwirkungen

Es werden die wichtigsten Nebenwirkungen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Serotonerges Syndrom

Epidemiologie [3]

  • Häufigkeit des Auftretens unter normal dosierten SSRI: 1%
  • Insgesamt hohe Dunkelziffer [4]
  • Auftreten zunehmend aufgrund häufigerer Verschreibung von SSRI und zunehmendem Konsum serotonerg wirksamer Drogen

Ätiologie [5][6][7][8]

Beim serotonergen Syndrom handelt es sich um eine serotonerge Überstimulation, die durch die Einnahme serotonerg wirksamer Substanzen, i.d.R. Antidepressiva, hervorgerufen werden kann.

Mögliche Ursachen

Bei Dosierungen im normalen Bereich tritt ein serotonerges Syndrom i.d.R. nur bei folgenden Konstellationen auf.

Auslöser und deren Mechanismen

Pathophysiologie [9]

  • Pathomechanismus: Zentrale serotonerge Überaktivität → Überstimulation zentraler und peripherer Serotoninrezeptoren
    • Überstimulation zentraler Serotoninrezeptoren → Steigerung der Wahrnehmung, Anstieg der Körpertemperatur
    • Überstimulation peripherer Serotoninrezeptoren → Steigerung der gastrointestinalen Motilität und Sekretion, Steigerung der Thrombozytenaggregation, Störung der Orthostase

Symptome [3][10][11]

Symptomtrias des serotonergen Syndroms: Psychopathologische Auffälligkeiten, neuromuskuläre Hyperaktivität und autonome Instabilität!

Bei dem Auftreten der Symptome Tremor, Kloni und Akathisie in Kombination mit der Einnahme serotonerg wirksamer Substanzen muss unbedingt an das mögliche Vorliegen eines serotonergen Syndroms gedacht werden!

Verlauf

  • Schnelle Entwicklung innerhalb von 24–48 Stunden nach Einnahme der Substanz(en) oder Dosiserhöhung [3]
  • Erste Symptommanifestation [5]
    • Bei 30% der Betroffenen innerhalb 1 Stunde nach Einnahme
    • Bei 60% der Betroffenen innerhalb 6 Stunden nach Einnahme

Diagnostik [5][11]

Die Diagnose eines serotonergen Syndroms erfolgt klinisch. Aufgrund der hohen Spezifität und Sensitivität haben sich die Toxizitätskriterien nach Hunter etabliert:

  • Einschlusskriterium: Vorherige Einnahme einer serotonergen Substanz
  • Weitere Kriterien: Zusätzlich mind. einer der folgenden Symptomkomplexe

Differentialdiagnosen [3][5][11]

Therapie [3][11]

Die Behandlungsstrategie eines serotonergen Syndroms richtet sich nach dem Grad der Ausprägung der klinischen Symptomatik.

  • Bei leichten Verlaufsformen
    • Absetzen der auslösenden Substanz: Führt in 90% der Fälle zu einer Besserung der Symptomatik
    • Bei Agitation: Benzodiazepine
  • Bei Intoxikationen/schweren Verlaufsformen: Zusätzlich zum Vorgehen bei leichten Verlaufsformen

Schon bei V.a. das Vorliegen eines zentralen Serotoninsyndroms muss die auslösende Substanz unmittelbar abgesetzt werden!

Komplikationen

Prävention [4][7]

  • Möglichst keine Kombination serotonerg wirksamer Substanzen
  • Überprüfen der Medikation auf CYP-Interaktionen
  • Halbwertszeiten der serotonerg wirksamen Medikamente beachten [12]
  • Kontraindiziert: Kombination von MAO-Hemmern und serotonerg wirksamen Antidepressiva

Bei Verordnung, insb. bei Polypharmazie, müssen Wechselwirkungen von Medikamenten beachtet werden! Die Kombination von MAO-Hemmern und serotonerg wirksamen Antidepressiva ist kontraindiziert!

Anticholinerges Delir

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Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) (Video frei verfügbar)

Serotoninerges Syndrom

Amitriptylin

MAO-Hemmer

Mirtazapin

Venlafaxin

Johanniskraut

Inhaltliches Feedback ggf. bitte an kontakt@meditricks.de.

  1. Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Georg Thieme Verlag 2010, ISBN: 978-3-133-68517-7 .
  2. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012 .
  3. S2k-Leitlinie „Notfallpsychiatrie“. Stand: 13. April 2019. Abgerufen am: 24. September 2019.
  4. Ables AZ, Nagubilli R: Prevention, recognition, and management of serotonin syndrome. In: American family physician. Band: 81, Nummer: 9, 2010, p. 1139-42.
  5. Francescangeli et al.: The Serotonin Syndrome: From Molecular Mechanisms to Clinical Practice In: International Journal of Molecular Sciences. Band: 20, Nummer: 9, 2019, doi: 10.3390/ijms20092288 . | Open in Read by QxMD p. 2288.
  6. Serotonin Syndrom. . Abgerufen am: 13. März 2021.
  7. Gefürchtetes Serotonin-Syndrom. Stand: 29. August 2019. Abgerufen am: 13. März 2021.
  8. Messer, Strasser: Medikamentös induzierte neuropsychiatrische Störungen In: PSYCH up2date. Band: 7, Nummer: 5, 2013, doi: 10.1055/s-0033-1349444 . | Open in Read by QxMD p. 269-284.
  9. Seifert: Basiswissen Pharmakologie. Springer 2018, ISBN: 978-3-662-56303-8 .
  10. Radomski et al.: An exploratory approach to the serotonin syndrome: an update of clinical phenomenology and revised diagnostic criteria In: Medical Hypotheses. Band: 55, Nummer: 3, 2000, doi: 10.1054/mehy.2000.1047 . | Open in Read by QxMD p. 218-224.
  11. Boyer, Shannon: The Serotonin Syndrome In: New England Journal of Medicine. Band: 352, Nummer: 11, 2005, doi: 10.1056/nejmra041867 . | Open in Read by QxMD p. 1112-1120.
  12. Benkert, Hippius: Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie. 12. Auflage Springer 2018, ISBN: 978-3-662-57333-4 .
  13. Bandelow et al.: Kurzlehrbuch Psychiatrie. 2. Auflage Steinkopff 2008, ISBN: 978-3-798-51835-3 .
  14. Rolan: Drug Interactions with Triptans In: CNS Drugs. Band: 26, Nummer: 11, 2012, doi: 10.1007/s40263-012-0002-5 . | Open in Read by QxMD p. 949-957.
  15. Sansone, Sansone: Tramadol: seizures, serotonin syndrome, and coadministered antidepressants. In: Psychiatry (Edgmont). Band: 6, Nummer: 4, 2009, p. 17-21.