Zusammenfassung
Antibiotika umfassen eine inhomogene Gruppe von Substanzen, die gegen Infektionen durch Bakterien oder Parasiten eingesetzt werden. Die korrekte Indikationsstellung ist u.a. abhängig von den ursächlichen Erregern, den Kontraindikationen und möglichen Nebenwirkungen. Dieses Kapitel gibt eine Übersicht über die Grundlagen der antibiotischen Therapie inkl. der antibiotischen Applikationsformen sowie der richtigen Dosierung der antibiotischen Therapie. Zudem werden die verschiedenen Substanzklassen und die häufigsten Wirkstoffe inkl. des Wirkspektrums und relevanter Nebenwirkungen und Kontraindikationen vorgestellt. Spezifische Indikationen und Dosierungen finden sich in den Therapiesektionen der einzelnen Krankheitsbilder.
- Siehe auch: Antibiotika in der Schwangerschaft/Stillzeit
Du möchtest diesen Artikel lieber hören als lesen? Wir haben ihn für dich im Rahmen unserer studentischen AMBOSS-Audio-Reihe vertont. Den Link findest du am Kapitelende in der Sektion „Tipps & Links“.
Grundlagen der antibiotischen Therapie
Allgemeines [1][2][3]
- Indikation: Infektionen durch Bakterien, seltener parasitäre Erkrankungen
- Einleitung einer antibiotischen Therapie: Kalkuliert oder gezielt
- Wirkung: Bakteriostatisch vs. bakterizid [4]
Kalkulierte Antibiotikatherapie
- Definition: Behandlung mit Antibiotika, bevor der ursächliche Erreger bekannt ist
- Indikation
- Lebensbedrohliche Infektionserkrankung
- Gefahr für Komplikationen oder schwereren Verlauf durch einen verzögerten Therapiebeginn
- Infektionserkrankung, bei der ein Erregernachweis nicht möglich oder erfolgreich ist bzw. nicht regelhaft durchgeführt wird
- Beispiele: Kalkulierte Antibiotikatherapie bei Sepsis, Meningitis, Pneumonie, Harnwegsinfektionen
- Maßnahmen vor Therapiebeginn
- Abnahme von Blutkulturen
- Fokuszentrierte Erregerdiagnostik, siehe auch: Fokus- und Erregersuche
- Berücksichtigung von infektions- und personenspezifischen Faktoren
- Typisches Erregerspektrum des vermuteten Fokus
-
Entstehungsort der Infektion
- Ambulant erworben vs. nosokomial, Normal- vs. Intensivstation
- Geografische Unterschiede
- Lokale Erreger- und Resistenzsituation
- Antibiotische Vorbehandlung
- Individuelle Faktoren, bspw.
- Risikofaktoren einer Infektion mit MRE
- Darreichungsform, Toxizität und Kosten des Antibiotikums
Bei dem klinischen Bild einer schweren bakteriellen Infektion sollen rasch Antibiotika nach der Probenasservierung verabreicht und das Regime regelmäßig reevaluiert werden (DGIM - Klug entscheiden in der Infektiologie)!
Gezielte Antibiotikatherapie
- Definition: Behandlung einer bakteriellen Infektion mit einem Antibiotikum, das entsprechend dem bekannten Erreger, Antibiogramm und Fokus gewählt ist
- Ermöglicht Einsatz von Antibiotika mit engem Wirkungsspektrum
- Effekte
- Optimierung der erreger- und krankheitsspezifischen Therapie
- Veränderungen im bakteriellen Milieu↓
- Antimikrobielle Resistenzen↓
- Nebenwirkungen↓
Resistenztestung
- Definition: Prüfung der In-vitro-Empfindlichkeit bzw. Resistenz der angezüchteten Bakterienstämme (oder auch einiger Viren und Pilze) gegenüber Antiinfektiva [5]
- Durchführung: Nach methodischer Standardisierung , insb. durch EUCAST und CLSI
- Phänotypische Testung
- Mikrobiologische Grundlage: Minimale Hemmkonzentration (MHK, Minimum Inhibitory Concentration, MIC), die der geringsten Antibiotikakonzentration entspricht, die ein Wachstum von Bakterien verhindert
- Je niedriger die MHK, desto besser die Wirksamkeit
- Methoden
- Agardiffusionstest
- Bouillon-Verdünnungstest
- Epsilometer-Test (E-Test)
- Mikrobiologische Grundlage: Minimale Hemmkonzentration (MHK, Minimum Inhibitory Concentration, MIC), die der geringsten Antibiotikakonzentration entspricht, die ein Wachstum von Bakterien verhindert
- Genotypische Testung: PCR
- Phänotypische Testung
- Antibiogramm (Resistogramm): Bericht zur Empfindlichkeit eines Erregers gegenüber Antibiotika nach Resistenztestung [6][7][8]
- S/I/R-Befundkategorien: Angabe der Empfindlichkeit eines Erregers nach standardisierter Testung der MHK definierter Antibiotika
- Festlegung mithilfe sog. Clinical Breakpoints [8]
- S/I/R-Befundkategorien: Angabe der Empfindlichkeit eines Erregers nach standardisierter Testung der MHK definierter Antibiotika
S/I/R-Befundkategorien der Resistenztestung | ||
---|---|---|
Befundformel | Bedeutung | Hinweise |
S | Sensibel bei Standardexposition | Wirksamkeit bei Standarddosierungen des getesteten Antibiotikums |
I | Sensibel bei erhöhter Exposition | Wirksamkeit zu erwarten bei erhöhter Einwirkung des getesteten Antibiotikums am Ort der Infektion |
R | Resistent | Keine Wirksamkeit |
I steht für „increased Exposure“ und bedeutet, dass ein Wirkstoff bei einer höheren Konzentration am Infektionsort wirkt!
Applikationswege
Applikationsmöglichkeiten [1]
- Auswahl der Applikation: Abhängig von krankheits- und personenspezifischen Faktoren, insb.
- Therapieadhärenz
- Vorerkrankungen, z.B. Schluckstörung, Kurzdarmsyndrom, Blutungsneigung
- Komedikation, z.B. Antikoagulation
- Venenstatus
- Lokalisation der Infektion
- Erkrankungsschwere
- Umstellung der Applikation im Verlauf, bspw. Wechsel auf p.o. (sog. orale Sequenztherapie)
Möglichkeiten der Applikation | |||
---|---|---|---|
Vorteile | Nachteile | Typische Indikation | |
i.v. |
|
|
|
p.o. |
|
|
|
i.m. |
|
|
|
Lokal |
|
|
|
Bei fehlender klinischer Kontraindikation sollen orale statt intravenöse Antibiotika mit guter oraler Bioverfügbarkeit appliziert werden (DGIM - Klug entscheiden in der Infektiologie)!
Eine intravenöse antibiotische Therapie ist keine alleinige Indikation für eine stationäre Behandlung! [1]
Oralisierung von Antiinfektiva [9]
- Tägliche Überprüfung und ggf. Oralisierung der Therapie, hierdurch
- Hospitalisierungszeit↓
- Mobilität↑
- Infusionsbedingte unerwünschte Nebenwirkungen↓
- Arbeitsbelastung des medizinischen Personals↓
- Materialverbrauch↓
- Therapiekosten↓
- Insb. möglich bei Medikamenten mit guter Bioverfügbarkeit, wie bspw.
Bei intravenöser Behandlung mit Antibiotika mit guter Bioverfügbarkeit soll die Umstellung auf eine orale Therapie täglich geprüft werden!
Checkliste zur Oralisierung der antibiotischen Therapie Voraussetzung: Gabe von Antiinfektiva mit guter oraler Bioverfügbarkeit | ||
---|---|---|
Ist eine enterale Gabe nicht möglich? |
| |
Besteht eine Resorptionsstörung? |
| |
Muss eine spezifische i.v. Hochdosistherapie durchgeführt werden? |
| |
Auswertung | Alles NEIN: Umstellung auf eine orale Therapie möglich ≥1 JA: Zunächst Fortsetzung der i.v. Therapie |
Ambulante parenterale Antiinfektivatherapie (APAT) [10]
- Definition: Verabreichung antiinfektiver Substanzen außerhalb des Krankenhauses (i.v., seltener i.m.)
- Geeignete Indikationen bzw. Anwendung
- Grundsätzlich: Alle Infektionserkrankungen mit sicherer Therapieindikation und fehlender oraler Therapiemöglichkeit, siehe: Checkliste zur Oralisierung der antibiotischen Therapie
- Voraussetzung: Geeignete Patient:innen und vorhandene Infrastruktur, siehe: APAT-Checkliste
- Indikationsstellung: Durch Fachärzt:innen für Innere Medizin und Infektiologie oder bei Zusatzbezeichnung Infektiologie
- Anwendung: Bspw. zystische Fibrose, Knochen- und Gelenkinfektion, Endokarditis, Blutstrominfektionen, ZNS-Infektionen
- Durchführung
- Durch APAT-Team organisiert, Zusammenarbeit mit Hausärzt:innen
- Kontakt zum nächsten infektiologischen Zentrum: Über das infektiologische Beratungsnetzwerk, siehe Kontakt unter „Tipps & Links“
Die Betreuung durch interdisziplinäre APAT-Teams ist Voraussetzung für eine ambulante parenterale Therapie!
Auch Menschen ohne festen Wohnsitz, mit Drogenkonsum oder ältere Menschen kommen prinzipiell für eine APAT infrage!
Ambulante parenterale Antiinfektivatherapie - Checkliste | |
---|---|
Bisherige Antiinfektivatherapie |
|
Infektion |
|
Medikamentenauswahl |
|
Gefäßzugang | |
Eignung der Person |
|
Setting für ambulante Durchführbarkeit |
|
Dosierungen
Allgemeine Dosierungshinweise [1]
- Korrekte Dosierung: Abhängig u.a. von
- Körpergewicht
- Infektionserkrankung
- Nachgewiesenem Erreger
- Resistenztestung
- Organdysfunktionen
- Antibiotikadosierung bei Nierenfunktionseinschränkung oder Dialyse
- Ab einer GFR ≤60 mL/min anpassen
- Bei chronischer Nierenerkrankung: Abhängig von eGFR, siehe: CKD-EPI-Formel (Rechner)
- Anpassung durch Dosisreduktion und/oder Intervallverlängerung
- Bei Dialyse: Abhängig vom Nierenersatzverfahren
- In Abhängigkeit von Antibiotikum, Nierenfunktion und Therapie
- Ab einer GFR ≤60 mL/min anpassen
Unabhängig von der Nierenfunktionseinschränkung oder der Dialyse entspricht die Initialdosis immer der Normaldosis!
Bei einer intermittierenden Dialyse (z.B. SLEDD) sollten die Antiinfektiva im Anschluss an die Dialyse gegeben werden!
Therapeutisches Drugmonitoring (TDM) bei Antibiotikagabe [2]
- Indikationen: Insb. bei
- Antibiotika mit geringer therapeutischer Breite, z.B. Vancomycin, Aminoglykoside
- Personen mit Organdysfunktionen
- Zu bestimmender Wert: Abhängig von der Substanz und Indikation entweder
- Talspiegel oder
- Spitzenspiegel
Richtwerte für die Serumspiegelbestimmung einiger Antibiotika | |||
---|---|---|---|
Antibiotikum mit Häufigkeit der Gaben | Spitzenspiegel (mg/L) | Talspiegel (mg/L) | |
Amikacin | 1×/d | >50 | <2 |
Mehrmals/d | 15–30 | <5 | |
Gentamicin | 1×/d | 10–20 | <1 |
Mehrmals/d | 5–10 | <2 | |
Tobramycin | 1×/d | 10–20 | <1 |
Mehrmals/d | 5–10 | <2 | |
Vancomycin | — | I.d.R. 5–10 | |
Bei schwerer Infektion 15–20 | |||
Teicoplanin | — | 10–20 |
Therapiedauer
- Abhängig von verschiedenen Faktoren, insb.
- Lokalisation der Infektion
- Erregerspektrum
- Schwere der Erkrankung
- Klinischem Ansprechen
- Entzündungswerten
- Operativer Sanierung
- Personenspezifischen Faktoren
- Trend zu kürzerer Therapie: Für viele Infektionen (z.B. Pneumonie, Harnwegsinfektionen, bakterielle Meningitiden)
- Vorteile einer kürzeren antibiotischen Therapie
- Weniger Nebenwirkungen
- Reduziertes Interaktionspotenzial mit Komedikation
- Weniger Resistenzen
- Geringere Veränderung des bakteriellen Milieus und der Standortflora
- Reduzierte Kosten für Patient:innen und das Gesundheitssystem
- Vorteile einer kürzeren antibiotischen Therapie
Die antibiotische Therapie sollte so kurz wie möglich und so lange wie nötig durchgeführt werden – für viele Infektionen gibt es noch keine ausreichende Evidenz für eine adäquate Therapielänge!
Auf eine unnötig lange Antibiotikatherapie soll verzichtet werden (DGIM - Klug entscheiden in der internistischen Intensivmedizin)!
Antibiotic Stewardship (ABS)
ABS-Programme
- Definition: Programme zur Verbesserung des Antibiotikaeinsatzes, insb. in Krankenhäusern
- Ziele: Optimierung von
- Effekte: Bspw. reduzierte
- Liegedauer
- Sterblichkeit
- Anzahl nosokomialer Infektionen
- Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
- Kosten
- Zusätzlich dazu: Diagnostic Stewardship
- Definition: Anforderung der richtigen mikrobiologischen Tests zum richtigen Zeitpunkt für die individuelle Person
- Bedeutung: Ergänzend zum ABS zunehmend relevant
Durchführung
- ABS-Team: Interdisziplinäre Expert:innen aus
- Infektiologie
- Mikrobiologie
- Pharmakologie bzw. Apotheke
- Krankenhaushygiene
- ABS-Tools: Werden vom ABS-Team entwickelt und umgesetzt, z.B.
- Lokale Behandlungsleitlinie für Infektionserkrankungen
- Antiinfektiva-Liste
- Anwendungsbeschränkung
- Erhebung von Surveillance-Daten
- ABS-Maßnahmen: Werden vom ABS-Team durchgeführt, z.B.
- ABS-Visiten
- Fortbildungen
- Individuelle Konsile
Bei ABS-Visiten/Konsilen: Individuelle Therapieoptimierung
- Ggf. empirische Therapie beenden
- Ggf. Umstellung
- Einer Kombinations- auf eine Monotherapie
- Eines ungezielten Breitspektrumantibiotikums auf ein Schmalspektrumantibiotikum
- Einer empirischen auf eine gezielte Antibiotikatherapie
- Ggf. Oralisierung der antibiotischen Therapie
- Sonst ggf. ambulante parenterale Antiinfektivatherapie
- Ggf. Optimierung der Dosierung von Antibiotika
ABS-Visiten sollen regelmäßig durchgeführt werden, um die Indikation, Substanzwahl, Dosierung, Applikationsart und Therapiedauer der antibiotischen Therapie zu evaluieren! [11]
Bei komplexen infektiologischen Fällen soll zusätzlich ein infektiologisches Konsil eingeholt werden! [11]
Übersicht
Antibiotikaklassen
- β-Lactam-Antibiotika
- Makrolide
- Tetracycline und Tetracyclin-Derivate
- Glykopeptide
- Fluorchinolone
- Aminoglykoside
- Lincosamide
- Nitroimidazole
- Oxazolidinone
- Epoxide
- Lipopeptide
- Sulfonamide und Dihydrofolatreduktase-Inhibitoren
- Nitrofurantoin-Derivate
- Ansamycine
- Polymyxine
Antibiotika-Mosaik
Du kannst Dir das aktuelle AMBOSS-Antibiotika-Mosaik (Wirkspektren der verschiedenen Antibiotika) als PDF-Dokument unter „Tipps & Links“ (ganz unten) oder unter www.amboss.com/de/aerztliche-pdfs/antibiotika-mosaik herunterladen!
Penicilline
Übersicht über die Penicilline | ||||||
---|---|---|---|---|---|---|
Substanzen | Erregerspektrum | Wirkung und Wirkmechanismus | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise | |
Klassische Penicilline |
|
|
|
|
| |
Isoxazolylpenicilline (Staphylokokkenpenicilline ) |
|
| ||||
Aminopenicilline |
|
| ||||
Aminopenicilline + β-Lactamase-Inhibitor |
|
| ||||
Amidinopenicilline |
| — | ||||
Acylaminopenicilline |
|
| ||||
Acylaminopenicilline + β-Lactamase-Inhibitor |
|
|
|
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- β-Lactam-Antibiotika: Hemmung der Zellwandsynthese
- β-Lactamase-Inhibitor: Zusätzlich Inhibition der β-Lactamase, nur wirksam in Kombination mit einem β-Lactam-Antibiotikum
- Bakterizid
- Bakterielle Resistenzmechanismen
- Spaltung des β-Lactamrings durch β-Lactamasen (sog. Penicillinasen)
- Mutationen im Penicillin-Bindeprotein
Cephalosporine
Übersicht über die Cephalosporine | |||||
---|---|---|---|---|---|
Substanzen | Erregerspektrum [2] | Wichtige Nebenwirkungen [3] | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise | |
Cephalosporine der 1. Generation (sog. Cefazolin-Gruppe) |
|
|
|
| |
Cephalosporine der 2. Generation (sog. Cefuroxim-Gruppe) |
|
| |||
Cephalosporine der 3. Generation 3a (sog. Cefotaxim-Gruppe, Cefixim-Gruppe) 3b (sog. Ceftazidim-Gruppe) |
|
| |||
Cephalosporine der 4. Generation |
|
| |||
Cephalosporine der 5. Generation |
|
| |||
Cephalosporine + β-Lactamase-Inhibitor [3] |
|
| |||
|
|
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- β-Lactam-Antibiotika: Hemmung der Zellwandsynthese
- Unempfindlichkeit gegen einige β-Lactamasen, erweitert bei Kombination mit β-Lactamase-Inhibitor
- Bakterizid
- Gewebegängigkeit: Insb. gute Hohlraumgängigkeit
- ZNS-Penetration: Gut, insb. Ceftriaxon
- Besonderheit im Wirkspektrum: Enterokokkenlücke, d.h. fehlende Wirksamkeit der meisten Cephalosporine gegenüber Enterokokken
Die Cephalosporine der 1.–4. Generation wirken nicht gegen Enterokokken (sog. Enterokokkenlücke)!
Cef-tri-axon = Cephalosporin (→„Cef“) der 3. Generation (→„tri“) mit ZNS-Gängigkeit (→„axon“)!
Carbapeneme
Übersicht über die Carbapeneme | ||||
---|---|---|---|---|
Substanzen | Erregerspektrum | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
|
|
|
Weitere Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- β-Lactam-Antibiotika: Hemmung der Zellwandsynthese
- β-Lactamase-fest
- Bakterizid
Carbapenemresistenz [13][14][15]
- Carbapenemase
- Einordnung: Bakterielles Enzym und Sonderform einer β-Lactamase
- Wirkung: Hydrolysierung von Carbapenemen und β-Lactam-Antibiotika → Wirkungslosigkeit
- Produktion: Durch Carbapenemase-produzierende Enterobacterales
- Carbapenemase-Klassen (nach Ambler)
- Übertragung zwischen Bakterien: Durch Plasmide
- Bei Nachweis: Meldepflicht nach § 7 Infektionsschutzgesetz
- Weitere Mechanismen
- Verlust/Veränderung von Porinkanälen
- Expression von Membran-ATPasen
Monobactame
Übersicht über die Monobaktame | |||||
---|---|---|---|---|---|
Substanz | Erregerspektrum | Wirkung und Wirkmechanismus | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
|
|
|
|
Aztreonam ist ausschließlich gegen gramnegative Bakterien wirksam!
Makrolide
Übersicht über die Makrolide | ||||
---|---|---|---|---|
Substanz | Erregerspektrum | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
|
|
|
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese
- Bakteriostatisch
- ZNS-Penetration: Gering
- Elimination: Biliär
- Bakterieller Resistenzmechanismus: Methylierung der bakteriellen Bindungsstelle von 23S rRNA → Keine Bindung des Makrolids an bakterielle rRNA
Tetracycline und Tetracyclin-Derivate
Übersicht über die Tetracycline und Tetracyclin-Derivate | |||||
---|---|---|---|---|---|
Substanzen | Erregerspektrum | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise | |
Tetracycline |
|
|
| ||
Glycylcycline |
|
|
|
|
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese
- Bakteriostatisch
- ZNS-Penetration: Schlecht
- Gewebegängigkeit: Gut
- Elimination
- Tetracycline: Hepatisch und renal
- Glycylcycline: Biliär
- Bakterielle Resistenzmechanismen: Plasmidkodierte Membran-ATPasen
Glykopeptide
Übersicht über die Glykopeptid-Antibiotika | ||||
---|---|---|---|---|
Substanzen | Erregerspektrum | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
|
|
|
|
Vancomycin ist ausschließlich gegen grampositive Bakterien wirksam!
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- Hemmung der Zellwandsynthese
- Bakterizid
- Bakterielle Resistenzmechanismen: Modifikation der Aminosäure, an der Vancomycin an das Bakterium bindet
- ZNS-Penetration: Nur bei gestörter Blut-Hirn-Schranke (z.B. bei Meningitis)
- Elimination: Renal (über glomeruläre Filtration)
Fluorchinolone
Übersicht über die Fluorchinolone | |||||
---|---|---|---|---|---|
Gruppe | Substanzen | Erregerspektrum [2][3] | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
I |
|
|
|
| |
II |
|
| |||
III |
| ||||
IV |
|
|
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- Hemmung der prokaryotischen (bakteriellen) Topoisomerase-II (DNA-Gyrase) → Gyrasehemmer
- Bakterizid
- Wirksamkeit und Wechselwirkungen
- Gute Bioverfügbarkeit: Orale Gabe bzw. Oralisierung evaluieren
- Gute Wirksamkeit im ZNS
- Hemmung von Cytochrom-P450: Erhöhtes Risiko für Arzneimittelwechselwirkungen
- Verringerte Absorption von Fluorchinolonen bei gleichzeitiger Einnahme von Substanzen mit zweiwertigen Kationen
- Bakterielle Resistenzmechanismen
- Chromosomen-kodierte Mutation in den Genen für die Enzyme DNA-Gyrase und Topoisomerase IV
- Veränderte Permeabilität der Zellwand
- Plasmidkodierte Membran-ATPasen
Warnhinweise und Rote-Hand-Briefe zu Fluorchinolonen
- Anwendungsbeschränkungen [22][23]
- Anwendung nur in zugelassenen Indikationen und nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung [24]
- Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen und deren Symptome
- Therapie bei ersten Anzeichen oder Symptomen schwerwiegender Nebenwirkungen beenden
- Anwendung nicht zugelassen
- Bei leichten und mittelschweren bakteriellen Infektionen
- Bei nicht-bakteriellen Infektionen
- Zur Prophylaxe der Reisediarrhö oder rezidivierender Harnwegsinfektionen (die nicht über die Blase hinausgehen)
- Anwendung vermeiden
- Bei eingeschränkter Nierenfunktion, älteren Menschen und Organtransplantierten
- In Kombination mit Glucocorticoiden
- Wenn zuvor schwerwiegende Nebenwirkungen unter Fluorchinolonen aufgetreten sind
- Beachte auch
Fluorchinolone sind bei leichten und mittelschweren bakteriellen Infektionen nicht zugelassen!
Aminoglykoside
Übersicht über die Aminoglykoside | ||||
---|---|---|---|---|
Substanzen | Erregerspektrum | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
|
|
|
|
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese
- Bakterizid
- Synergistische Wirkung durch erleichterte Aufnahme
- ZNS-Penetration: Gering
- Elimination: Renal (über glomeruläre Filtration)
- Bakterielle Resistenzmechanismen: Inaktivierung mittels Acetylierung, Phosphorylierung und/oder Adenylierung durch bakterielle Transferase-Enzyme
Gentamicin - Dosierungsschema unter Beachtung der Nierenfunktion
Dosierungsschema für Gentamicin | ||
---|---|---|
GFR | Folgedosis (Umrechnungsfaktor der Initialdosis) | Beispiel für Folgedosis (bei Gentamicin 2 mg/kgKG i.v.) |
<100 mL/min | 0,8 | 1,6 mg/kgKG |
<70 mL/min | 0,65 | 1,3 mg/kgKG |
<55 mL/min | 0,55 | 1,1 mg/kgKG |
<45 mL/min | 0,5 | 1 mg/kgKG |
<40 mL/min | 0,40 | 0,8 mg/kgKG |
<35 mL/min | 0,35 | 0,7 mg/kgKG |
<30 mL/min | 0,3 | 0,6 mg/kgKG |
<25 mL/min | 0,25 | 0,5 mg/kgKG |
<20 mL/min | 0,2 | 0,4 mg/kgKG |
<15 mL/min | 0,15 | 0,3 mg/kgKG |
<10 mL/min | 0,1 | 0,2 mg/kgKG |
Keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Die Angaben erfolgen nach sorgfältigster redaktioneller Recherche. Insb. aktuelle Warnhinweise und veränderte Empfehlungen müssen beachtet werden. Soweit nicht anders genannt, beziehen sich die genannten Empfehlungen auf Erwachsene.
Lincosamide
Übersicht über die Lincosamide | ||||
---|---|---|---|---|
Substanz | Erregerspektrum | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
|
|
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese
- Bakteriostatisch
- ZNS-Penetration: Keine
- Gewebegängigkeit: Sehr gut
- Elimination: Renal und biliär
- Kreuzresistenzen: Mit Makroliden
Nitroimidazole
Übersicht über die Nitroimidazole | |||||
---|---|---|---|---|---|
Substanz | Erregerspektrum | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise | |
Nitroimidazole |
|
|
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- DNA-Strangbrüche
- Bakterizid
- ZNS-Penetration: Gut
- Elimination: Renal
Epoxide
Übersicht über die Epoxid-Antibiotika | ||||
---|---|---|---|---|
Substanz | Erregerspektrum | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
|
|
|
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- Hemmung der Zellwandsynthese
- Bakterizid
- ZNS-Penetration: Gut
- Bakterielle Resistenzen
- Sehr schnelle Resistenzentwicklung unter Monotherapie mit Fosfomycin → Bei schweren Infektionen Kombinationstherapie
- Häufiger Mechanismus: Mutationen der MurA
- Keine Kreuzallergien: Aufgrund fehlender chemischer Verwandtschaft zu anderen Antibiotikaklassen
Oxazolidinone
Überblick über die Oxazolidinone | ||||
---|---|---|---|---|
Substanzen | Erregerspektrum | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
|
|
|
Linezolid wirkt ausschließlich gegen grampositive Erreger!
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese
- Bakteriostatisch
- ZNS-Penetration: Gut
- Elimination: Biliär und renal
- Resistenzmechanismen: Punktmutation der bakteriellen 23S rRNA
Lipopeptide
Übersicht über die Lipopeptid-Antibiotika | ||||
---|---|---|---|---|
Substanzen | Erregerspektrum | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
|
|
|
|
Daptomycin wirkt ausschließlich gegen grampositive Erreger!
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- Irreversible Bindung an bakterielle Zellmembran → Einbau von Ionenkanälen, die zur Depolarisation der Zelle führen
- Bakterizid
- Besonderheit: Nicht bei Lungeninfektionen anwenden
- Bakterieller Resistenzmechanismus: Abstoßung von Daptomycin aufgrund veränderter bakterieller Oberflächenladung
Sulfonamide und Dihydrofolatreduktase-Inhibitoren
Übersicht über die Sulfonamide und Dihydrofolatreduktase-Inhibitoren | |||||
---|---|---|---|---|---|
Substanzen | Erregerspektrum | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise | |
Sulfonamide |
|
|
| ||
Dihydrofolatreduktase-Inhibitoren |
|
| |||
Sulfonamid + Dihydrofolatreduktase-Inhibitor |
|
|
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- Hemmung der bakteriellen Folsäuresynthese
- Bakteriostatisch und bakterizid
- ZNS-Penetration: Gut
- Elimination: Hauptsächlich renal, geringfügig auch biliär
Nitrofurantoin-Derivate
Übersicht über die Nitrofurantoin-Derivate | |||||
---|---|---|---|---|---|
Substanzen | Erregerspektrum | Wirkung und Wirkmechanismus | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
|
|
|
|
Ansamycine
Übersicht über die Ansamycine | ||||
---|---|---|---|---|
Substanzen | Erregerspektrum | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
|
|
|
Zusätzliche Informationen
- Wirkung und Wirkmechanismus
- Hemmung der bakteriellen RNA-Polymerase → Hemmung der Transkription
- Bakterizid
- Ausscheidungsweg: Biliär
- Resistenzentwicklung: Sehr schnell bei Monotherapie schwerer Infektionen mit Rifampicin → Kombinationstherapie
- Bakterielle Resistenzmechanismen: Mutationen der RNA-Polymerase reduzieren die Affinität zu Rifampicin
Polymyxine
Übersicht über die Polymyxin-Antibiotika | |||||
---|---|---|---|---|---|
Substanzen | Erregerspektrum | Wirkung und Wirkmechanismus | Wichtige Nebenwirkungen | Wichtige (relative) Kontraindikationen | Weitere Hinweise |
|
|
|
|
|
Kinder und Jugendliche
Häufig verwendete Antibiotika
Penicilline
- Erregerspektrum und Wirkmechanismus: Siehe Penicilline
Bei einer Allergie gegen andere β-Lactam-Antibiotika wie Cephalosporine oder Carbapeneme sind Kreuzreaktionen gegen Penicilline möglich!
Da Aminopenicilline wie Amoxicillin und Ampicillin bei einer EBV-Infektion i.d.R. ein Arzneimittelexanthem auslösen, sollten sie nicht zur Behandlung einer Tonsillopharyngitis angewendet werden!
Cephalosporine
- Erregerspektrum und Wirkmechanismus: Siehe Cephalosporine
Cephalosporine im Kindes- und Jugendalter | |||||
---|---|---|---|---|---|
Generation | Substanz | Zulassung | Darreichungsformen | Typische pädiatrische Indikationen [2][25] | Weitere Informationen |
1. Generation | Cefadroxil |
|
|
| |
Cefaclor |
|
|
| ||
Cefazolin |
|
|
| ||
Cefalexin |
|
|
| ||
2. Generation |
|
|
|
| |
3. Generation | Cefpodoxim-Proxetil |
|
|
|
|
Cefixim |
|
|
|
| |
|
|
| |||
Cefotaxim |
|
| |||
|
|
|
Bei einer Allergie gegen andere β-Lactam-Antibiotika wie Penicilline oder Carbapeneme sind Kreuzreaktionen gegen Cephalosporine möglich!
Cephalosporine können zu einer reversiblen Erhöhung der Leberenzyme (GOT, GPT, AP) und zu Blutbildveränderungen (Anämie, Neutropenie) führen!
Carbapeneme
- Erregerspektrum und Wirkmechanismus: Siehe Carbapeneme
Carbapeneme im Kindes- und Jugendalter | ||||
---|---|---|---|---|
Substanz | Zulassung | Darreichungsformen | Typische pädiatrische Indikationen [2][25] | Weitere Informationen |
Meropenem |
|
|
| |
Imipenem/Cilastatin |
|
| ||
|
|
Bei einer Allergie gegen andere β-Lactam-Antibiotika wie Penicilline oder Cephalosporine sind Kreuzreaktionen gegen Carbapeneme möglich!
Makrolide
- Erregerspektrum und Wirkmechanismus: Siehe Makrolide
Makrolide im Kindes- und Jugendalter | ||||
---|---|---|---|---|
Substanz | Zulassung | Darreichungsformen | Typische pädiatrische Indikationen [2][25] | Weitere Informationen |
Clarithromycin |
|
|
| |
Azithromycin |
|
|
| |
|
|
|
Makrolide erhöhen in den ersten 4 Lebensmonaten das Risiko für eine hypertrophe Pylorusstenose!
Makrolide sollten nicht gleichzeitig mit QT-Zeit-verlängernden Medikamenten verabreicht werden!
Aminoglykoside
- Erregerspektrum und Wirkmechanismus: Siehe Aminoglykoside
Aminoglykoside im Kindes- und Jugendalter | ||||
---|---|---|---|---|
Substanz | Zulassung | Darreichungsformen | Typische pädiatrische Indikationen [2][25] | Weitere Informationen |
Gentamicin |
|
|
|
|
|
|
|
|
Um das Risiko für oto- und nephrotoxische Nebenwirkungen zu reduzieren, sind bei der i.v. Gabe von Aminoglykosiden Talspiegelkontrollen erforderlich!
Glykopeptide
- Erregerspektrum und Wirkmechanismus: Siehe Glykopeptide
Glykopeptide im Kindes- und Jugendalter | ||||
---|---|---|---|---|
Substanz | Zulassung | Darreichungsformen | Typische pädiatrische Indikationen [2][25] | Weitere Informationen |
Vancomycin |
|
|
| |
Teicoplanin |
|
|
Um subtherapeutische Wirkspiegel und Resistenzbildungen zu vermeiden, sind bei der i.v. Gabe von Glykopeptiden Talspiegelkontrollen erforderlich!
Weitere
Weitere Antibiotika im Kindes- und Jugendalter | |||||
---|---|---|---|---|---|
Substanz | Zulassung | Darreichungsformen | Typische pädiatrische Indikationen [2][25] | Erregerspektrum und Wirkmechanismus | Weitere Informationen |
Ciprofloxacin |
|
|
|
|
|
Clindamycin |
|
|
|
|
|
Cotrimoxazol |
|
|
|
| |
Trimethoprim |
|
|
| ||
Nitrofurantoin |
|
|
|
| |
Fosfomycin |
|
|
|
|
|
Metronidazol |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Schwangerschaft und Stillzeit
AMBOSS-Pflegewissen: Pflege bei Antibiotikatherapie
Grundsätzlich gilt bei der Antibiotikatherapie: so oft wie notwendig und so selten wie möglich! Denn Antibiotika bekämpfen zwar gezielt Krankheitserreger, können sich aber auch negativ auf die gesunden Bakterien im Körper auswirken (v.a. im Darm). Alle pflegerischen Maßnahmen sind sowohl auf das klinische als auch das häusliche Setting anzuwenden und können im pflegerischen Beratungsgespräch als Informationen weitergegeben werden.
Für weiterführende Patienteninformationen siehe auch: Patienteninformationen - Antibiotika
Beobachten/Überwachen
- Basismonitoring: Insb. von Infektionsverlauf, Komplikationen und Symptome einer allergischen Reaktion
- Blutdruck
- Herzfrequenz
- Temperatur
- Atmung
- Haut/Schleimhaut: Beobachtung von
- Rötungen und Juckreiz durch ein Bakterienungleichgewicht auf der Haut
-
Pilzinfektionen: Bspw.
- Mundsoor oder andere Pilzinfektionen der Mundschleimhaut
- Rötungen und Trockenheit der vaginalen Schleimhaut
- Juckreiz erfragen
- Vaginalausfluss beobachten
- Blutungen, insb. Petechien, Hämatome
- Allergische Reaktion: Insb. auf Exantheme und Urtikaria achten , siehe auch: Anaphylaxie - Symptome
- Allergien gegen Antibiotika verhältnismäßig häufig
- Beobachtung und Dokumentation essenziell für die erneute Behandlung mit Antibiotika
- Folge einer allergischen Reaktion kann ein anaphylaktischer Schock sein, insb. nach Antibiotikainfusion
- Flüssigkeitshaushalt: Insb. auf Flüssigkeitsbilanz und ausreichende Trinkmenge achten
- Ausscheidungen
- Stuhlgang
- Insb. auf Diarrhö achten
- Bei wässrigen, faulig-übelriechenden, ggf. blutigen Durchfällen (und Fieber): Möglicher Hinweis auf eine Clostridioides-difficile-assoziierte Diarrhö (CDAD) → CAVE: Unbehandelt oftmals lebensbedrohlich!
- Übelkeit/Erbrechen: Ggf. nach ärztlicher Rücksprache erneute Medikamenteneinnahme bei Erbrechen <1 h nach Einnahme, siehe auch: AMBOSS-Pflegewissen: Pflege bei Erbrechen
- Urin: Verfärbungen
- Stuhlgang
- Geschmacks- und Geruchsveränderungen: Meist reversibel
- Organbeeinträchtigung: Risiko von Leber- und Nierenschädigungen
- Insb. bei langfristiger Einnahme
- Bei Vorerkrankungen der betreffenden Organe
- Hörvermögen: Ototoxizität
- ZNS-Störungen: Bspw. Schwindel, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Verwirrtheit, Vigilanzminderung
Allergische Reaktionen können einen anaphylaktischen Schock auslösen! Bei Auffälligkeiten wie starken, akuten Rötungen, Dyspnoe oder Hitzegefühl im Rachen ist sofort ärztliches Personal zu informieren!
Bei heftigen und blutigen Durchfällen (mögliche Symptome einer Clostridioides-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD)) sollte umgehend das ärztliche Personal informiert werden. Betroffene Patient:innen sind außerdem zu isolieren!
Nach Auftreten einer allergischen Reaktion muss diese in der Patientenakte hinterlegt werden, um eine erneute Gabe des Antibiotikums zu vermeiden!
Pflegerische Durchführung der antibiotischen Therapie
- Zuständigkeiten
- I.d.R. eine an das Pflegefachpersonal delegierbare ärztliche Tätigkeit
- Ggf. nach hausinternen Standards: Erstgabe durch ärztliches Personal (insb. bei i.v. Applikation)
- Einnahme-/Verabreichungszeitpunkt
- Präparate in regelmäßigen Abständen und zu vorgegebenen Zeiten verabreichen, keine Gabe ausfallen lassen
- So kurz wie möglich und so lange wie nötig
- Lagerungs- und Applikationshinweise beachten: Bspw. Lichtempfindlichkeit
- Bei oraler Gabe
- Einnahme mit ausreichend Wasser
- Ggf. verringerte Aufnahme des Wirkstoffs bei Diarrhö und Erbrechen, keine zusätzlichen/erneuten Gaben (außer nach ausdrücklicher ärztlicher Anordnung!)
- Ggf. nach ärztlicher Rücksprache erneute Medikamenteneinnahme bei Erbrechen <1 h nach Einnahme
- Bei i.v. Gabe
- Zubereitungsvorschriften beachten
- Richtiges Lösungsmittel , nicht >1 h vor Gabe zubereiten (Herstellerhinweise beachten!)
- Vor der Applikation insb. auf Trübungen, (Ver‑)Färbungen, Schlieren sowie Partikel überprüfen und ggf. verwerfen!
- Periphere Verweilkanüle kontrollieren: Infusionen können die Gefäßwände reizen und lokale Entzündungszeichen hervorrufen
- Applikationszeitraum beachten: I.d.R. sollte die Infusion mind. über 30–60 min infundiert werden, Herstellerhinweise beachten!
- Zubereitungsvorschriften beachten
- Wechselwirkungen
- Hormonelle Kontrazeptiva
- Antikoagulanzien
- Nahrungsmittel, siehe auch: Ernährung und Körperpflege bei Antibiotikatherapie
Patient:innen sollten auf die korrekte Einnahme hingewiesen werden! Ein früheres Absetzen bzw. eine unregelmäßige Einnahme erhöhen die Gefahr für Antibiotikaresistenzen.
Hygiene
- Anrichtenund Verabreichen von Antibiotika: Zum Eigenschutz
- Einmalhandschuhe
- Hygienevorschriften einhalten, insb. die Händedesinfektion
- Bei V.a. oder Nachweis isolationspflichtiger Erreger: Isolation zur Prävention einer Ausbreitung
- Bei Clostridioides-difficile-assoziierter Diarrhö CDAD): Sofortige Einzelisolation!
- Schutzausrüstung für (medizinisches) Personal: Langärmliger Schutzkittel, Einmalhandschuhe
- Nach der abschließenden Händedesinfektion müssen zusätzlich die Hände gewaschen werden
- Aufrechterhaltung der Isolation bis mind. 48 h nach Abklingen der Durchfallsymptomatik und drei negativen Stuhlproben
- Bei Clostridioides-difficile-assoziierter Diarrhö CDAD): Sofortige Einzelisolation!
Aufgrund der Gefahr einer Reinfektion darf bei Clostridioides-difficile-assoziierten Diarrhö keine Kohortenisolierung stattfinden!
Nach dem Kontakt mit Patient:innen mit einer Clostridioides-difficile-assoziierten Diarrhö sollten die Hände nach der Desinfektion zusätzlich gewaschen werden!
Ernährung und Körperpflege bei Antibiotikatherapie
- Ernährung
- Alkoholkarenz
- Reduzierung von Milchprodukten
- Strikter Verzicht nicht empfohlen: Probiotische Lebensmittel fördern Darmgesundheit und Darmflora
- Reduzierung von Nahrungsergänzungsmitteln
- Koffeinhaltige Getränke können in Kombination mit Antibiotika zu Tachykardien, Schlafproblemen und Unruhe führen
- Körperpflege
- Hautpflege
- Bei Pilzinfektionen im Intimbereich
- Antimykotische Salbe oder Zäpfchen nach ärztlicher Anordnung
- Sitzbäder mit Kamille
- Reinigung mit klarem Wasser oder dafür vorgesehenen Seifen
- Bei Durchfällen siehe auch: AMBOSS-Pflegewissen: Diarrhö
- Bei Pilzinfektionen im Mundbereich siehe auch: Mundpflege bei beeinträchtigter Mundgesundheit
- Bewegung: So wenig wie möglich, bedingt durch die bestehende Infektion
Nach der Einnahme bestimmter Antibiotika, bspw. Doxycyclin oder Ciprofloxacin, sollten für mind. 2 h keine Milchprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel konsumiert werden!
Studientelegramme zum Thema
- HOMe Studientelegramme Innere Medizin
- Studientelegramm 248-2023-3/3: Pandemisch grüßt das Murmeltier: Lieferengpass von Cotrimoxazol
- DGIM-Studientelegramm 1-2020-2/5: Indikation zur Antibiotika-Verordnung bei niedergelassenen Ärzten: häufig unangemessen oder nicht dokumentiert
- Studientelegramm 105-2019-1/3: Lefamulin zur Behandlung der ambulant erworbenen Pneumonie
- Studientelegramm 69-2019-3/3: ACC Rückblick III: Langzeitergebnisse der POET-Studie
- Studientelegramm 63-2019-1/3: Game Changer #1? Orale Antibiotikatherapie bei Endokarditis
- Studientelegramm 25-2018-3/3: Nitrofurantoin oder Fosfomycin für unkomplizierte Harnwegsinfekte?
- One-Minute Telegram (aus unserer englischsprachigen Redaktion)
- One-Minute Telegram 112-2024-3/3: Pick midlines over PICC for OPAT
- One-Minute Telegram 97-2024-2/3: Underutilization of appropriate but high-cost antibiotics
- One-Minute Telegram 80-2023-3/3: The oral PEN is as mighty as the needle
- One-Minute Telegram 61-2022-3/3: Fluoroquinolones are not associated with increased suicidality
Hast du Interesse an regelmäßigen Updates zu aktuellen Studien aus dem Bereich der Inneren Medizin? Dann abonniere das Studientelegramm! Den Link zur Anmeldung sowie zu weiteren spannenden AMBOSS-Formaten findest du am Seitenende unter „Tipps & Links“.
AMBOSS-Podcast zum Thema
Herausforderung Antibiotikaresistenzen (April 2020)
Neue Antibiotika: Das Arsenal der Zukunft (September 2022)
Delabeling: Vermeintliche Penicillinallergien aufdecken (Oktober 2024)
Interesse an noch mehr Medizinwissen zum Hören? Abonniere jetzt den AMBOSS-Podcast über deinen Podcast-Anbieter oder den Link am Seitenende unter „Tipps & Links“.
Meditricks
In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.
Makrolide (Video frei verfügbar)
Carbapeneme und Monobactame
Cephalosporine
Daptomycin
β-Lactam-Antibiotika
Schmalspektrum-Penicilline
Breitspektrum-Penicilline
Fluorchinolone
Aminoglykoside
Glykopeptide
Tetracycline
Tigecyclin
Clindamycin
Metronidazol
Cotrimoxazol
Fosfomycin
Linezolid
Rifampicin
Nitrofurantoin
Chloramphenicol
Fusidinsäure
Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).
SOP (Standard Operating Procedure)
In den Ergänzungen dieser Sektion können individuelle SOPs eingefügt werden. Diese Sektion ist über die AMBOSS-Suchfunktion mittels des Begriffs „SOP Antibiotika“ unmittelbar auffind- und ansteuerbar.