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COVID-19 im Kindes- und Jugendalter

Letzte Aktualisierung: 2.11.2022

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COVID-19 (Coronavirus Disease 19) wird durch eine Infektion mit SARS-CoV-2 verursacht, das erstmalig im Januar 2020 in China nachgewiesen wurde und sich anschließend weltweit ausbreitete (COVID-19-Pandemie).

Die Übertragung des Virus erfolgt insb. über Aerosole und Tröpfchen und kann nach einer Infektion zu einer Erkrankung (COVID-19) führen. Diese geht oft mit Symptomen eines oberen Luftwegsinfektes (Husten, Rhinitis, Halsschmerzen, Fieber), Müdigkeit, Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall einher. Im Vergleich zu Erwachsenen verläuft COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen meist mild. Schwere akute Verläufe oder postinfektiöse Komplikationen - bspw. Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) oder Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter - sind selten.

Therapeutisch steht bei mildem oder moderatem Verlauf die symptomatische Behandlung im Vordergrund. Bei schwerer Erkrankung oder beim Vorliegen von Risikofaktoren kommen antiinflammatorische, antivirale und immunmodulatorische Therapiemöglichkeiten infrage. Zur Prävention der Erkrankung steht neben allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen und Impfungen auch eine Prä- und Postexpositionsprophylaxe zur Verfügung.

Die Prognose von COVID-19 im Kindes- und Jugendalter ist gut. Strikte Kontaktbeschränkungen und die Schließung von Betreuungs-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen (Lockdown) haben jedoch zu einer Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten, psychosomatischen Symptomen und psychischen Erkrankungen geführt.

Für ergänzende Informationen siehe:

  • Inzidenz [1]
    • Zu Beginn der Pandemie geringer, im Verlauf deutlich höher als bei Erwachsenen
    • Abhängig vom Alter: Höchste Inzidenz in der Altersgruppe 5–11 Jahre
    • Unterliegt großen Veränderungen
      • Deutschland: Aktuelle Informationen zur Inzidenz stellt das RKI nach Meldung der Infektionen (IfSG) bereit, siehe: Tipps & Links [2][3][4][5]
      • Weltweit: Aktuelle Informationen zur Inzidenz stellen die WHO und die Johns Hopkins University bereit, siehe: Tipps & Links [6][7]
  • Geschlechterverteilung [8]
  • Krankheitsschwere [1]
  • Siehe auch: COVID-19 - Epidemiologie

COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen ist sehr häufig!

Schwere Verläufe mit Hospitalisierung treten selten und überwiegend bei Kindern ≤1 Jahr und/oder mit Vorerkrankungen auf!

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Das klinische Bild von COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen ähnelt dem bei Erwachsenen. Siehe auch: COVID-19 - Symptome/Klinik

Allgemeines

  • Manifestationsindex: 55–85% [10]
  • Inkubationszeit: 4–6 Tage [10]
  • Verlauf: Meist kürzer und selbstlimitierender als bei Erwachsenen
  • Krankheitsschwere: Meist geringer als bei Erwachsenen

Nicht jede SARS-CoV-2-Infektion führt auch zu COVID-19!

Bei Kindern und Jugendlichen verläuft COVID-19 im Vergleich zu Erwachsenen meist milder und kürzer!

Klinisches Bild [9]

  • Fieber (40–64%)
  • Müdigkeit (bis 65%), Kopfschmerzen (4–60%), Myalgien (7–10%)
  • Husten (30–40%), Rhinitis (11–63%), Halsschmerzen (7–10%), Pseudokrupp (selten) [11]
  • Störung des Geruchs- und Geschmackssinns (4–60%)
  • Erbrechen (4–20%), Durchfall (3–20%)
  • Myokarditis (selten) [12]
  • COVID-Zehen und/oder -Finger [13][14][15]
    • Erythematöse bis livide Makulae, Papeln oder Plaques (ähnlich Perniones oder Chilblain-Lupus)
    • Teils sekundärer Übergang in vesikuläre oder bullöse Läsionen
    • Oft schmerzhaft/juckend und geschwollen
    • I.d.R. spontane Rückbildung innerhalb von 1–8 Wochen
    • Kausaler Zusammenhang umstritten

Das klinische Bild einer SARS-CoV-2-Infektion ist abhängig von der Virusvariante! [9][16][17]

Schweregrade [9]

COVID-19-Schweregrade im Kindes- und Jugendalter
Schweregrad Symptome/Kriterien
Mild
Moderat
  • Pneumonie ohne Sauerstoffbedarf
  • Zusätzlich zu den Kriterien der milden Erkrankung
Schwer
Kritisch
Hyperinflammatorisch

Diagnostik bei V.a. COVID-19 [18][19]

  • Indikation (mind. ein Testkriterium)
    • Schwere respiratorische Symptome (z.B. Atemnot, akute Bronchitis oder Pneumonie)
    • Akute Störung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns
    • Enger Kontakt mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion und Symptome
    • Klinische Verschlechterung einer bestehenden respiratorischen Symptomatik
    • Akute respiratorische Symptome jeder Schwere, insb. bei
      • Personen, die einer Risikogruppe angehören
      • Tätigkeit in Pflege, Arztpraxis oder Krankenhaus
      • Zurückliegendem oder zukünftigem Kontakt zu vielen Personen (insb. zu Personen mit Risikofaktoren)
      • Kontakt im Haushalt oder zu einem Cluster von Personen mit respiratorischen Symptomen ungeklärter Ursache und eine erhöhte 7-Tage-Inzidenz (>35/100.000) von COVID-19 im Land-/Stadtkreis
  • Direkter Erregernachweis
  • Zu beachten: Korrektes Anlegen/Ablegen der persönlichen Schutzausrüstung

Das Robert Koch-Institut veröffentlicht regelmäßig ein aktualisiertes Flussdiagramm zu Maßnahmen und Testkriterien bei V.a. COVID-19 (siehe: Tipps & Links)!

Diagnostik bei stationärer Aufnahme [9][20]

Erregernachweis

  • Direkter Erregernachweis: RT-PCR auf SARS-CoV-2 aus tiefem Nasenrachenabstrich oder BAL (bei stabilen beatmeten Patient:innen:)
  • Indirekter Erregernachweis: Bestimmung spezifischer Antikörper im Blutserum
  • Ausschluss anderer Differenzialdiagnosen
    • Blutkulturdiagnostik
    • Ggf. Multiplex-PCR auf respiratorische Erreger

Labordiagnostik

Bei deutlich erhöhten Entzündungswerten sollte an eine bakterielle (Ko‑)Infektion und/oder ein Hyperinflammationssyndrom gedacht werden!

Apparative Diagnostik

Ergänzende Informationen

Die Empfehlungen zur COVID-19-Therapie bei Kindern und Jugendlichen beruhen auf Studien zur Therapie von erwachsenen Patient:innen (siehe: COVID-19 - Therapie schwerer Verläufe). Eine ausreichende Evidenz für die Wirksamkeit bei Kindern liegt für keines der bislang verwendeten Medikamente vor. Insb. der Einsatz antiviral oder immunmodulatorisch wirkender Arzneimittel erfolgt i.d.R. als Off-Label Use für Hochrisikopatient:innen .

Übersicht

COVID-19-Therapie im Kindes- und Jugendalter
Schweregrad Symptomatische Therapie Antiinflammatorische Therapie Antivirale Therapie
Virostatika Neutralisierende monoklonale Antikörper
Mild (—) (—)
Moderat (—) (—)
Schwer (—)

Kritisch
(ARDS/SIRS)

Hyperinflammatorisch
(PIMS)

Alle Kinder und Jugendlichen mit COVID-19 sollten symptomatisch behandelt werden!

Die Indikation für eine zusätzliche antiinflammatorische und/oder antivirale Therapie ist im Einzelfall zu prüfen! Im Zweifel stehen der STAKOB und die DGPI für eine individuelle Falldiskussion und Therapieberatung zur Verfügung (siehe: Tipps & Links).

Symptomatische Therapie

Antiinflammatorische Therapie

Systemische Glucocorticosteroide

Die Gabe systemischer Glucocorticosteroide ist nur bei schwerem Krankheitsverlauf mit erhöhtem Sauerstoffbedarf indiziert!

Antibiotische Therapie

Bakterielle Superinfektionen sind selten – eine prophylaktische Antibiotikagabe ist daher nicht empfohlen! [23]

Antikoagulation

  • Häufigkeit thromboembolischer Komplikationen bei Kindern und Jugendlichen: Ca. 1–2%
  • Prophylaktische Dosierung [9]
    • Sinnvoll bei Jugendlichen >12 Jahre mit schwerem Verlauf
    • Ggf. bei hyperinflammatorischem Verlauf (siehe: PIMS - Therapie)
  • Therapeutische Dosierung [9]
    • Einzelfallentscheidung je nach Alter, Schweregrad und vorbestehenden Risikofaktoren
    • Ggf. bei hyperinflammatorischem Verlauf (siehe: PIMS - Therapie)
  • Stets Rücksprache mit pädiatrisch erfahrenen Intensivmediziner:innen oder Hämostaseolog:innen

Eine Antikoagulation in prophylaktischer Dosierung ist bei allen Jugendlichen >12 Jahre mit schwerem COVID-19-Verlauf sinnvoll!

Virostatika

  • Remdesivir (Veklury®)
    • Wirkmechanismus: Inhibition der viralen RNA-Polymerase
    • Beginn: In der frühen Phase der viralen Replikation (≤7 Tage nach Symptombeginn)
    • Bedingte Zulassung: Für Jugendliche ≥12 Jahre und ≥40 kg mit
    • Indikation
      • Schwerer Verlauf
      • Hochrisikopatient:innen mit mildem oder moderatem Verlauf
    • Kontraindikation und Indikation zur Therapiepause/-abbruch
      • ALT ≥5× normale Obergrenze
      • Anstieg der ALT mit Zeichen einer Hepatitis oder Anstieg von INR, Bilirubin oder AP
      • GFR <30 mL/min
      • Klinisch relevante Hypersensitivitätsreaktion
    • Dosierung
      • <12 Jahre bzw. <40 kg [9]
      • ≥12 Jahre bzw. ≥40 kg [9]
    • Vorsichtsmaßnahmen/Monitoring
      • Effektive Empfängnisverhütung bei Mädchen / jungen Frauen im gebärfähigen Alter
      • Tägliche Kontrolle der Leber- und Nierenfunktionsparameter
      • Kontinuierliche EKG-Überwachung
      • Keine gleichzeitige Anwendung von starken P-Glykoprotein-Induktoren (z.B. Rifampicin)
  • Keine Empfehlung für

Neutralisierende monoklonale Antikörper (nMAK)

  • Wirkmechanismus: Bindung an das Spike-Protein → Verhinderung des Viruseintritts in die Wirtszelle [23]
  • Beginn: In der frühen Phase der viralen Replikation (≤5 Tage nach Symptombeginn)
  • Zulassung: Für Jugendliche ≥12 Jahre und ≥40 kg mit Hochrisikofaktoren und akuter Erkrankung ohne Sauerstoffsupplementation
  • Indikation
  • Medikamente

Antiviral wirksame Medikamente sollten nur in der frühen Phase der Virusreplikation (≤5–7 Tage nach Symptombeginn) verabreicht werden!

Neutralisierende monoklonale Antikörper zur COVID-19-Therapie haben eine unterschiedliche Wirksamkeit gegen verschiedene Virusvarianten - die Auswahl der Antikörper sollte sich daher an den zirkulierenden Varianten orientieren!

  • Interleukin-6-Rezeptor-Antagonist: Tocilizumab (RoActemra®) [9]
    • Indikation: Einzelfallentscheidung bei kritisch kranken Patient:innen mit ausgeprägter pulmonaler Hyperinflammation und dynamischer Verschlechterung (Gabe innerhalb von 24 h nach primärer Intubation)
    • Kontraindikationen
    • Zu beachten
  • Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist: Anakinra (Kineret®) [9]
    • Indikation: Einzelfallentscheidung bei kritisch kranken Patient:innen
    • Kontraindikationen
    • Zu beachten
  • JAK-Inhibitor: Baricitinib (Olumiant®)
    • Indikation: Einzelfallentscheidung bei kritisch kranken Patient:innen mit hohem Sauerstoffbedarf, nicht-invasiver oder invasiver Beatmung
    • Zu beachten

Neben den seltenen schweren Verläufen der Akutinfektion mit respiratorischem Versagen und ARDS (insb. bei Risikogruppen, siehe: Pädiatrische COVID-19-Risikogruppen) kann es auch zu postinfektiösen Komplikationen wie dem Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) oder dem Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter kommen.

Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS)

Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS)

Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter [12][26][27][28]

Das Long-COVID-Syndrom ist ein heterogenes Krankheitsbild, das nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 auftreten kann und aufgrund der unspezifischen Symptomatik oft nur schwer von direkten Organschäden (bspw. Myokarditis) und indirekten negativen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, wie bspw. den Folgen von Lockdown-Maßnahmen für Kinder und Jugendliche, abgrenzbar ist.

Diagnosekriterien des Long-COVID-Syndroms im Kindes- und Jugendalter [12][28]

  • Nachweis einer (vorangegangenen) SARS-CoV-2-Infektion
    • Positiver Nachweis von SARS-CoV-2 in der RT-PCR und/oder
    • Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person und positiver Nachweis spezifischer Antikörper
  • ≥2 typische Symptome, die
    • Vor der SARS-CoV-2-Infektion noch nicht vorlagen
    • >4 Wochen nach einer SARS-CoV-2-Infektion persistieren, neu oder erneut auftreten
    • Zu einer Beeinträchtigung des Alltags führen
    • Nicht durch eine andere Ursache erklärt werden können

Einteilung

Epidemiologie [12][27][29]

Pathogenese [12][27]

Symptome [12][28]

Mögliche Symptome bei Long-COVID-Syndrom im Kindes und Jugendalter
Respiratorisch
Kardial
Muskuloskelettal
Dermatologisch
Neurologisch
  • Entwicklungsstörungen
  • Kognitive Einschränkungen
  • Schwindel
  • Bewegungsstörungen
Psychiatrisch
Erschöpfungsbeschwerden
Weitere

Vorgehen bei V.a. Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter [12][27]

  1. Anamnese erheben
    • Führende drei Beschwerden?
    • Symptomdauer?
    • Zurückliegende SARS-CoV-2-Infektion?
    • Krankenhausaufenthalte im Rahmen von COVID-19 oder PIMS?
    • Symptomverschlechterung nach milden Alltagsbelastungen?
    • Fehltage in der Betreuungseinrichtung bzw. der Eltern am Arbeitsplatz?
    • Vorerkrankungen?
  2. Körperliche Untersuchung durchführen
  3. Diagnosekriterien prüfen: Siehe: Diagnosekriterien des Long-COVID-Syndroms im Kindes- und Jugendalter
    • Kriterien nicht erfüllt
      • Symptomtagebuch
      • Klinische Verlaufskontrolle
      • CAVE: Differenzialdiagnosen bedenken
    • Kriterien erfüllt → Siehe 4.
  4. Dringlichkeit weiterer Maßnahmen einschätzen
    • Hohe Dringlichkeit: Sehr starke Beeinträchtigung der Alltagsfunktionen und/oder >10 Fehltage/Monat in einer Betreuungseinrichtung bzw. der Eltern am Arbeitsplatz
  5. Weitere Diagnostik und Therapie je nach Dringlichkeit durchführen
Basisdiagnostik bei Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter
Labordiagnostik Apparative Diagnostik
Erweiterte Diagnostik bei Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter .
Symptomatik Labordiagnostik Apparative Diagnostik
Alle

Kardiologisch
Pulmonal
Gastroenterologisch
Neurologisch/Erschöpfung
  • Neurologische Beschwerden
  • HNO-Beschwerden
  • Sehstörungen: Visusprüfung
  • Erschöpfungsbeschwerden: Standardisierte Fragebögen
  • Psychische Auffälligkeiten, Lernschwierigkeiten: Neuropsychologische Diagnostik, Monitoring
Rheumatologisch/Hautveränderungen

Ziel der Diagnostik von Long-COVID ist der Ausschluss anderer behandelbarer Differenzialdiagnosen!

Treten Palpitationen und Thoraxschmerzen in zeitlichem Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion auf, sollte eine Myokarditis ausgeschlossen werden!

Therapie [12][28]

Neben einer symptomatischen Therapie sollte eine psychosomatische Grundversorgung und psychosoziale Betreuung angeboten werden!

Bei schwerem Krankheitsverlauf mit stark beeinträchtigter Alltagsaktivität und -teilhabe sollte eine stationäre Therapie in Betracht gezogen werden!

Prognose [27]

  • Meist allmählicher Rückgang der Symptombelastung (insb. bei jüngeren Kindern innerhalb von 3 Monaten)

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Zur Prävention von COVID-19 im Kindes- und Jugendalter gibt es verschiedene effektive Maßnahmen. Allgemeine Infektionsschutzmaßnahmen und Maßnahmen in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen sind dabei die Grundvoraussetzung für eine Reduktion der Transmission. Darüber hinaus stehen sichere und effektive Impfstoffe zur aktiven Immunisierung sowie monoklonale Antikörper zur Prä- und Postexpositionsprophylaxe von Patient:innen mit Risikofaktoren für einen sehr schweren Verlauf zur Verfügung.

Allgemeine Infektionsschutzmaßnahmen

Mund-Nasen-Schutz im Kindes- und Jugendalter [31][32][33][34][35][36]

  • Empfehlung
    • Kinder und Jugendliche ≥10 Jahre
    • Kinder zwischen 6 und 9 Jahren optional bzw. risikoadaptiert
  • Keine Empfehlung: Kinder <6 Jahre, Kinder mit schweren Atemproblemen oder schwerer psychomotorischer Retardierung, intellektueller Reifungsverzögerung oder Verhaltensauffälligkeit
  • Individuelle Entscheidung: Kinder mit chronischer Grunderkrankung
  • Voraussetzung
    • Keine geschlossenen Masken (z.B. Staubschutzmasken aus dem Baumarkt)
    • Anpassung an die Gesichtsgröße des Kindes
    • Fähigkeit, die Maske eigenständig zu entfernen
  • Atteste zur „Befreiung von der Maskenpflicht“
    • Pflicht zum Tragen einer Maske geht aus Rechtsverordnung des Landes hervor → Keine ärztliche Befugnis zur Befreiung von dieser Pflicht
    • In Einzelfällen ärztliches Attest möglich

Es gibt keine Hinweise darauf, dass es durch das korrekte Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu einer relevanten Reduktion der Sauerstoffsättigung oder Rückatmung von CO2 kommt!

Grundvoraussetzung für das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist die Fähigkeit, die Maske eigenständig entfernen zu können – Kinder unter 2 Jahren sowie schlafende oder bewusstlose Kinder dürfen keine Maske tragen!

Maßnahmen in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen

Allgemein

  • Möglichst konsequente Einhaltung der AHA+L-Regeln
    • Abstand: Kohortierung, Reduktion der Gruppengröße, Distanz-, Hybrid- oder Wechselunterricht
    • Hygiene: Regelmäßiges Waschen und Desinfizieren der Hände
    • Alltag mit Maske: Sachgerechtes Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes
    • Lüftung: Regelmäßiges Öffnen der Fenster , CO2-Sensoren/-Ampeln , ggf. ergänzender Einsatz mobiler Luftfilter
  • Meidung aerosolgenerierender Aktivitäten in Innenräumen (z.B. Singen, Spielen von Blasinstrumenten, Sport)
  • Bei COVID-19-Symptomen: Kein Besuch der Gemeinschaftseinrichtung bis 48 h nach Ende der Symptome
  • Quarantäne nach Kontakt zu bestätigtem COVID-19-Fall gemäß Bewertung des zuständigen Gesundheitsamtes

Systematische Testungen

  • PCR-Pool-Test (Lolli-PCR-Test)
    • Anwendung: Kitas und Grundschulen
    • Durchführung: Lutschen an einem Abstrichtupfer für ca. 30 s → Sammeln aller Abstrichtupfer einer Gruppe in einem gemeinsamen Röhrchen → Ein gemeinsamer PCR-Test
    • Auswertung: Positives Testergebnis = Mind. eine Person infiziert → Probeentnahme für Einzel-PCR-Tests (sog. Poolauflösung)
    • Vorteile: Angenehme Durchführbarkeit, hohe Akzeptanz, Einsparung von Ressourcen, zuverlässige und frühzeitige Ergebnisse
  • Antigen-Schnelltest (Selbsttest)
    • Anwendung: Weiterführende Schulen
    • Durchführung: Je nach Hersteller, i.d.R. als Nasenabstrich , Beaufsichtigung durch geschultes Personal
    • Auswertung: Positiver Befund → Bestätigungsdiagnostik
    • Vorteile: Einfache Anwendung, schnelles Ergebnis
    • Nachteile: Geringere Sensitivität und Spezifität [37], kurzzeitige Aussagekraft
  • Weitere diagnostische Möglichkeiten: Siehe Diagnostik bei COVID-19

Ziel der Infektionsschutzmaßnahmen in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen muss die Aufrechterhaltung eines regulären Betriebs sein!

Allgemeines

Alle Kinder ≥5 Jahre haben eine Indikation zur Impfung!

Impfschema

Die STIKO empfiehlt für Kinder und Jugendliche aktuell bevorzugt die Verwendung des Impfstoffs BioNTech-BNT162b2 in altersentsprechender Dosierung! Als Alternative kann im Alter von 6–11 Jahren Moderna-mRNA-1273 und im Alter von 12–17 Jahren zur Grundimmunisierung Novavax-NVX-CoV2373 verwendet werden!

Für Auffrischungsimpfungen für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren wird bevorzugt die Verwendung von Omikron-Adaptationen von BioNTech-BNT162b2 empfohlen

Altersgruppe Grundimmunisierung Auffrischungsimpfungen
1. Dosis 2. Dosis Abstand zur 1. Dosis 1. Auffrischung Abstand zur Grundimmunisierung 2. Auffrischung Abstand zur 1. Auffrischung
5–11 Jahre (✓)
  • 3–6 Wochen bzw.
  • 4–6 Wochen

(✓)

  • Risikopatient:innen : ≥6 Monate
  • Hochrisikopatient:innen : ≥3 Monate
(✓)
  • Risikopatient:innen : ≥6 Monate
  • Hochrisikopatient:innen : ≥3 Monate
12–17 Jahre
  • 3–6 Wochen bzw.
  • ≥3 Wochen
  • Gesunde und Risikopatient:innen : ≥6 Monate
  • Hochrisikopatient:innen : ≥3 Monate
(✓)
  • Risikopatient:innen und Jugendliche mit Tätigkeit in medizinischer Einrichtung: ≥6 Monate
  • Hochrisikopatient:innen : ≥3 Monate

Impfung nach durchgemachter Infektion

Sowohl zur Prä- als auch zur Postexpositionsprophylaxe werden neutralisierende monoklonale Antikörper gegen SARS-CoV-2 verwendet.

Präexpositionsprophylaxe (PrEP) [38][41][42]

Die Präexpositionsprophylaxe ist kein Ersatz für die Impfung!

In Gebieten mit einer Dominanz der Omikron-Variante sollte Tixagevimab/Cilgavimab zur Präexpositionsprophylaxe eingesetzt werden!

Postexpositionsprophylaxe (PEP) [42][43]

  • Indikation: Alle Punkte müssen erfüllt sein
  • Präparat: Casirivimab/Imdevimab (Ronapreve®) [41][42]
  • Durchführung
    • Überwachung für 30–60 min
    • Möglichkeit zur Behandlung einer Hypersensitivitätsreaktion oder Anaphylaxie muss gegeben sein

Casirivimab/Imdevimab ist nicht gegen Omikron-Varianten wirksam!

Die Folgen der Kontaktbeschränkungen und Schließungen von Betreuungs-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen (Lockdown) im Zuge der COVID-19-Pandemie können durch den Begriff Long-Lockdown-Syndrom zusammengefasst werden. Sie sind oft nur schwer von Symptomen des Long-COVID-Syndroms im Kindes- und Jugendalter abgrenzbar.

  • Zunahme psychischer Belastung
    • Eingeschränkte Lebensqualität .
    • Erhöhtes Risiko für
  • Verändertes Gesundheitsverhalten
    • Zunahme von Medienkonsum
    • Abnahme sportlicher Aktivität
    • Ungesunde Ernährung
    • Reduzierte Inanspruchnahme der gesundheitlichen Versorgung → Zunahme schwerwiegender Krankheitsverläufe (z.B. schwere Ketoazidose bei Diabetes mellitus)
  • Überforderung familiärer Ressourcen
    • Familiäre Konflikte
    • Schulische Probleme
    • Kindeswohlgefährdung
  • Risikofaktoren
    • Migrationshintergrund
    • Soziale Benachteiligung
    • Psychiatrische Erkrankung
    • Schwere chronische Erkrankung oder Behinderung
    • Opfer häuslicher Gewalt

Der Besuch von Betreuungs-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen trägt maßgeblich zur persönlichen Entwicklung, sozialen Teilhabe und psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen bei!

Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien oder aus Familien mit Migrationshintergrund sind von negativen Folgen der Lockdown-Maßnahmen in besonderem Maße betroffen! Dies führt zu einer Zunahme der sozialen Ungerechtigkeit!

Pädiatrische COVID-19-Risikogruppen

Liegen bestimmte Risiko- bzw. Hochrisikofaktoren vor, steigt die Wahrscheinlichkeit für ein Impfversagen und/oder einen schweren Verlauf. Die Unterscheidung zwischen Risikopatient:innen und Hochrisikopatient:innen spielt insb. bei der Impfstrategie und beim Einsatz antiviral wirksamer Medikamente zur Prophylaxe und Therapie bei COVID-19 im Kindes- und Jugendalter eine wichtige Rolle.

Pädiatrische COVID-19-Risikogruppen
Risikopatient:innen [38] Hochrisikopatient:innen [9][38][42]
Beispiele
Handlungsempfehlung

Kinder- und Jugendliche mit bestimmten chronischen Grunderkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe!

Bei einer Störung des Immunsystems muss das Ausmaß der Immundefizienz mit daraus resultierenden prophylaktischen und/oder therapeutischen Maßnahmen stets individuell beurteilt werden!

Neugeborene SARS-CoV-2-positiver Mütter [46]

Neugeborene SARS-CoV-2-positiver Mütter sollten besondere Aufmerksamkeit erhalten, da je nach Infektionszeitpunkt der Schwangeren bzw. Mutter bestimmte Auswirkungen zu befürchten bzw. Maßnahmen zu beachten sind.

Die Letalität von COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen ist sehr gering – seltene Todesfälle treten überwiegend bei Kindern <1 Jahr und/oder Vorerkrankungen auf!

Long-COVID – was wissen wir? Antworten aus der Spezialambulanz (Mai 2021)

COVID-19-Impfstoffe – Experteninterview STIKO – Teil 1 (Dezember 2020)

COVID-19-Impfstoffe – Experteninterview STIKO – Teil 2 (Dezember 2020)

COVID-19 und Immunsuppressiva (April 2020)

Psychische Effekte von Quarantänemaßnahmen (April 2020)

Beatmung bei COVID-19 mit ARDS – Teil 1 (März 2020)

Ein besonderer Dank gilt den Kollegen des Campus für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (CIN e.V.) [48] für die Zusammenarbeit bei den Episoden zur Beatmung.

Beatmung bei COVID-19 mit ARDS – Teil 2 (März 2020)

Ein besonderer Dank gilt den Kollegen des Campus für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (CIN e.V.) [48] für die Zusammenarbeit bei den Episoden zur Beatmung.

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COVID-19: Kindern erklärt

COVID-19

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Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2022, DIMDI.

  1. Beschluss der STIKO zur 20. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung. Stand: 24. Mai 2022. Abgerufen am: 24. Mai 2022.
  2. DE - COVID-19-Fallzahlen Dashboard mit RKI-Daten. . Abgerufen am: 19. März 2020.
  3. COVID-19-Fälle nach Altersgruppe und Meldewoche. . Abgerufen am: 23. Februar 2022.
  4. Aktuelle Situationsberichte, Wochenberichte und COVID-19-Trends im Überblick. . Abgerufen am: 23. Februar 2022.
  5. Covid-19-Trends in Deutschland im Überblick. . Abgerufen am: 5. August 2022.
  6. Coronavirus (COVID-19) Dashboard. . Abgerufen am: 23. Februar 2022.
  7. COVID-19 Dashboard. . Abgerufen am: 25. Februar 2022.
  8. Zepp, Knuf: „Coronavirus disease 2019 (COVID‑19)“ im Kindes- und Jugendalter In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band: 169, Nummer: 11, 2021, doi: 10.1007/s00112-021-01326-2 . | Open in Read by QxMD p. 1010-1033.
  9. Stellungnahme zur Klinik, Diagnostik und Therapie von Kindern mit COVID-19 – Update Februar 2022. Stand: 14. Februar 2022. Abgerufen am: 3. März 2022.
  10. Epidemiologischer Steckbrief zu SARS-CoV-2 und COVID-19. . Abgerufen am: 23. Februar 2022.
  11. Croup during the COVID-19 Omicron Variant Surge. Stand: 4. Februar 2022. Abgerufen am: 21. März 2022.
  12. Töpfner et al.: Einheitliche Basisversorgung von Kindern und Jugendlichen mit Long COVID In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band: 170, Nummer: 6, 2022, doi: 10.1007/s00112-021-01408-1 . | Open in Read by QxMD p. 539-547.
  13. Koschitzky et al.: Pediatric COVID Toes and Fingers In: Clinics in Dermatology. 2021, doi: 10.1016/j.clindermatol.2020.12.016 . | Open in Read by QxMD .
  14. Colmenero et al.: SARS‐CoV‐2 endothelial infection causes COVID‐19 chilblains: histopathological, immunohistochemical and ultrastructural study of seven paediatric cases In: British Journal of Dermatology. Band: 183, Nummer: 4, 2020, doi: 10.1111/bjd.19327 . | Open in Read by QxMD p. 729-737.
  15. Kohl, Eifler: Fünfzehnjähriges Mädchen mit geschwollenen und geröteten Zehen In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band: 170, Nummer: 2, 2021, doi: 10.1007/s00112-021-01190-0 . | Open in Read by QxMD p. 105-109.
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