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Präklinische Traumaversorgung

Letzte Aktualisierung: 26.3.2025

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Die präklinische Notfallversorgung ist ein zentrales Element der Notfallmedizin und umfasst eine Vielzahl von Situationen. Dieses Kapitel ist auf die Akutversorgung von Erwachsenen nach Trauma ausgerichtet. Häufig sind in diesem Zusammenhang Verkehrsunfälle, Stürze und Arbeitsunfälle, die von leichten Verletzungen bis zu lebensbedrohlichem Polytrauma reichen. Eine optimale Versorgung erfordert zielgerichtetes, rasches und situationsangepasstes Handeln während der gesamten Rettungskette. Erste-Hilfe-Maßnahmen beinhalten eine Ersteinschätzung der Situation, das Absichern der Unfallstelle (inkl. Eigenschutz) sowie das Absetzen des Notrufs.

Die professionelle medizinische Erstversorgung am Unfallort gliedert sich in Primary und Secondary Survey. Das genaue Vorgehen variiert dabei je nach Verletzungsmuster und Expertise des rettungsdienstlichen Personals. Das Ziel des Primary Survey (Erstuntersuchung und Grundversorgung) ist das Erkennen und Behandeln unmittelbar lebensbedrohlicher Zustände: „Treat first what kills first“. Um diese Priorisierung umzusetzen und um nichts zu übersehen, hat sich eine strukturierte Vorgehensweise nach dem cABCDE-Schema bewährt: Kontrolle kritischer Blutungen (c), Atemwegssicherung (A), Beurteilung und Unterstützung der Atmung (B), Kreislaufstabilisierung (C), neurologische Untersuchung (D), Entkleiden und Wärmeerhalt (E).

Der Secondary Survey (Zweituntersuchung und erweiterte Versorgung) beginnt erst, nachdem alle Punkte des cABCDE-Schemas abgearbeitet sind. Es folgt der zügige Transport in eine geeignete Zielklinik, wo standardisierte Übergabeschemata genutzt werden.

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Rettungsablauftoggle arrow icon

  • Alle verletzten Personen: Primary Survey
    • Ziel: Feststellung und Behandlung lebensbedrohlicher Verletzungen
    • Durchführung: cABCDE-Schema
  • Person mit Polytrauma
    • Durchführung überlebenssichernder Maßnahmen
    • Schnellstmöglicher Transport in entsprechende Zielklinik
  • Person mit leichter Verletzung bzw. Einzelverletzung
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Rettungskonzeptetoggle arrow icon

Load and Go (Scoop and Run)

  • Prinzip: „Auflesen und Wegfahren“
  • Beschreibung
    • Schnellstmöglicher Abtransport in nächstgelegene Klinik
    • Minimale rettungsdienstliche Maßnahmen am Einsatzort bzw. während des Transports
  • Anwendung bspw. im angloamerikanischen Raum
  • Vorteile
    • Kurzes Zeitintervall zwischen Ankunft des Rettungsdienstes am Einsatzort und Ankunft in der Klinik [1]
    • Bessere Versorgungsmöglichkeiten innerhalb der Klinik nutzbar
    • Kostengünstiger Ansatz
  • Nachteile
    • Ungeeignet für unmittelbar behandlungsbedürftige Zustände
    • Transportweg muss möglichst minimiert werden
    • Verzögerung bis zum Behandlungsbeginn

Stay and Play (Stay and Stabilize)

  • Prinzip: „Bleiben und Behandeln“
  • Beschreibung
    • Möglichst zeitnahe Herstellung der Transportfähigkeit
    • Ausgedehntere rettungsdienstliche Maßnahmen am Einsatzort
  • Anwendung bspw. in Deutschland und Frankreich
  • Vorteile
    • Sofortiger Behandlungsbeginn am Einsatzort möglich
    • Ausgleich eines längeren Transportweges in geeignete Klinik möglich
  • Nachteile
    • Hochqualifiziertes Personal im Rettungsdienst und adäquate Ausrüstung erforderlich
    • Potenziell sehr lange Versorgungszeiten am Einsatzort

Treat and Run (Treat in Street)

  • Prinzip: Kombination aus beiden obigen Prinzipien
  • Beschreibung
    • Am Einsatzort: Beschränkung auf lebensrettende Sofortmaßnahmen zur Diagnostik und Therapie
    • Herstellung der Transportfähigkeit innerhalb von ca. 20 min
    • Während des Transports: Weiterführende rettungsdienstliche Maßnahmen
  • Anwendung international immer mehr verbreitet
  • Vorteile
    • Keine Verzögerung des Behandlungsbeginns
    • Gleichzeitig schnellstmöglicher Transport in die Klinik gewährleistet

Abwägung zur Wahl des Rettungskonzeptes

  • Heterogene Studienlage
  • Folgende Faktoren sollten einbezogen werden [2]
    • Unfallmechanismus [1][3]
    • Transportweg bzw. -zeit zur nächstgelegenen geeigneten Klinik
    • Präklinisch verfügbare personelle und materielle Ressourcen

In den meisten Fällen scheint ein kombiniertes Vorgehen vorteilhaft zu sein (Treat and Run)! [1][2]

Bei inneren Blutungen sollte ein schnellstmöglicher Transport bevorzugt werden (Load and Go)! [1]

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Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Traumatoggle arrow icon

Absichern der Unfallstelle

  • Ersteinschätzung der Situation
    • Überblick verschaffen , Ruhe bewahren
    • Mögliche Gefahrenquellen identifizieren
  • Selbstschutz (Eigenschutz)
  • Ggf. Rettung aus der Gefahrenzone: Bspw. mittels Rautek-Griff

Hilfe holen

  • Hilfe rufen bzw. Ansprechen umstehender Personen
  • Notruf absetzen: Anruf 112 zur Meldung des Unfalls („5-W-Regel“)
    • Wo (ist der Notfall)?
    • Was (ist passiert)?
    • Wie viele (Verletzte)?
    • Welche (Verletzungen bzw. Krankheitszeichen)?
    • Warten (auf Rückfragen)!
      • Ggf. weitere (Gefährdungen)? Wann (ist es passiert)? Wer (meldet den Unfall)?

Das Notrufgespräch sollte erst nach entsprechender Aufforderung durch die Leitstelle beendet werden!

Lebensrettende Sofortmaßnahmen [4]

  • Prüfen des Bewusstseins
    • Ansprechen
    • Berühren
    • Schmerzreiz setzen
  • Prüfen der Atmung: Bei Bewusstlosigkeit
    • Sehen
    • Hören
    • Fühlen
  • Vorgehen je nach Bewertung des Bewusstseins und der Atmung
  • Lagerung
    • Stabile Seitenlage („Seitenlage“ ) [5]
      • Ziele: Obere Atemwege durch Kopfüberstreckung offenhalten , Aspiration verhindern
      • Indikation: Bewusstlose Person mit Spontanatmung
      • Kontraindikation: Schnappatmung, Trauma [5] [6]
      • Ausgangslage: Bewusstlose Person liegt mit ausgestreckten Beinen in Rückenlage, helfende Person kniet daneben
      • Durchführung
        1. Ipsilateralen Arm anwinkeln (90° in Schulter- und Ellenbogengelenk, Handfläche zeigt nach oben)
        2. Kontralateralen Arm über Brust kreuzen
        3. Kontralaterales Bein anstellen und als Hebel für Drehung nutzen
        4. Kopf vorsichtig überstrecken
      • Regelmäßige Nachkontrollen von Atmung und Kreislauf
    • Schocklagerung

Die (stabile) Seitenlage soll nicht erfolgen, wenn eine Atemspende oder Thoraxkompressionen im Rahmen einer Reanimation notwendig sein könnten! [4]

In der (stabilen) Seitenlage kann eine Veränderung der Vitalparameter leicht übersehen werden!

Weitere spezifische Erste-Hilfe-Maßnahmen

  • Erste Hilfe bei lebensbedrohlichen äußeren Blutungen
    • Blutende Extremitäten: Ggf. Hochlagern
    • Kompression von außen, ggf. zusätzlich Druckverband anlegen
    • Penetrierende Verletzung: Stichwerkzeug in situ belassen
  • Erste Hilfe bei Frakturen und Luxationen
  • Erste Hilfe bei Sportverletzungen der Extremitäten
    • Schmerzarme Lagerung und Immobilisation
    • Ggf. Hochlagern von Extremitäten
    • Lokale Kühlung
    • Siehe auch: PECH-Regel
  • Erste Hilfe bei offenen Brustkorbverletzungen
    • Keine Verbandanlage
    • Bei starker Blutung: Manuelle Kompression von außen
  • Erste Hilfe bei V.a. Verletzung der Halswirbelsäule
    • Bei erhaltenem Bewusstsein: Person den Hals selbstständig in stabiler Position halten lassen
    • Bei Bewusstlosigkeit: Halswirbelsäule manuell stabilisieren, bspw.
      • Head squeeze
      • Trapezium squeeze
  • Erste Hilfe bei Verbrennungen
    • Lokale Kühlung mit Wasser für 20 min
    • Lockeren sterilen Verband oder Frischhaltefolie anbringen
    • Umgehend ärztliche Hilfe aufsuchen lassen

Bei vermuteter Wirbelsäulenverletzung soll die verletzte Person möglichst nicht durch Laien bewegt werden!

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Erstversorgung durch medizinisches Personal bei Traumatoggle arrow icon

Ersteinschätzung des Rettungsdienstes am Einsatzort [7]

SSSS-Schema (4S-Schema)

SSSS-Schema [7]
Akronym Bedeutung Beschreibung
S Scene“
  • Beurteilung des Einsatzortes
S Safety“
  • Einschätzung der Eigen- und Fremdgefährdung
  • Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung, bspw. Handschuhe
S Situation“
  • Unfall- bzw. Verletzungsmechanismus
  • Anzahl der verletzten Personen
S Support“
  • Ggf. Nachfordern weiterer Einsatzkräfte, bspw. Polizei oder Feuerwehr

Rettung

Möglichkeiten zur Rettung aus einer Gefahrenzone [8][9]
Indikation Vorgehen
Sofortige Rettung
  • Akute Lebensgefahr, bspw. Brand, Explosionsgefahr, Notwendigkeit zur Reanimation
Schnelle Rettung
  • Rettung mit einigen Minuten Verzögerung möglich
Schonende Rettung

Bei der sofortigen Rettung erfolgt keine Immobilisation, bei der schnellen Rettung wird v.a. die Halswirbelsäule immobilisiert und bei der schonenden Rettung die gesamte Wirbelsäule! [9]

AVPU-Schema [10][11]

AVPU-Schema [12]
Akronym Bedeutung Beschreibung Vergleich zur Glasgow Coma Scale
A Alert“
  • Person ist wach und aufmerksam
V Voice“ / „Verbal stimuli“
  • Person reagiert auf Ansprache
P Painful stimuli“
  • Person reagiert auf Schmerzreiz
U Unresponsive“

Sichtungskategorien

Sichtungskategorien (SK)
SK Farbe Beschreibung Priorität
I Rot Akut lebensbedrohlicher Zustand Sofortige Behandlung
II Gelb Schwere Verletzung Dringlichere Behandlung
III Grün Leichte Verletzung Spätere Behandlung (ambulant)
IV Blau Keine Überlebenschance Abwarten und betreuende Behandlung
Tote Schwarz Verstorben Kennzeichnung und Registrierung

Allgemeine Basismaßnahmen

Für Opioide gibt es in Notfallsituationen keine Kontraindikationen! [13]

Präklinische Akutschmerztherapie [13][15][16]

Übersicht gängiger Analgetika zur präklinischen Akutschmerztherapie bei Trauma [16]
Dosierungen
Wirkstoff Intravenöse Dosis Richtwert für intravenöse Dosis bei 70–80 kgKG Dosis bei nasaler Gabe (Off-Label Use)
Paracetamol 15 mg/kgKG 1.000 mg
Metamizol 6–16 mg/kgKG 1.000 mg
Nalbuphin [17] 0,1–0,3 mg/kgKG 10–20 mg
Morphin 0,05–0,1 mg/kgKG 5–10 mg
Fentanyl 0,6–2,5 μg/kgKG 0,1–0,2 mg 1–2 μg/kgKG
Ketamin 0,25–0,5 mg/kgKG 25–50 mg 2–4 mg/kgKG
S-Ketamin 0,125–0,25 mg/kgKG 12,5–25 mg 1–2 mg/kgKG

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Primary Surveytoggle arrow icon

Primary Survey in der präklinischen Traumaversorgung: cABCDE-Schema [7][18][19]
Akronym Bedeutung Relevante Maßnahmen
c

„Critical Bleeding“

  • Lebensbedrohliche externe Blutung stoppen
A

„Airway“

B

„Breathing“

C

„Circulation“

  • Kreislaufstabilisierung
  • Weitere Blutungen stoppen
  • Hinweise auf innere oder okkulte Blutungen suchen
D

„Disability“

E

„Exposure“

  • Nach Bedarf entkleiden, Wärmeerhalt
  • Situationsangepasste körperliche Untersuchung
  • Regelmäßige Reevaluation der klinischen Situation
  • Monitoring vervollständigen

Der Primary Survey dient zur Festlegung der Prioritäten und zur Behandlung lebensbedrohlicher Probleme. Es gilt der Grundsatz: „Treat first what kills first“!

Für das grundlegende Vorgehen beim Primary Survey mittels cABCDE-Schema siehe: Notfallmanagement - Grundlegende Prinzipien!

c: „Critical Bleeding“ (Blutungsmanagement) [8][20][21]

  • Sofortiges Stoppen aktiver kritischer Blutungen folgender Lokalisationen
    • Extremitäten
    • Körperstamm
    • Kopfhaut
    • (Becken )
  • Lokalisieren der Blutungsquelle
  • Initiale Therapie: Je nach Lokalisation, bspw.
    • Extremitätenverletzungen: Stufenschema
      1. Manuelle Kompression und Hochlagern
      2. Druckverband
      3. Tourniquet
    • Beckenringverletzungen: Kompression, bspw. durch Beckengurt oder Tuchschlinge
  • Siehe auch: Notfallmanagement - Critical Bleeding

Falls möglich, sollten aktive Blutungen bereits im präklinischen Setting gestoppt werden! [8]

Bei klinischen Anzeichen für innere Blutungen ist der schnellstmögliche Transport in das nächstgelegene Krankenhaus die wichtigste Maßnahme!

A: „Airway“ (Atemwegsmanagement und Immobilisation der Halswirbelsäule) [22][23][24]

Eine normal sprechende Person hat i.d.R. keine kritische Atemwegsobstruktion!

Invasive Atemwegssicherung

B: „Breathing“ (Beurteilung und Unterstützung der Atmung) [8][22][28]

C: „Circulation“ (Kreislaufmanagement ) [8]

D: „Disability“ (Orientierende neurologische Untersuchung) [18][32]

Zeichen einer möglichen transtentoriellen Herniation: Dilatierte, nicht auf Licht reagierende Pupille, Beuge- oder Strecksynergismen und abnehmende Wachheit mit sinkendem GCS-Punktwert in der Verlaufstestung!

Bei Bewusstlosigkeit nach Trauma muss bis zum Beweis des Gegenteils eine Wirbelsäulenverletzung angenommen werden! [8]

E: „Exposure“ (orientierende körperliche Untersuchung und Wärmemanagement)

  • Überblick gewinnen über Verletzungsmuster
    • Unmittelbar lebensbedrohliche Verletzungen detektieren bzw. ausschließen
    • Orientierende Untersuchung der Extremitäten [8]
  • Wärmeerhalt und Wiedererwärmung [34][35][36] [18]
    • Allgemeine Präventionsmaßnahmen
    • Isolierende oder erwärmte Decken bzw. Rettungsdecken
    • Erwärmte Infusionen
  • Messung der Körpertemperatur (tympanal )
  • Siehe auch: Notfallmanagement - Exposure

Falls nötig, sollten im Verlauf des Primary Survey zumindest folgende Maßnahmen erfolgt sein: Reanimation, Anlage einer Thoraxdrainage, Entlastung einer Perikardtamponade und endotracheale Intubation!

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Secondary Surveytoggle arrow icon

(Fremd‑)Anamnese

Körperliche Untersuchung [18][33][37]

Der Secondary Survey dient dem Erkennen nicht-lebensbedrohlicher Verletzungen. Er beinhaltet eine Anamnese und die Untersuchung von Kopf bis Fuß – was jedoch nicht den Transport unnötig verzögern darf!

Für das grundlegende Vorgehen beim Secondary Survey siehe: Notfallmanagement - Grundlegende Prinzipien!

Ggf. apparative Diagnostik

Weiterführende Maßnahmen

Erstversorgung spezieller Verletzungen

Erstversorgung von akuten Wunden [8][40]

Erstversorgung von Verletzungen der Extremitäten [8][37][41]

Erwartbarer Blutverlust bei geschlossenen Extremitätenfrakturen [37]
Lokalisation Erwartbarer Blutverlust
Beckenfraktur 500–5.000 mL
Femurfrakturen 300–2.500 mL [8]
Tibiafraktur 100–1.000 mL
Humerusfraktur 100–800 mL
Radius- oder Ulnafraktur 50–400 mL


Für Erwachsene besteht ab ≥1 L Blutverlust Lebensgefahr!

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Transport und Zielkliniktoggle arrow icon

Da die Intubationsbedingungen während der Fahrt sehr schlecht sind, muss möglichst vor dem Transport über eine endotracheale Intubation entschieden werden!

Lagerung und Transport

Lagerung für den Transport

Immobilisation der Wirbelsäule [8][9]

Übersicht: Präklinisches Vorgehen im Hinblick auf die Immobilisation der Wirbelsäule [8][9]
Phase Vorgehen
Rettung
Primary Survey
Secondary Survey
Im Anschluss an den Secondary Survey

Bei unklarem Befund muss die HWS bis zum Ausschluss einer klinisch relevanten Verletzung immobilisiert werden!

Bei Bewusstlosigkeit nach Trauma muss bis zum Beweis des Gegenteils eine Wirbelsäulenverletzung angenommen werden! [8]

Auch bei Schädel-Hirn-Trauma sollte eine Immobilisation der Halswirbelsäule erfolgen, ggf. ohne Anlage einer Zervikalstütze! [9]

4S-Regel zur Immobilisation der Wirbelsäule

4S-Regel zur Immobilisation der Wirbelsäule [46]
Kriterium
S Sturz aus großer Höhe (>3 m)
S Seniorität (Lebensalter >65 Jahre)
S Schwere Verletzung
S Schädel-Hirn-Trauma

Vergleich von Vakuummatratze und Spineboard

Vergleich von Vakuummatratze und Spineboard [9]
Spineboard Vakuummatratze
Vorteilhaft für die Rettung Ja [47] Nein
Geeignet für (schmerzarmen) Patiententransport Nein Ja
Stabilisierung der LWS-Lordose Nein Ja
Geeignet zur Immobilisation bei Schädel-Hirn-Trauma Nein Ja
Schmerzen und Druckschäden bei längerer Lagerung (>2 h) Ja Nein

Die verletzte Person muss möglichst schnell, schonend, erschütterungsarm und zielgerichtet ins nächstgelegene geeignete Krankenhaus transportiert werden!

Hygienevorschriften beim Patiententransport [48]

  • Einteilung von Patientengruppen
    • Kategorie A: Kein Anhalt für Infektionskrankheit
    • Kategorie B: Infektionskrankheit, die beim Transport jedoch nicht übertragen werden kann
    • Kategorie C-1
    • Kategorie C-2: Verdacht auf kontagiöse Infektionskrankheit mit besonders gefährlichen Erregern
    • Kategorie D: Für Infektionskrankheiten besonders gefährdete Patientengruppen
  • Hygienemaßnahmen je nach Kategorie
    • Kategorie A und B: Standardhygiene
    • Kategorie C-1: Information des medizinischen Personals , weitergehende Maßnahmen nötig
    • Kategorie C-2: Unmittelbare Information an zuständige Behörde, spezielle Maßnahmen nötig
    • Kategorie D: Person vor Infektion schützen

Rettungsmittel

Übersicht über bodengebundene Rettungsmittel
Rettungsmittel Besatzung Ausstattung Transportmöglichkeit für Patient:innen
Krankentransportwagen (KTW)
  • 2× Rettungsfachpersonal, davon mind. 1× Rettungssanitäter:in
  • Grundlegende medizinische Ausstattung für akut bedrohliche Situationen
  • Ja (sitzend/liegend)
Rettungstransportwagen (RTW)
  • 2× Rettungsfachpersonal, davon mind. 1× Notfallsanitäter:in
  • Komplette medizinische Ausstattung zur Versorgung von Notfällen
  • Ja (liegend)
Notfallkrankentransportwagen (NKTW)
  • Abhängig von der Einsatzart
  • Ja (liegend)
Notarztwagen (NAW)
  • Notarzt/Notärztin
  • 2× Rettungsfachpersonal
  • Ja (liegend)
Notarzteinsatzfahrzeug (NEF)
  • Notarzt/Notärztin, meist in Begleitung durch 1× Rettungsfachpersonal
  • Nein

Zielklinik [8]

Traumazentren gemäß TraumaNetzwerk DGU® [50][51]
Aufgabenbereich Allgemeine Anforderungen Räumliche Voraussetzungen
Lokales Traumazentrum
  • Flächendeckende Grundversorgung von einfachen Verletzungen
  • Unterstützung bei der Versorgung von Schwerverletzten
    • Klinische Erstbehandlung
    • Herstellung der Transportfähigkeit
    • Zielgerichteter Transport in (Über‑)Regionales Traumazentrum
  • 24-h-Bereitschaft zur Aufnahme von Schwerverletzten und möglicher OP in Notfällen
  • Möglichkeit zur Diagnostik und Therapie lebensbedrohlicher Blutungen
  • Schockraum
    • Ausreichend groß (≥25 m2)
    • Bildgebende Diagnostik im Schockraum möglich oder CT in räumlicher Nähe
    • Ausstattung gemäß ATLS® Vorgaben
  • 1 OP-Saal für Schwerverletzte jederzeit verfügbar
  • Intensivstationäre Behandlung von 1 schwerverletzten Person jederzeit möglich
Regionales Traumazentrum
  • Schwerpunktversorgung
  • Umfassende Notfallversorgung sowie definitive Versorgung von Verletzten
  • Prinzipiell gleiche Anforderungen wie beim überregionalen Traumazentrum
    • Geringere Kapazitäten erforderlich
    • Eingeschränkte Behandlung besonders komplexer Verletzungen möglich
  • Schockraum
    • Ausreichend groß (≥25 m2)
    • Räumliche Nähe zu Krankenanfahrt, Hubschrauberlandeplatz, radiologischer Abteilung, OP-Saal
    • Bildgebende Diagnostik im Schockraum möglich oder CT in räumlicher Nähe
    • Ausstattung gemäß ATLS® Vorgaben
    • Materialien auch in Kindergrößen vorhanden
  • 1 OP-Saal für Schwerverletzte jederzeit verfügbar
  • Intensivstationäre Behandlung von 1 schwerverletzten Person jederzeit möglich
    • Ausstattung gemäß Empfehlungen der DIVI
    • Strukturanforderungen gemäß OPS-Katalog
Überregionales Traumazentrum
  • Maximalversorgung
  • Umfassende Behandlung von Mehrfach- und Schwerverletzten
  • 24-h-Bereitschaft zur Aufnahme von Schwerverletzten und möglicher OP in Notfällen
  • Simultane Versorgung von zwei Schwerverletzten möglich
  • Schockraum
    • Ausreichend groß (≥50 m2 oder 2 Räume à ≥25 m2)
    • Unmittelbare räumliche Nähe zu Krankenanfahrt, Hubschrauberlandeplatz, radiologischer Abteilung, OP-Saal
    • Bildgebende Diagnostik im Schockraum möglich oder CT in räumlicher Nähe
    • Angiografieeinheit zur Blutungskontrolle vorhanden
    • Ausstattung gemäß ATLS® Vorgaben
    • Materialien auch in Kindergrößen vorhanden
  • 2 OP-Säle für Schwerverletzte jederzeit verfügbar
  • Intensivstationäre Behandlung von 2 schwerverletzten Personen jederzeit möglich
    • Ausstattung gemäß Empfehlungen der DIVI
    • Strukturanforderungen gemäß OPS-Katalog

Übergabe ans Klinikpersonal [52]

  • Je nach Verletzungsschwere
  • Ziele der Übergabe
    • Abgabe der Verantwortung, ggf. Delegation von Aufgaben
    • Weitergabe relevanter Informationen
    • Priorisierung zum sinnvollen Einsatz der vorhandenen Ressourcen
    • Vermeidung von Fehlern [8]

iSOBAR-Schema [53]

iSOBAR-Schema für die Patientenübergabe im Schockraum
Akronym Bedeutung Möglicher Inhalt
i „Identifizierung“
  • Patientenidentität: Name, Geschlecht und Lebensalter
S

„Situation“

  • Art und Zeitpunkt des Notfalls
  • Initialer Befund bzw. Verdachtsdiagnose
  • Beschreibung der Situation vor Ort inkl. Unfallmechanismus
O „Observationen“ (Beobachtungen)
B „Background“ (Hintergrund)
A „Aufgaben“
  • Ausstehende diagnostische und therapeutische Maßnahmen
R „Rückfragen“

(AT)MIST-Schema

(AT)MIST-Schema für die Patientenübergabe im Schockraum [54][55]
Akronym Bedeutung Inhalt
A „Age“
  • Patientenidentität: Lebensalter, ggf. Name
T „Time“
  • Zeitpunkt des Unfalls bzw. Ereignisses
M „Mechanism“
I „Injury“
  • Verletzungsmuster
S „Symptoms/Signs“
T „Treatment“
  • Bereits erfolgte Therapie und Effekt
  • Ggf. weitere relevante Informationen
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