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Rheumatoide Arthritis

Letzte Aktualisierung: 5.8.2021

Abstracttoggle arrow icon

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung unklarer Genese mit sehr variablem, meist in Schüben voranschreitendem Verlauf. Sie zerstört in erster Linie die Gelenke, kann aber auch die inneren Organe betreffen. Die Diagnose basiert neben typischen Röntgenveränderungen der befallenen Gelenke und Blutuntersuchungen (z.B. Anti-CCP-Antikörper) vor allem auf dem klinischen Erscheinungsbild mit symmetrischer Schwellung und Schmerzen der kleinen Gelenke von Händen und Füßen. Eine frühzeitige medikamentöse Therapie mit einem Basistherapeutikum (z.B. MTX) ist entscheidend für einen günstigen Verlauf. Der Beginn einer rein symptomatischen Behandlung mit NSAR ist inzwischen obsolet.

  • Prävalenz: ca. 1% der Bevölkerung
    • Beginn der Erkrankung: Zumeist zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr
    • Zunehmende Prävalenz mit zunehmendem Alter
  • > (3:1)

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung unbekannter Genese: Vermutet wird eine Immunreaktion auf einen unbekannten Infekt bei genetischer Disposition

ACR/EULAR-Klassifikationskriterien der rheumatoiden Arthritis von 2010

  • Zielsetzung: Soll eine frühe Diagnosestellung und rechtzeitige Therapieeinleitung unterstützen
Klassifikation der rheumatoiden Arthritis (ACR/EULAR 2010)
Punkte Geschwollene oder schmerzhafte Gelenke Serologie Entzündungsparameter im Blut Symptomdauer
0 ≤1 (mittel)großes Gelenk RF + Anti-CCP-AK negativ CRP + BSG normal <6 Wochen
1 2–10 (mittel)große Gelenke CRP oder BSG ≥6 Wochen
2 1–3 kleine Gelenke RF oder Anti-CCP-AK
3 4–10 kleine Gelenke RF oder Anti-CCP-AK↑↑ (>3-fach über Norm)
5

>10 Gelenke, davon ≥1 kleines Gelenk

Bewertung
  • Rheumatoide Arthritis = ≥6 Punkte + gesicherte Synovitis in einem typischen Gelenk ohne erkennbare andere Ursache (z.B. Trauma, degenerative Gelenkveränderungen)
  • Beispielrechnung
    • 4–10 kleine Gelenke betroffen (3 Punkte)
      + RF niedrig positiv (2 Punkte)
      + CRP/BSG normal (0 Punkte)
      + Symptomdauer ≥6 Wochen (1 Punkt)
      = 6 Punkte

Fingerendgelenke sind i.d.R. nicht betroffen und die Erkrankung verläuft schubweise!

Patienten mit rheumatoider Arthritis haben ein etwa 3-fach erhöhtes Risiko, an Schlaganfall oder Herzinfarkt zu versterben!

Das kardiovaskuläre Risikoprofil von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen soll bestimmt und gegebenenfalls reduziert werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Rheumatologie)

ACR/EULAR-Klassifikationskriterien 2010

Körperliche Untersuchung

  • Gaenslen-Zeichen
  • Einsinken der Interossealräume am Handrücken durch Inaktivitätsatrophie der Musculi interossei

Klinische Chemie

Apparative Diagnostik

Das Fehlen röntgenologischer Veränderungen schließt eine rheumatoide Arthritis nicht aus!

  • Ausgangspunkt sind zunächst unspezifische entzündliche Infiltrate der Synovialis, die im Verlauf autoimmunen Charakter annehmen mit Hinweisen auf T-Zell-Aktivierung
  • Im weiteren Verlauf kommt es dann zu entzündlichem Gelenkerguss sowie zu Knorpel- und Knochendestruktion
  • Typischer histologischer Befund von Rheumaknoten: Zentrale fibrinoide Nekrosen mit Histiozyten und Epitheloidzellen als Randsaum

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Physikalisch

  • Im akuten Schub: Kälteanwendungen, bspw. Kryotherapie
  • Bewegungstherapie, Lagerung von Extremitäten in Funktionsstellung

Medikamentös

Akut

Langfristige Therapie mit Basistherapeutika: DMARD (Disease-Modifying Anti-Rheumatic Drugs)

  • Charakteristika
    • Wirkungseintritt erst nach einigen Wochen bis Monaten
    • Können durch Immunsuppression eine Remission erzielen
    • Kausaler Therapieansatz mit Aussicht auf Heilung existiert derzeit nicht
  • Wirkstoffe

Biologicals

Biologicals sind rekombinant hergestellte Arzneistoffe (z.B. monoklonale Antikörper). Sie können bei sehr schweren Verlaufsformen der rheumatoiden Arthritis eingesetzt werden, ersetzen aber nicht die Therapie mit den klassischen Basistherapeutika. Die Verabreichung der Medikamente bedarf einer kritischen Indikationsstellung.

Interventionell

Der frühe Beginn mit der Behandlung mit DMARD (Basistherapeutika) ist prognosebestimmend! "Hit hard and early!"

"Die Hände sind die Visitenkarte des Rheumatikers!"

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Zervikalarthritis

Die rheumatoide Arthritis betrifft i.d.R. nicht die BWS oder LWS, kann in seltenen Fällen aber als Erstmanifestation die Halswirbelsäule befallen („Zervikalarthritis“). Leitsymptom ist dann ein frühmorgendlicher Nackenschmerz in Ruhe. Neben dem Befall der Intervertebral und Unkovertebralgelenke ist auch die Manifestation am atlantodentalen Gelenk mit atlanto-axialer Instabilität möglich. Dies kann zu einem Querschnittssyndrom führen.

Felty-Syndrom

  • Definition: Das Felty-Syndrom ist eine schwere seropositive rheumatoide Arthritis, die mit Splenomegalie und Granulozytopenie einhergeht
  • Diagnostik
    • Labor
    • Knochenmarkpunktion
      • Indikation: Ausschluss systemischer hämatologischer Erkrankungen
      • Befund: Oft hyperzelluläres Knochenmark mit unreifen Zellen
  • Therapie

Adulter Morbus Still (adultes Still-Syndrom)

Weitere

  • Allgemeine Parameter, die mit einer schlechten Prognose assoziiert sind
    • Später Therapiebeginn
    • Beginn der Erkrankung nach dem 60. Lebensjahr
    • Geschlecht:
    • Rauchen
    • Soziale Faktoren (z.B. schlechte ökonomische Bedingungen, niedriges Bildungsniveau und weitere)
    • Frühzeitiger Übergang in eine erosive Verlaufsform mit entsprechenden Veränderungen der Gelenke
    • Zahlreiche betroffene Gelenke
  • Laborparameter, die bei Erhöhung mit einer schlechten Prognose assoziiert sind

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir Videos zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du in dem Kapitel Meditricks.

Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).

  • M05.-: Seropositive chronische Polyarthritis
    • Exklusive: Chronische Polyarthritis der Wirbelsäule (M45.0‑), Juvenile chronische Polyarthritis (M08.‑), Rheumatisches Fieber (I00)
    • M05.0-: Felty-Syndrom [0-9]
      • Chronische Polyarthritis mit Lymphosplenomegalie und Leukopenie
    • M05.1-†: Lungenmanifestation der seropositiven chronischen Polyarthritis (J99.0*) [0-9]
    • M05.2-: Vaskulitis bei seropositiver chronischer Polyarthritis [0-9]
    • M05.3-†: Seropositive chronische Polyarthritis mit Beteiligung sonstiger Organe und Organsysteme [0-9]
    • M05.8-: Sonstige seropositive chronische Polyarthritis [0-9]
    • M05.9-: Seropositive chronische Polyarthritis, nicht näher bezeichnet [0-9]
  • M06.-: Sonstige chronische Polyarthritis
    • M06.0-: Seronegative chronische Polyarthritis [0-9]
    • M06.1-: Adulte Form der Still-Krankheit [0-9]
      • Exklusive: Still-Krankheit o.n.A. (M08.2‑)
    • M06.2-: Bursitis bei chronischer Polyarthritis [0-9]
    • M06.3-: Rheumaknoten [0-9]
    • M06.4-: Entzündliche Polyarthropathie [0-9]
      • Exklusive: Polyarthritis o.n.A. (M13.0)
    • M06.8-: Sonstige näher bezeichnete chronische Polyarthritis [0-9]
    • M06.9-: Chronische Polyarthritis, nicht näher bezeichnet [0-9]
  • M13.-: Sonstige Arthritis
    • Exklusive: Arthrose (M15-M19)
    • M13.0:Polyarthritis, nicht näher bezeichnet
    • M13.1-: Monarthritis, anderenorts nicht klassifiziert [1-9]
    • M13.8-: Sonstige näher bezeichnete Arthritis [0-9]
      • Allergische Arthritis
    • M13.9-: Arthritis, nicht näher bezeichnet [0-9]
      • Entzündliche Arthropathie o.n.A.

Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Henniger, Rehart: Vorgehen bei Gelenkerguss In: Der Orthopäde. Band: 45, Nummer: 9, 2016, doi: 10.1007/s00132-016-3308-z . | Open in Read by QxMD p. 795-806.
  2. Dunky et al.: Praktische Rheumatologie. 5. Auflage. Auflage Springer 2011, ISBN: 978-3-211-88982-4 .
  3. Santiago et al.: Severe Jaccoud’s arthropathy in systemic lupus erythematosus In: Rheumatology International. Band: 35, Nummer: 10, 2015, doi: 10.1007/s00296-015-3351-9 . | Open in Read by QxMD p. 1773-1777.
  4. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  5. Dietel et al.: Harrisons Innere Medizin (2 Bände). 16. Auflage ABW Wissenschaftsverlagsgesellschaft 2005, ISBN: 978-3-936-07229-7 .
  6. Flasnoecker (Hrsg.): TIM, Thieme's Innere Medizin. 1. Auflage Thieme 1999, ISBN: 978-3-131-12361-9 .
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  8. Hettenkofer et al.: Rheumatologie: Diagnostik-Klinik-Therapie. 6. Auflage Thieme 2014, ISBN: 978-3-136-57806-3 .
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  10. Manger, Schulze-Koops: Checkliste Rheumatologie. 4. Auflage Thieme 2012, ISBN: 978-3-131-51684-8 .
  11. S3-Leitlinie Frühe rheumatoide Arthritis, Management. Stand: 31. August 2011. Abgerufen am: 9. Oktober 2017.