Zusammenfassung
Wirbelsäulenverletzungen umfassen sowohl Frakturen als auch ligamentäre Verletzungen der Wirbelsäule. Sie sind häufig traumatisch bedingt, können bei reduzierter Knochenqualität (insb. bei Osteoporose) jedoch auch spontan bzw. nach Bagatelltrauma auftreten. In den meisten Fällen besteht die Symptomatik primär in Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, aufgrund der Nähe zum Rückenmark und den Nervenwurzeln kann es jedoch auch zu sensiblen bzw. motorischen Defiziten bis hin zum kompletten Querschnittssyndrom kommen.
Zentrales Kriterium bei der Beurteilung und Klassifikation von Wirbelsäulenverletzungen ist die Stabilität der Verletzung. Pathomorphologische Grundlagen sind in diesem Zusammenhang das 3-Säulen-Modell nach Denis sowie das Modell nach Magerl. Stabile Wirbelsäulenverletzungen werden meist konservativ mit einem multimodalen Therapieansatz aus zeitnaher Physiotherapie und adäquater Schmerztherapie behandelt. Für instabile Frakturen und/oder Verletzungen mit neurologischer Symptomatik wird i.d.R. ein offenes operatives Vorgehen gewählt.
Osteoporotische Wirbelkörperfrakturen werden gesondert klassifiziert und bei atraumatischer Genese meist konservativ behandelt. Bei ausgeprägter Destruktion des Wirbelkörpers und/oder persistierenden Beschwerden ist jedoch eine operative Therapie indiziert, die typischerweise in einer minimalinvasiven Kyphoplastie besteht.
Epidemiologie
- Häufigkeit: 12,6% aller Frakturen [1]
- Inzidenz: Ca. 130/100.000 gemeldete Personen/Jahr [1][2][3]
- Geschlechterverhältnis: Alters- und lokalisationsabhängig
- Altersverteilung: Ältere Personen deutlich häufiger betroffen
- Typische Lokalisation: Thorakolumbaler Übergang (Th11–L2) [5][6]
Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.
Ätiologie
Ätiologie [6][7]
- Traumatische Wirbelsäulenverletzung: Nach adäquater direkter oder indirekter Krafteinwirkung auf die Wirbelsäule
- Sturz (insb. aus größerer Höhe)
- Verkehrsunfall
- Arbeits- oder Sportunfall
- Atraumatische Wirbelsäulenverletzung: Spontan oder nach Bagatelltrauma
- Osteoporose (Insuffizienzfraktur bei reduzierter Knochenqualität)
- Tumorerkrankung (pathologische Fraktur, insb. bei malignen Knochentumoren und Knochenmetastasen)
Die Osteoporose kann sowohl Ursache als auch Risikofaktor einer Wirbelsäulenverletzung sein!
Risikofaktoren [2][8][9]
- Hauptrisikofaktor: Reduzierte Knochenqualität
- Osteoporose [3]
- Störungen der Knochenhomöostase und -regeneration
- Störungen der Kollagensynthese
- Weitere Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Physische Gebrechlichkeit („Physical Phenotype of Frailty“) [10][11]
- Fraktur (insb. Wirbelkörperfraktur) in der Vergangenheit [12]
- Weibliches Geschlecht und menopausaler Status
- Alkoholkonsum und alkoholische Leberzirrhose
- Axiale Spondylarthritis und Morbus Forestier [13]
- Niedriger BMI [14]
Klassifikation
- Beurteilung und Klassifikation von Wirbelsäulenverletzungen
- Zentrales Kriterium: Stabilität der Verletzung?
- Problem: Beurteilung häufig nicht eindeutig möglich
- „Stabilität“ nicht einheitlich definiert
- Fließender Übergang von „stabil“ zu „instabil“
- Wichtigste Einflussfaktoren auf die Stabilität
- Individuelle Knochenqualität
- Grad der mechanischen Belastung
- Vorliegen von Vorschädigungen
- Pathomorphologische Grundlagen zur Beurteilung der Stabilität
- 3-Säulen-Modell nach Denis [15]
- Vergleichsweise einfach, jedoch keine Berücksichtigung von Verletzungsmechanismus, Grad der Zerstörung und neurologischem Status
- Unterteilung der Wirbelsäule in 3 Abschnitte („Säulen“)
- Modell nach Magerl [16]
- Vergleichsweise komplex, jedoch prognostisch akkurater als das 3-Säulen-Modell von Denis
- Unterteilung der Verletzungen nach Unfallmechanismus
- Kompressionsverletzung (vertikale Krafteinwirkung)
- Distraktionsverletzung (vertikale Krafteinwirkung)
- Translations- bzw. Rotationsverletzung (vertikale und horizontale Krafteinwirkung)
- Grundlage der AO-Klassifikation für Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule
- 3-Säulen-Modell nach Denis [15]
Die Stabilität spielt bei der Beurteilung und Einteilung von Wirbelsäulenverletzungen eine zentrale Rolle – der Übergang von „stabil“ zu „instabil“ ist jedoch fließend und eine eindeutige Einteilung anhand der radiologischen Bildgebung nicht immer möglich!
Halswirbelsäule
Verletzungen des okzipitozervikalen Übergangs
Okzipitalkondylenfraktur
Klassifikation der Okzipitalkondylenfraktur nach Anderson und Montesano (1988) [17] | ||
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Typ | Morphologische Beschreibung | Stabilität |
I |
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|
II |
|
|
III |
|
|
Atlantookzipitale Dislokation
Klassifikation der atlantookzipitalen Dislokation nach Traynelis (1986) [18][19] | |
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Luxationsrichtung des Condylus occipitalis (in Bezug auf den Atlas) | |
I |
|
II |
|
III |
|
Atlasfraktur (C1)
Klassifikation der Atlasfraktur nach Gehweiler (1980) [19][20] | ||
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Typ | Morphologische Beschreibung | Stabilität |
I |
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|
II |
| |
III |
|
|
IV |
|
|
V |
|
|
Axisfraktur (C2)
Basisfraktur des Axis (Hangman's Fracture)
Klassifikation der Basisfraktur des Axis nach Levine/Edwards (1985) [21] | ||
---|---|---|
Typ | Morphologische Beschreibung | Stabilität |
I |
|
|
II |
|
|
IIA |
|
|
III |
|
|
Densfraktur
Klassifikation der Densfraktur nach Anderson und D'Alonzo (1974) [19] | ||
---|---|---|
Typ | Morphologische Beschreibung | Stabilität |
I |
|
|
II |
|
|
III |
|
Verletzungen der subaxialen Halswirbelsäule (C3–C7)
AO-Klassifikation der subaxialen Halswirbelsäule [22] | |
---|---|
Typ | Morphologische Beschreibung |
A (Kompressionsverletzung) |
|
B (Distraktionsverletzung) |
|
C (Translationsverletzung) |
|
F (Facettengelenksverletzung) |
|
Brust- und Lendenwirbelsäule
AO-Wirbelsäulen-Klassifikation
AO-Klassifikation der Brust- und Lendenwirbelsäule (2013) [23] | |
---|---|
Typ | Morphologische Beschreibung |
A (Kompressionsverletzung) |
|
B (Distraktionsverletzung) |
|
C (Translationsverletzung) |
|
Für die Klassifikation osteoporotischer Frakturen siehe: Klassifikation osteoporotischer Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule!
Sakrumfraktur
Sakrumlängsfraktur
Klassifikation der Sakrumlängsfraktur nach Denis (1988) [24][25] | |
---|---|
Zone | Morphologische Beschreibung |
1 |
|
2 |
|
3 |
Sakrumquerfraktur
Klassifikation der Sakrumquerfraktur nach Roy-Camille (1985) [26] | |
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Typ | Morphologische Beschreibung |
1 |
|
2 |
|
3 |
|
4 |
|
Symptomatik
- Schmerzen
- Lokaler Druck- oder Klopfschmerz über der Wirbelsäule
- Bewegungsschmerz bzw. schmerzbedingte Bewegungseinschränkung
- Ausstrahlender Schmerz (bspw. Kopfschmerz bei HWS-Verletzung)
- Radikuläre Symptomatik
- Sensibilitätsstörungen, Kribbelparästhesien, Taubheitsgefühl
- Paresen bis zur Plegie
- Abgeschwächte/ausgefallene Muskeleigenreflexe
- Medulläre Symptomatik
- Inkomplettes oder komplettes Querschnittssyndrom
- Spinaler Schock
- SCIWORA bzw. SCIWORET [30]
- Weitere Symptome je nach Lokalisation und Verletzungsmuster, bspw.
- Schluck- oder Sehstörungen bei HWS-Fraktur
- Dyspnoe bei BWS-Fraktur
- Intraabdominelle Schmerzen bei LWS-Fraktur
- Torticollis (bspw. bei atlantoaxialer Dissoziation)
Verlaufs- und Sonderformen
Atlasfraktur (C1) [20][31][32]
- Epidemiologie: 2–13% der Halswirbelsäulenverletzungen
- Ätiologie: Meist Sturz oder Hochrasanztrauma
- Diagnostik: CT und MRT
- Einteilung: Klassifikation nach Gehweiler
- Therapie: Abhängig von der Stabilität der Verletzung
- Sonderform: Jefferson-Fraktur
- Fraktur des vorderen und hinteren Atlasbogens
- Ggf. Läsion des Lig. transversum atlantis
Axisfraktur (C2) [33][34][35]
- Epidemiologie: Ca. 25% der Halswirbelsäulenverletzungen
- Typischerweise Densfraktur, seltener Basisfraktur
- Densfraktur bei >80-Jährigen häufigste Form der Wirbelkörperfrakturen
- Ätiologie: Meist Sturz oder Hochrasanztrauma
- Diagnostik: CT
- Einteilung
- Therapie
- Basisfraktur: Stabilität insb. abhängig von der diskoligamentären Integrität des Segments
- Densfraktur: Abhängig insb. von der Dislokation und patientenspezifischen Faktoren
- Sonderform: Hangman's Fracture
- Bilaterale Fraktur des Axisbogens mit traumatischer Spondylolisthese C2/C3
- Auftreten insb. bei Auto- oder Tauchunfällen
- Assoziation mit Erhängen in nur ca. 10% der Fälle [36]
- Exkurs: Geschichte des Erhängens mit kleiner Knotenkunde [37]
Atlantookzipitale Dissoziation [38][39]
- Definition: Dislokation von Schädelbasis und Atlas
- Epidemiologie: Kleine Kinder häufiger betroffen als Erwachsene
- Ätiologie: Typischerweise traumatisch
- Bei Kindern und Jugendlichen eher Hochenergietrauma (bspw. Verkehrsunfall)
- Bei geriatrischen Patient:innen eher Niedrigenergietrauma (bspw. Sturz auf den Hinterkopf)
- Einteilung: Klassifikation der atlantookzipitalen Dislokation nach Traynelis
- Besonderheiten
Atlantoaxiale Dissoziation [40][41][42]
- Definition: Dislokation von Atlas und Axis
- Epidemiologie: Gehäuftes Auftreten bei
- Rheumatoider Arthritis
- Down-Syndrom
- Goldenhar-Syndrom
- Spondyloepiphysärer Dysplasie
- Mukopolysaccharidose Typ IV
- Atlasassimilation
- Ätiologie: Typischerweise Kombination aus (Bagatell‑)Trauma und Vorliegen eines Risikofaktors [40]
- Risikofaktoren
- Ligamentäre Instabilität
- Fehlbildungen des kraniozervikalen Übergangs
- Einteilung: Uneinheitlich nach Richtung, Ursache oder auch Alter der Dislokation
- Besonderheiten
- Hohe Letalität
- Häufig neurologische Ausfälle
- Ggf. vaskuläre Verletzungen
- Ggf. Torticollis
- Auftreten insb. bei Kindern auch ohne begleitende Fraktur möglich
Präklinisches Management
- Ersteinschätzung der Situation
- Individuelle Abschätzung der Gesamtsituation und der Prioritäten
- Siehe auch: Präklinische Primärversorgung
- Allgemeine Basismaßnahmen
- Hämodynamisches Basismonitoring und Anlage eines peripheren Venenzugangs
- Sicherung der Vitalfunktionen (bspw. durch Sauerstoff- bzw. Volumengabe oder medikamentöse Kreislaufunterstützung)
- Bei erforderlicher endotrachealer Intubation: Manuelle Inline-Stabilisierung der HWS
- Anamnese und körperliche Untersuchung
- Bspw. nach SAMPLE-Schema mit Fokus auf Unfallhergang
- Trauma-Check und pDMS-Kontrolle
- Ggf. Verwendung klinischer Protokolle zur HWS-Beurteilung
- Schmerzadaptierte Analgesie
- Frühzeitiger Einsatz von Immobilisationsmaßnahmen
- Bspw. Schaufeltrage oder Spineboard zur Rettung vom Unfallort
- Vakuummatratze zum Transport zur Zielklinik (effektivste Form der Wirbelsäulenstabilisierung)
- Zusätzliche HWS-Schienung bei entsprechender Verletzung [44]
- Säuglinge und Kleinkinder ggf. im Kindersitz belassen
- Lagerung
- Lagerungsmaßnahmen nur achsengerecht durchführen
- Unnötige Manipulationen an der Wirbelsäule vermeiden
- Neutralstellung anstreben (falls ohne Schmerzen bzw. neurologisches Defizit möglich)
- Transport
- Möglichst in ein Traumazentrum mit Wirbelsäulenchirurgie
- Anforderung eines Rettungshubschraubers erwägen
- Schockraumaktivierung bei sensomotorischem Defizit nach Wirbelsäulenverletzung
Vorgehen in der Notaufnahme
- Ersteinschätzung der Situation
- Übergabe vom Rettungspersonal
- Sicherung der Vitalfunktionen und Immobilisation der Wirbelsäule
- Anamnese und körperliche Untersuchung (bspw. anhand des SAMPLE-Schemas)
- Beginn und Verlauf der Symptomatik
- Lokalisation und Art der Schmerzen
- Bei traumatischer Genese: Unfallhergang und -mechanismus
- Neurologische Untersuchung: Sensibilitätsstörungen, Paresen, Muskeleigenreflexe
- Untersuchung auf mögliche Begleitverletzungen
- Venöser Zugang und Blutentnahme
- Basismonitoring: Pulsoximetrie, Blutdruck und EKG
- Schmerzadaptierte Analgesie unter Berücksichtigung bereits erhaltener Medikamente
- Weitere medikamentöse Maßnahmen
- Thromboseprophylaxe für den Zeitraum der Immobilisation, bspw. mit niedermolekularen Heparinen [46]: Certoparin
- Für weitere Informationen siehe: Medikamentöse Thromboseprophylaxe
- Bei opioidinduzierter Übelkeit: Dimenhydrinat
- Bildgebung unter Fortführung der Immobilisation
- Röntgen: Betroffener Wirbelsäulenabschnitt in 2 Ebenen
- Bei LWS-Verletzung: Zusätzlich Beckenübersicht
- Bei HWS-Verletzung: Zusätzlich Dens-Zielaufnahme
- CT: Beim Polytrauma zum Nachweis von Wirbelsäulenverletzungen empfohlen
- Bei Polytrauma: Traumaspirale meist mit i.v. Kontrastmittelgabe
- Bei isoliert lokalisiertem Trauma: Betroffener Abschnitt meist ohne Kontrastmittel
- Notfallsonografie (E-FAST)
- Röntgen: Betroffener Wirbelsäulenabschnitt in 2 Ebenen
- Weitere therapeutische Maßnahmen
Diagnostik
Anamnese
- Beginn und Verlauf der Symptomatik
- Bei Trauma Unfallhergang und -mechanismus
- Risikofaktoren und therapierelevante Vorerkrankungen, insb.
- Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, neurologische Erkrankungen und/oder metabolische Knochenerkrankungen
- Medikamente mit Auswirkungen auf die Gerinnung und/oder Veränderung des Knochenstoffwechsels
- Stattgehabte Frakturen bzw. Vor-OPs im Bereich der Wirbelsäule
Bei bewusstlosen bzw. bewusstseinsgetrübten Personen nach Trauma sollte bis zum Beweis des Gegenteils vom Vorliegen einer Wirbelsäulenverletzung ausgegangen werden!
Körperliche Untersuchung
- Orientierende orthopädische Untersuchung der Wirbelsäule
- Vorsichtige Inspektion, Palpation und Perkussion
- Fehlstellung oder -haltung?
- Hämatom oder Kontusionsmarke?
- Ausgeprägte Kyphose oder Lordose?
- Stufen oder Lücken zwischen den Dornfortsätzen?
- Klopf-, Druck- und/oder Stauchungsschmerz?
- Vorsichtige Inspektion, Palpation und Perkussion
- Orientierende neurologische Untersuchung
- Obligate Suche nach einer möglichen radikulären bzw. medullären Symptomatik
- Standardisierte Dokumentation sinnvoll (bspw. gemäß ASIA-ISNCSCI)
- Untersuchung auf mögliche Begleitverletzungen (abhängig von Art und Lokalisation der Verletzung)
- HWS: Bspw. SHT, Gesichts- oder Schädelfraktur, Verschluss bzw. Dissektion von A. vertebralis oder A. carotis interna, Myelonkompression
- BWS: Bspw. Lungenkontusion, Rippen- oder Sternumfraktur, Hämatopneumothorax
- LWS: Bspw. Beckenfraktur, Verletzung intraabdomineller Organe
Labordiagnostik
- Basisdiagnostik nach klinikinternem Standard
- Erweiterte Diagnostik nach individueller Indikationsstellung, bspw.
- Entzündungsparameter bei V.a. entzündliches Geschehen
- Alkalische Phosphatase und LDH bei V.a. pathologische Fraktur
- Blutgruppe und Kreuzblut bei geplanter operativer Versorgung
Bildgebende Diagnostik
Auswahl bildgebender Verfahren zur Diagnostik von Wirbelkörperfrakturen [47][48][49][50] | ||||
---|---|---|---|---|
Verfahren | Typische Indikationen | Durchführung | Mögliche Befunde | Bemerkungen |
Konventionelle Röntgenaufnahme |
|
|
|
|
CT |
|
|
|
|
MRT |
|
|
|
|
Skelettszintigrafie |
|
|
|
Zusätzliche bildgebende Diagnostik
- Sonografie: Meist als eFAST beim Polytrauma
- CT-Angiografie: Darstellung der Spinalarterien
- Osteodensitometrie: Bestimmung der Knochendichte
Exkurs: Röntgendiagnostik [47][48][49][50][51]
Radiologische Zeichen einer instabilen Wirbelsäulenverletzung
- Allgemeine Zeichen
- Höhenminderung der Wirbelkörper
- Erweiterter Bandscheibenraum
- Unterbrechung der dorsalen Wirbelkörperkortikalis
- Zunahme des interspinösen Abstands
- Unterbrechung des Wirbelkörperalignments
- Inkongruenz der Facettengelenke beidseits
- Verbreiterung des prävertebralen Weichteilschattens
- Spezielle Zeichen der subaxialen HWS
- Luxation der Facettengelenke mit <50° Überdeckung
- Traumatische vordere Kantenabsprengung (Teardrop-Fraktur)
- Angulierung >11°
- Horizontale Verschiebung >3,5 mm
- Für lokalisationsabhängige Stabilitätskriterien siehe auch
Typische morphologische Befunde bei Wirbelkörperfraktur
- Kombinationsfraktur der Vorder- und Hinterwand sowie Grund- und Deckplatte (Berstungsfraktur)
- Fraktur der Vorderwand mit Sinterung (Keilwirbel)
- (Bi)konkave Fraktur der Grund- und Deckplatten mit Sinterung (Fischwirbel)
Radiologische Merkmale pathologischer Frakturen der Wirbelsäule [52]
- Nicht parallel zur Fraktur verlaufende Skleroselinie
- Destruktion von kortikalem und spongiösem Knochen
- Kein Vakuumphänomen (Aufhellung) des Bandscheibenfachs
- Konvexe Vorwölbung der Wirbelkörperhinterwand
- Beteiligung der Pedikel der Wirbelkörper
- Nachweis einer paravertebralen Weichgewebeformation >10 mm
- Persistierende Knochenmarkveränderungen über 3–6 Monate
- Beurteilung des Destruktionsmusters
- Periostreaktionen
Canadian C-Spine Rule und NEXUS-Kriterien
- Entscheidungshilfen bei der Indikationsstellung zur
- Durchführung einer radiologischen Diagnostik
- Präklinischen Immobilisation der HWS
- Ziel: Ausschluss einer klinisch relevanten HWS-Verletzung
- Voraussetzung: Wache Personen mit stabilen Vitalparametern
Sowohl die Canadian C-Spine Rule als auch die NEXUS-Kriterien haben eine hohe Sensitivität und Spezifität in Bezug auf das Vorliegen einer klinisch relevanten Verletzung der HWS! Studien zum direkten Vergleich der beiden Protokolle weisen auf eine höhere diagnostische Genauigkeit der Canadian C-Spine Rule hin! [53][54]
Canadian C-Spine Rule (CCR) [55][56]
Canadian C-Spine Rule (CCR) zur HWS-Beurteilung nach Trauma | ||
---|---|---|
Frage | Befund | Bewertung |
Inklusionskriterien vorhanden? |
|
|
Ausschlusskriterien vorhanden? |
|
|
High-Risk-Faktoren vorhanden? |
|
|
Low-Risk-Faktoren vorhanden? |
|
|
Aktive HWS-Bewegung möglich? |
|
|
Legende | * Gefährliche Unfallmechanismen
|
NEXUS-Kriterien [44][57][58]
NEXUS-Kriterien zur HWS-Beurteilung nach Trauma | |
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Kriterium | Positiv bei |
Schmerz |
|
Intoxikation |
|
Bewusstsein |
|
Neurologie |
|
Begleitverletzungen |
|
Ist keines der NEXUS-Kriterien positiv, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit keine klinisch relevante Verletzung der HWS vor!
Differenzialdiagnosen
Differenzialdiagnosen bei Schmerzen der Wirbelsäule
- Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule
- Bandscheibenvorfall
- HWS-Distorsion (ugs. „Schleudertrauma“)
- Unspezifischer Kreuzschmerz
- Maligne Knochentumoren, Knochenmetastasen
- Frakturen und Kontusionen des Brustkorbs
- Entzündliche Prozesse (Myelitis, Spondylodiszitis, epidurale Abszesse etc.)
- Internistische Grunderkrankungen (Pankreatitis, Nephrolithiasis etc.)
- Internistische Notfälle (akutes Koronarsyndrom, Myokardinfarkt, Aortendissektion, Pneumothorax)
- Bei Kindern und Jugendlichen: Morbus Scheuermann
Differenzialdiagnosen bei Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule können sehr vielfältig sein. Daher sollten auch mögliche Krankheitsbilder aus anderen Fachgebieten in Betracht gezogen werden (siehe auch: Red Flags bei Rückenschmerzen)!
AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
HWS-Distorsion
Allgemeines [59]
- Definition
- Flexion und Extension der HWS durch eine plötzliche Be- und/oder Entschleunigungsbewegung des Kopfes
- Belastung von Muskulatur, Bandapparat und ggf. knöchernen Strukturen
- Whiplash-associated Disorder (WAD): Klinische Manifestationen einer HWS-Distorsion
- Epidemiologie: 300–600/100.000 Einwohner pro Jahr (in Europa und Nordamerika) [60]
- Ätiologie
- Meist Verkehrsunfälle (typischer „Auffahrunfall“ mit Heckaufprall)
- Direkte Gewalteinwirkung durch bspw. Sturz/Schlag
- Sportverletzungen [61][62]
Symptome/Klinik [63]
- Symptomverlauf: Oftmals schmerzfreies Intervall zu Beginn und Beschwerdemaximum nach ca. 1–3 Tagen
- Häufig Kopf- und Nackenschmerzen, ggf. mit Ausstrahlung in Hinterkopf, Schultern oder Arme
- Schmerzbedingte Fehlstellungen, Steifigkeitsgefühl, palpatorische Überempfindlichkeit und tastbare Verspannungen in der Schulter-Nacken-Region
- Neurologische Symptome
- Allgemeinsymptome wie Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit, Schlafstörungen, Sehstörungen, Konzentrationsstörungen
- Weitere mögliche Symptome: Dysphagie, Kiefergelenkschmerzen, Tinnitus
Klinische Klassifikation der HWS-Beschleunigungsverletzung in Anlehnung an die Quebec Task Force (QTF, modifiziert nach Spitzer) [59][63]
- Voraussetzung: Auftreten der Symptome innerhalb von 3 Tagen
- Schweregradeinteilung
- Schweregrad 0: Keine HWS-Beschwerden, keine objektivierbaren neurologischen Ausfälle
- Schweregrad 1: HWS-Beschwerden in Form von Schmerzen, Steifigkeitsgefühl oder Überempfindlichkeit, keine objektivierbaren neurologischen Ausfälle
- Schweregrad 2: HWS-Beschwerden wie bei Schweregrad 1, zusätzlich muskuloskelettale Befunde
- Schweregrad 3: HWS-Beschwerden wie bei Schweregrad 1, zusätzlich neurologische Befunde
- Schweregrad 4: HWS-Beschwerden wie bei Schweregrad 1, zusätzlich HWS-Fraktur oder -Dislokation
Diagnostik [59]
- Anamnese: Ausführlich mit Fokus auf Symptomatik und Unfallhergang/-mechanismus
- Wenn möglich mit Fremdanamnese
- Ausschluss von Risikofaktoren für höhergradige Verletzung [59]
- Alter >65 Jahre
- Unfallmechanismus (Hochrasanztrauma mit >50–60 km/h, Tod eines Unfallbeteiligten, Sturz aus >3 m Höhe)
- Begleitumstände wie bspw. starke Schmerzen, Parästhesien der Extremitäten, Intoxikation, Demenz, Sprachbarriere
- Siehe auch: HWS-Beurteilung bei Traumapatienten
- Körperliche Untersuchung: Komplette neurologische Untersuchung und Untersuchung auf
- Klopf- und Druckschmerzhaftigkeit über der HWS
- Tastbare Verspannungen der Schulter-Nacken-Muskulatur
- Bewegungsausmaß der HWS (Rotation, Extension und Flexion, Seitneigung)
- Befundabhängige Indikation für weitere bildgebende Diagnostik, bspw. nach Canadian C-Spine Rule oder NEXUS-Kriterien
- Bildgebende Verfahren
- Röntgen der Halswirbelsäule: Zum Frakturausschluss
- CT: Bei V.a. knöcherne Verletzungen oder unvollständiger Abbildung der HWS im Nativröntgen [59]
- Spinales MRT: Bei V.a. Weichteilverletzung und Schmerzen >4 Wochen [59]
- Doppler-Sonografie: Bei V.a. Verletzungen der Halsgefäße
- Ausführliche Dokumentation
Therapie [59]
- Allgemein
- Meist konservativ, evtl. kurzzeitige Immobilisierung
- Frühfunktionelle Therapie, ggf. physiotherapeutische Behandlung [64]
- Keine passive Mobilisation während der akuten Schmerzphase
- Sachliche Erklärung und Vermittlung der Harmlosigkeit der Symptomatik gegenüber der betroffenen Person
- Analgesie: Kurzfristig mit NSAIDs, bspw. Ibuprofen oder Diclofenac , alternativ Metamizol
- Für das Vorgehen bei HWS-Fraktur siehe Verletzungen der Halswirbelsäule - Therapie
Bei HWS-Distorsion sollte keine langfristige Immobilisation erfolgen!
Komplikationen
- Chronifizierung: Beschwerden >3 Monate
- Epidemiologie: Je nach Studienlage ca. 40–80% [60]
- Risikofaktoren
- Starke initiale Schmerzen
- Psychosoziale Faktoren
- Höheres Alter, weibliches Geschlecht: Kontrovers diskutiert [65][66]
- Therapie: Interdisziplinär, mit psychologischer Betreuung und ggf. Gabe von Antidepressiva
- Psychische Komplikationen: Depression, Wut, Frustration, Angst, Medikamentenabhängigkeit [67]
- Weitere Komplikationen, siehe auch: Wirbelsäulenverletzungen - Komplikationen
Therapie
Therapieplanung [27][28][29][68]
- Erstellen eines individuell angepassten multimodalen Therapiekonzepts
- Allgemeines Therapieziel: Wiederherstellung von Stabilität und Funktion bei Schmerzfreiheit
- Therapeutisches Vorgehen: Abhängig von der Stabilität der Verletzung sowie der neurologischen Symptomatik
- Stabile Verletzungen ohne persistierendes neurologisches Defizit → Konservative Therapie möglich
- Instabile Verletzungen oder persistierendes neurologisches Defizit → Operative Therapie erforderlich
- Für Scores zur Therapieentscheidung sowie die konkrete Durchführung der Therapie siehe:
- Für die allgemeinen Grundsätze des perioperativen Managements siehe:
Bei Verletzungen der HWS, die eine operative Versorgung erfordern, muss die Ruhigstellung der Wirbelsäule bis zur intraoperativen Lagerung aufrechterhalten werden!
Exkurs: Operative Verfahren (Auswahl)
Halo-Fixateur [69]
- Komponenten
- Ring mit Kopfstiften
- Weste mit Brust- und Rückenplatte
- Stäbe zur Verbindung von Ring und Weste
- Typische Indikationen
- Kontraindikationen
- Schädelfraktur
- Intrakranielle Verletzung
- Weichteilinfektion am Schädel
- Alter <3 Jahre
- Anlegen der Weste nicht möglich
- Vorgehen
- Zu behandelne Person sitzend oder in Rückenlage
- Einbringen der sog. Kopfstifte des Rings in die Lamina externa der Schädelkalotte
- Durchführung typischerweise in Lokalanästhesie
- Anlage des Ring parallel zur Bodenebene ca. 1 cm kranial der Augenbrauen
- Sehr sorgfältige Positionierung der Stifte
- Anlage und Verschluss der Weste
- Montage der Verbindungsstäbe zur Fixierung der HWS in gewünschter Position
- Röntgenkontrolle
- Besonderheiten
- Keine absolute Ruhigstellung der HWS möglich
- Ausgeprägte Einschränkungen im Alltag durch das Fremdmaterial
- Mögliche Komplikationen
- Lockerung der Stifte, Dislokation des Rings
- Infektion der Pin-Eintrittsstellen
- Druckstellen, Dekubitus
Trotz des Einbringens von Fremdmaterial in die Schädelkalotte zählt der Halo-Fixateur zu den konservativen Therapieoptionen!
Diskektomie [70]
- Definition: Operative Entfernung von (geschädigtem bzw. verlagertem) Bandscheibengewebe
- Typische Indikationen
- Traumatische Bandscheibenverletzung
- Symptomatischer Bandscheibenvorfall
- Vorgehen
- Technik und Umfang des Eingriffs stark abhängig von der zugrundeliegenden Indikation
- Bei Resektion des kompletten Bandscheibenfaches: Implantation einer Bandscheibenprothese oder Cages notwendig
- Mögliche Komplikationen
- Intraoperative Schädigung des Myelons bzw. der Nervenwurzel
- Duraverletzung mit Gefahr einer Meningozele oder Liquorfistel
- Postdiskektomie-Syndrom
Kyphoplastie [71]
- Definition: Operative Aufrichtung und Stabilisierung einer Wirbelkörperfraktur
- Typische Indikationen
- Symptomatische osteoporotische Wirbelkörperfraktur [2]
- Pathologische Fraktur
- Stabilitätsgefährdendes intraossäres Hämangiom
- Schmerzhafte traumatische Deckplattenfraktur
- Kontraindikationen
- Osteomyelitis, Diszitis oder systemische Infekte
- Höhergradige degenerative Wirbelsäulenveränderungen
- Degenerative Spinalkanalstenose bzw. tumorbedingte Spinalkanaleinengung
- Schmerzlose alte Fraktur
- Ausgeprägte Hinterkanteninstabilität
- Spaltungs- oder Berstungsfraktur
- Vorgehen
- Zu behandelnde Person in Bauchlage
- Perkutanes Einbringen eines Ballonkatheters in den Wirbelkörper über eine Arbeitskanüle
- Aufrichten des Wirbelkörpers durch Aufblasen des Ballons mit einem Kontrastmittel
- Ablassen des Kontrastmittels und Rückzug des Ballonkatheters
- Einbringen von Füllmaterial in den entstandenen Hohlraum
- Intraoperative Röntgenkontrolle des Behandlungsergebnisses
- Variante: Radiofrequenz-Kyphoplastie
- Mögliche Komplikationen
- Ungewollter Zementaustritt
- Palacos-Embolie
- Nachsinterung
- Anschlussfraktur
Die Indikation zur Vertebroplastie bzw. Kyphoplastie sollte insb. bei pathologischer Fraktur interdisziplinär gestellt werden!
Spondylodese [72][73]
- Definition: Operative Versteifung von einem oder mehreren Wirbelsäulensegmenten
- Typische Indikationen
- B- und C-Verletzung (sowie ggf. A3-Fraktur) der Brust- und Lendenwirbelsäule
- Degenerative Spinalkanalstenose
- Wirbelsäulendeformitäten
- Spondylolisthesis
- Kontraindikationen
- Starke Vernarbung im Zugangsgebiet
- Ausgeprägte Osteoporose
- Vorbestehende operative Versteifung
- Vorgehen
- Entknorpelung der Wirbelgelenke
- Anlagerung von Spongiosa oder Knochenersatzstoff
-
Einbringen des Fixateur interne, bspw.
- Pedikelschrauben-Stab-System bei dorsalem Zugang
- Plattenosteosynthese bei ventralem Zugang
- Weitere Maßnahmen nach individueller Indikationsstellung
- Diskektomie und Einbringen eines Cages in das Bandscheibenfach
- Verstärkung der Schrauben mit Knochenzement
- Dekompression des Spinalkanals bzw. der Neuroforamina
- Mögliche Komplikationen
- Dura- und Nervenwurzelverletzung
- Schraubenfehllage
- Unzureichende Reposition
- Materialversagen
- Postlaminektomiesyndrom
Halswirbelsäule
Score zur Therapieentscheidung
Subaxial Cervical AO Spine Injury Score (AO Spine SCICS) (2020) [74] | |||
---|---|---|---|
Komponenten | Beschreibung | Punkte | |
Frakturmorphologie | Typ A | A0 | 0 |
A1 | 1 | ||
A2 | 2 | ||
A3 | 4 | ||
A4 | 5 | ||
Typ B | B1 | 5 | |
B2 | 6 | ||
B3 | 6 | ||
Typ C | – | 7 | |
Facettengelenksverletzung | Typ F | F1 | 2 |
F2 | 4 | ||
F3 | 5 | ||
F4 | 7 | ||
Neurologischer Status | N0: Kein neurologisches Defizit | 0 | |
N1: Temporäres neurologisches Defizit | 1 | ||
N2: Persistierendes radikuläres Defizit | 2 | ||
N3: Inkomplettes Querschnittssyndrom | 4 | ||
N4: Komplettes Querschnittssyndrom | 4 | ||
NX: Neurologischer Status nicht überprüfbar | 3 | ||
Klinische Modifikatoren | M1: Vermutete Verletzung des posterioren Bandapparats | 2 | |
M2: Bandscheibenvorfall mit Kompression nervaler Strukturen | 4 | ||
M3: Versteifende/metabolische Knochenerkrankungen | 4 | ||
M4: Vaskuläre Begleitverletzungen im Bereich der Wirbelsäule | — | ||
Empfehlung: Noch ausstehend |
Konservative Therapie [27][28]
- Typische Indikation: Stabile und kaum dislozierte Fraktur ohne ligamentäre Instabilität
- Obere HWS
- Okzipitalkondylenfraktur: Typ I gemäß Klassifikation der Okzipitalkondylenfraktur nach Anderson und Montesano
- Atlasfraktur: Typ I, II, IIIa und V gemäß Klassifikation der Atlasfraktur nach Gehweiler
- Basisfraktur des Axis: Typ I gemäß Klassifikation der Basisfraktur des Axis nach Levine/Edwards
- Densfraktur: Typ I gemäß Klassifikation der Densfraktur nach Anderson und D'Alonzo
- Subaxiale HWS
- Stabile Kompressionsverletzung: A0–A2-Fraktur (ggf. A3-Fraktur) nach der AO-Klassifikation der subaxialen Halswirbelsäule
- Medulläre Symptomatik ohne knöcherne oder ligamentäre Verletzung der Wirbelsäule (SCIWORA)
- Obere HWS
- Zeitpunkt: Unmittelbar nach definitiver Diagnosestellung
- Vorgehen
- Ruhigstellung mit (semi)rigider Zervikalstütze oder Halo-Fixateur
- Frühzeitige passive Physiotherapie unter adäquater Schmerztherapie
- Beginn bspw. mit stabilisierenden Übungsbehandlungen
- Übergang zur aktiven Beübung frühestens ab der 12. Woche
- Regelmäßige klinische und radiologische Kontrollen bis zur Ausheilung der Fraktur
- Mind. jeweils eine Kontrolle nach 1, 3 und 6 Wochen empfohlen
- Röntgenkontrolle ausschließlich im Stehen durchführen
Operative Therapie [27][28]
- Typische Indikationen
- Alle Wirbelsäulenverletzungen mit persistierendem neurologischen Defizit
- Instabile bzw. stark dislozierte Verletzungen
- Obere HWS
- Okzipitalkondylenfraktur: Typ III gemäß Klassifikation der Okzipitalkondylenfraktur nach Anderson und Montesano
- Atlasfraktur: Typ IIIb (und ggf. IV) gemäß Klassifikation der Atlasfraktur nach Gehweiler
- Basisfraktur des Axis: Typ II–III gemäß Klassifikation der Basisfraktur des Axis nach Levine/Edwards
- Densfraktur: Typ II–III gemäß Klassifikation der Densfraktur nach Anderson und D'Alonzo
- Atlantookzipitale Dissoziation
- Atlantoaxiale Dissoziation
- Subaxiale HWS
- Obere HWS
- Zeitpunkt: Schnellstmögliche Versorgung anstreben (dringliche Operation), insb. bei
- Progredientem neurologischen Defizit mit Spinalkanaleinengung
- Offener Wirbelsäulenverletzung durch äußere Gewalteinwirkung
- Ausgeprägter Dislokation bzw. hochgradiger Instabilität
- Vorgehen: Technik und Umfang des Eingriffs stark von der zugrundeliegenden Indikation abhängig
- Ruhigstellung der HWS bis zur Lagerung
- Sowohl ventraler als auch dorsaler oder kombiniert ventro-dorsaler Zugang möglich
- Typische operative Techniken
- Direkte Osteosynthese der Fraktur
- Ventrale Spondylodese
- Dorsale Stabilisierung mit Schraubenstabsystem
Unmittelbar nach Aufhebung der Ruhigstellung und Lagerung im OP-Saal sollte eine bildwandlergestützte Kontrolle der Verletzung zum Ausschluss einer lagerungsbedingten Dislokation erfolgen!
Brust- und Lendenwirbelsäule
Score zur Therapieentscheidung
Thoracolumbar AO Spine Injury Score (TL AOSIS) (2016) [75] | |||
---|---|---|---|
Komponenten | Beschreibung | Punkte | |
Frakturmorphologie | Typ A | A0 | 0 |
A1 | 1 | ||
A2 | 2 | ||
A3 | 3 | ||
A4 | 5 | ||
Typ B | B1 | 5 | |
B2 | 6 | ||
B3 | 7 | ||
Typ C | — | 8 | |
Neurologischer Status | N0: Kein neurologisches Defizit | 0 | |
N1: Temporäres neurologisches Defizit | 1 | ||
N2: Persistierendes radikuläres Defizit | 2 | ||
N3: Inkomplettes Querschnittssyndrom oder Cauda-equina-Syndrom | 4 | ||
N4: Komplettes Querschnittssyndrom | 4 | ||
NX: Neurologischer Status nicht überprüfbar | 3 | ||
Klinische Modifikatoren | M1: Beurteilung des Zuggurtungsmechanismus nicht möglich | 1 | |
M2: Vorliegen therapierelevanter Komorbiditäten | 0 | ||
Empfehlung: ≤3 Punkte: Konservative Therapie; 4–5 Punkte: Konservative oder operative Therapie; >5 Punkte: Operative Therapie |
Konservative Therapie [29][72]
- Typische Indikation: Stabile Kompressionsfraktur (A1–A2, ggf. A3)
- Allgemeine Voraussetzungen
- Kein neurologisches Defizit
- Wirbelkörperhöhe <⅓ gemindert
- Fehlstellung max. 20° in sagittaler und 15° in koronarer Ebene
- Spezielle Voraussetzungen
- A1-Fraktur: Grund-Deckplatten-Winkel <15–20°
- A2-Fraktur: Minimale Dislokation bzw. rein sagittaler oder frontaler Spaltbruch
- A3-Fraktur: Individuelle Indikationsstellung
- Allgemeine Voraussetzungen
- Zeitpunkt: Unmittelbar nach definitiver Diagnosestellung
- Vorgehen
- Ruhephase so kurz wie möglich, währenddessen Thromboseprophylaxe
- Frühfunktionelle Mobilisierung unter adäquater Schmerztherapie
- Beginn meist nach ca. 1 Woche möglich
- Ggf. begleitende Orthesenbehandlung
- Regelmäßige klinische und radiologische Kontrollen bis zur Ausheilung der Fraktur
- Mind. eine Kontrolle nach Mobilisierung sowie jeweils nach 1, 3 und 6 Wochen empfohlen
- Röntgenkontrolle ausschließlich im Stehen durchführen
Eine konservative Therapie erfordert regelmäßige klinische und radiologische Kontrollen, sodass bei Bedarf rechtzeitig auf ein operatives Verfahren umgeschwenkt werden kann!
Operative Therapie [29][72]
- Typische Indikationen
- Alle Wirbelsäulenverletzungen mit persistierendem neurologischen Defizit
- Instabile Kompressions- bzw. Distraktionsverletzung
- Translationsverletzung
- Zeitpunkt: Schnellstmögliche Versorgung anstreben (dringliche Operation), insb. bei
- Progredientem neurologischen Defizit mit Spinalkanaleinengung
- Offener Wirbelsäulenverletzung durch äußere Gewalteinwirkung
- Ausgeprägter Dislokation bzw. hochgradiger Instabilität
- Vorgehen: Technik und Umfang des Eingriffs stark abhängig von der zugrundeliegenden Indikation
- Sowohl ventraler als auch dorsaler oder kombiniert ventro-dorsaler Zugang möglich
- Bei segmentaler Instabilität: Ein- oder mehrsegmentale Spondylodese
- Bei Kompression nervaler Strukturen: Dekompression
- Bei Bandscheibenverletzung: Meist Diskektomie und Implantation eines Cages
- Bei reduzierter Knochenqualität: Ggf. Augmentation mit Zement
Operative Strategien bei traumatischen Wirbelsäulenverletzungen [72] | |
---|---|
Frakturmorphologie | Typisches Vorgehen |
|
|
|
|
|
|
Osteoporotische Wirbelkörperfraktur
Klassifikation
Klassifikation osteoporotischer Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule (OF-Klassifikation) (2018) [76] | |
---|---|
Typ | Morphologische Beschreibung |
OF 1 |
|
OF 2 |
|
OF 3 |
|
OF 4 |
|
OF 5 |
|
Therapie
Score zur Therapieentscheidung
Klassifikationsbasierter Score osteoporotischer Frakturen (OF-Score) (2018) [77] | ||
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Komponenten | Schweregrad | Punkte |
Frakturmorphologie |
|
|
|
| |
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| |
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| |
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| |
Knochendichte |
|
|
Nachsinterung |
|
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| |
Schmerzen |
|
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| |
Frakturbedingtes neurologisches Defizit |
|
|
Mobilisationsfähigkeit |
|
|
|
| |
Allgemeinzustand |
| |
Empfehlung: ≤5 Punkte: Konservative Therapie; 6 Punkte: Konservative oder operative Therapie; >6 Punkte: Operative Therapie |
Konservative Therapie [2][78][79]
- Typische Indikation: Stabile Wirbelkörperfraktur ohne neurologisches Defizit
- Voraussetzungen
- Ausschluss einer traumatischen Fraktur bei Osteoporose
- Berücksichtigung individueller Faktoren
- Voraussetzungen
- Zeitpunkt: Unmittelbar nach definitiver Diagnosestellung
- Vorgehen
- Ruhephase so kurz wie möglich, parallel Therapie der Osteoporose und Sturzprophylaxe
- Frühfunktionelle Mobilisierung unter adäquater Schmerztherapie
- Physiotherapeutische Maßnahmen
- Ggf. Orthesenbehandlung
- Regelmäßige klinische und radiologische Kontrollen bis zur Ausheilung der Fraktur
- Mind. eine Kontrolle nach Mobilisierung sowie jeweils nach 1, 3 und 6 Wochen empfohlen
- Röntgenkontrolle ausschließlich im Stehen durchführen
- Thromboseprophylaxe bis zur Vollmobilisierung
Ein Großteil der osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen kann konservativ behandelt werden!
Operative Therapie [78][79]
- Typische Indikationen
- Instabile Wirbelkörperfraktur
- Persistierendes neurologisches Defizit
- Gefahr der Kompression neurologischer Strukturen
- Starke bzw. therapieresistente Schmerzen
- Zeitpunkt
- Dringliche Indikation bei neurologischem Defizit mit Spinalkanaleinengung
- Bei erfolgloser konservativer Therapie
- Vorgehen: Abhängig von Frakturmorphologie
- OF-1- und OF-2-Frakturen: Meist Kyphoplastie
- OF-3-Frakturen: Individuelles Therapiekonzept
- OF-4- und OF-5-Frakturen: Zementaugmentierte Spondylodese
- Multiple Frakturen: Individuelles Therapiekonzept
Grundlage jeder therapeutischen Entscheidung in diesem Kontext ist die Differenzierung einer osteoporotischen Insuffizienzfraktur von einer traumatischen Fraktur bei gleichzeitig vorhandener Osteoporose!
Kindliche Wirbelsäulenverletzungen
Epidemiologie [6][80][81]
- Häufigkeit: 1,8% der dokumentierten Frakturen
- Inzidenz: Ca. 7/100.000 Kinder und Jugendliche/Jahr
- Geschlechterverhältnis: ♂ > ♀
- Altersgipfel: 12,8 ± 6,2
- Typische Lokalisation
Ätiologie [6][81]
- Typische Ursache: Trauma (insb. Sport- oder Verkehrsunfall)
- Weitere Auslöser
- Kindesmisshandlung
- Maligne Knochentumoren
- Osteoporose des Kindes- und Jugendalters [82]
Kindliche Wirbelsäulenverletzungen sind i.d.R. traumatisch bedingt und treten zu ca. 30% im Rahmen eines Polytraumas auf!
Klassifikation [83][84]
- Kleinkinder und Kinder [84]
- Keine lokalisationsspezifischen Klassifikationen vorhanden
- Wachstumsfugen physiologischerweise noch offen
- Einteilung von Epiphysenverletzungen nach Salter-Harris
- Typ I: Epiphysiolyse der Grundplatte, Ruptur des vorderen und hinteren Längsbandes
- Typ II: Partielle Epiphysiolyse mit Fraktur des Wirbelkörpers, Ruptur des vorderen und hinteren Längsbandes
- Typ III: Partielle Epiphysiolyse mit Fraktur der Epiphyse und Verletzung der Bandscheibe
- Typ IV: Fraktur des Wirbelkörpers, der Epiphyse und Verletzung der Bandscheibe
- Adoleszente [84]
- Wachstumsfugen physiologischerweise bereits geschlossen
- Einteilung analog zu Wirbelsäulenverletzungen bei Erwachsenen, siehe:
Diagnostik [84]
- Anamnese: Häufig schwierig zu erheben
- Körperliche Untersuchung
- Klinische Untersuchung der Wirbelsäule
- Beurteilung von Motorik und Sensibilität
- Bildgebende Diagnostik: Großzügige Indikationsstellung bei hinreichendem V.a. das Vorliegen einer Wirbelsäulenverletzung
- Art der Bildgebung abhängig von Lebensalter und Verletzungsmuster
- Kleinkinder und Kinder: MRT
- Adoleszente: Konventionelles Röntgen oder MRT
- Polytrauma (unabhängig vom Lebensalter): CT
- Zu beachtende Aspekte bei der Befundung
- Besonderheiten der kindlichen Wirbelsäule
- Kongenitale Wirbelsäulenveränderungen
- Art der Bildgebung abhängig von Lebensalter und Verletzungsmuster
Therapie [6][83][84]
- Therapeutisches Vorgehen: Häufig konservative Therapie möglich
- Typische Indikationen für eine operative Therapie
- Instabile Verletzungen
- Persistierendes neurologisches Defizit
- Überschreiten des alters- und lokalisationsabhängigen Korrekturpotenzials
- Reduzierte Korrekturfähigkeit ab Risser-Stadium III
- Bei konservativer Therapie Ausbildung sekundärer Fehlstellung möglich
Ein Großteil der kindlichen Wirbelkörperfrakturen kann nach Ausschluss einer Instabilität konservativ behandelt werden! [6]
Die operative Therapie kindlicher Wirbelsäulenverletzungen sollte ausschließlich in spezialisierten Zentren durchgeführt werden!
Exkurs: Besonderheiten der kindlichen Wirbelsäule [84][85]
- Physiologische Keilform von Wirbelkörpern
- Segmentale Hypermobilität (insb. zwischen C2 und C3)
- Zunehmende Stabilität der Facettengelenke mit dem Alter
- C2/C3 als Hauptbewegungssegment der HWS
- Hohe Flexibilität der Wirbelsäule im Vergleich zum Myelon
- Hohes Remodellierungspotenzial der alters- und lokalisationsabhängigen Ossifikationszentren
Ossifikationszentren der kindlichen Wirbelsäule | ||
---|---|---|
Lokalisation | Anzahl | Fusionszeitpunkt |
Atlas | 3 | Ca. 7. Lebensjahr |
Axis | 4 | 3.–6. Lebensjahr |
Kaudal von C3 | 3 | 5.–6. Lebensjahr |
Mit ca. 12 Jahren entspricht die kindliche Wirbelsäule strukturell und biomechanisch der eines Erwachsenen!
Komplikationen
Allgemeine Komplikationen
- Verschlechterung des neurologischen Befundes
- Progrediente Fehlstellung
- Atrophie der Muskulatur und Einsteifen benachbarter Bewegungssegmente
- Verbleibende Instabilität
- Chronische Schmerzen
- Pseudarthrose
- Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule
- Anschlussfraktur
Operative Komplikationen
- Verletzung neuronaler Strukturen oder von Gefäßen
- Verletzung des Durasacks, ggf. mit Bildung einer Liquorfistel
- Implantatversagen oder -dislokation
- Austritt von Füllmaterial
- Palacos-Embolie bei Verwendung von Knochenzement
- Wundheilungsstörung, Infektion oder Abszessbildung
- Infektion des Implantats, Spondylodiszitis
- Bildung eines Hämatoms oder Seroms
- Komplikationen bei Entnahme eines Beckenkammspans
- Bei HWS-OP: Verletzung der Halsorgane, Schluckstörung, Läsion des N. laryngeus recurrens, Horner-Syndrom, Herzrhythmusstörungen
- Bei BWS-/LWS-OP: Miktions- oder Potenzstörung
- Siehe auch: Komplikationen nach Osteosynthese
Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Rehabilitation
- Durchführung: Ambulante oder stationäre Anschlussheilbehandlung (AHB)
- Zeitpunkt
- Beginn so früh wie möglich [86]
- Zur Fortführung der Therapie nach Akutbehandlung und Nachsorge: Einbindung des Sozialdienstes bzw. Reha-Managements der Kostenträger
- Indikationen für eine ambulante AHB
- Nähe zum Wohnort
- Häusliche Versorgung gesichert
- Ausreichende Mobilität erhalten
- Indikationen für eine stationäre AHB
- Multimorbidität bzw. Immobilität
- Ausgeprägte neurologische und/oder (Schmerz‑)Symptomatik
- Hohes Alter
- Ziele: Besserung der funktionalen Gesundheit und Wiederherstellung der ursprünglichen Teilhabefähigkeiten
- Schmerz- und Ödemreduktion
- Stabilisierung der Wirbelsäule und Wiederherstellung einer physiologischen Haltung und Beweglichkeit
- Selbstständige Lebensführung im Alltag
- Berufliche und soziale Integration
- Therapiemaßnahmen
- Schmerztherapie als multimodales Konzept
- Physiotherapie
- Sporttherapie
- Physikalische Therapie (bspw. Massage, Thermotherapie)
- Patientenedukation (Gesundheitsbildung, Aufklärung und Information)
- Ggf. Orthesen
Meditricks
In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.
Wirbelkörperfrakturen
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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025
S12.–: Fraktur im Bereich des Halses
- Inklusive: Zervikal: Dornfortsatz, Querfortsatz, Wirbel, Wirbelbogen, Wirbelsäule
- S12.0: Fraktur des 1. Halswirbels
- S12.1: Fraktur des 2. Halswirbels
- S12.2-: Fraktur eines sonstigen näher bezeichneten Halswirbels
- S12.21: Fraktur des 3. Halswirbels
- S12.22: Fraktur des 4. Halswirbels
- S12.23: Fraktur des 5. Halswirbels
- S12.24: Fraktur des 6. Halswirbels
- S12.25: Fraktur des 7. Halswirbels
- S12.7: Multiple Frakturen der Halswirbelsäule
- Exklusive: Multiple Frakturen der Halswirbelsäule bei Angabe der Höhe (S12.0, S12.1, S12.2‑).
- S12.8: Fraktur sonstiger Teile im Bereich des Halses
- S12.9: Fraktur im Bereich des Halses, Teil nicht näher bezeichnet
-
Fraktur:
- Halswirbel o.n.A.
- Halswirbelsäule o.n.A.
-
Fraktur:
S22.-: Fraktur der Rippe(n), des Sternums und der Brustwirbelsäule
- Inklusive: Thorakal: Dornfortsatz, Querfortsatz, Wirbel, Wirbelbogen
- S22.0-: Fraktur eines Brustwirbels
- S22.00: Höhe nicht näher bezeichnet
- S22.01: T1 und T2
- S22.02: T3 und T4
- S22.03: T5 und T6
- S22.04: T7 und T8
- S22.05: T9 und T10
- S22.06: T11 und T12
- S22.1: Multiple Frakturen der Brustwirbelsäule
- Exklusive: Multiple Frakturen der Brustwirbelsäule bei Angabe der Höhe (S22.0‑).
S32.-: Fraktur der Lendenwirbelsäule und des Beckens
- Inklusive: Lumbosakral: Dornfortsatz, Querfortsatz, Wirbel, Wirbelbogen
- Exklusive: Fraktur der Hüfte o.n.A. (S72.08)
- S32.0-: Fraktur eines Lendenwirbels
- S32.00: Höhe nicht näher bezeichnet
- Lendenwirbelsäule o.n.A.
- S32.01: L1
- S32.02: L2
- S32.03: L3
- S32.04: L4
- S32.05: L5
- S32.00: Höhe nicht näher bezeichnet
- S32.7: Multiple Frakturen mit Beteiligung der Lendenwirbelsäule und des Beckens
- S32.8-: Fraktur sonstiger und nicht näher bezeichneter Teile der Lendenwirbelsäule und des Beckens
- S32.82: Lendenwirbelsäule und Kreuzbein, Teil nicht näher bezeichnet
M48.-: Sonstige Spondylopathien [Schlüsselnummer der Lokalisation siehe am Anfang der Krankheitsgruppe M40–M54]
- M48.4-: Ermüdungsbruch eines Wirbels [0–9]
- Stressfraktur eines Wirbels
- M48.5-: Wirbelkörperkompression, anderenorts nicht klassifiziert [0–9]
- Keilwirbel o.n.A. W
- Wirbelkörperkompression o.n.A.
- Exklusive: Akute Verletzung – siehe Verletzung der Wirbelsäule nach Körperregion Wirbelkörperkompression bei Osteoporose (M80.‑)
M49.-*: Spondylopathien bei anderenorts klassifizierten Krankheiten [Schlüsselnummer der Lokalisation siehe am Anfang der Krankheitsgruppe M40–M54]
- M49.5-: Wirbelkörperkompression bei anderenorts klassifizierten Krankheiten [0–9]
Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung
- 0 Mehrere Lokalisationen
- 1 Schulterregion
- 2 Oberarm
- 3 Unterarm
- 4 Hand
- 5 Beckenregion und Oberschenkel
- 6 Unterschenkel
- 7 Knöchel und Fuß
- 8 Sonstige
- 9 Nicht näher bezeichnete Lokalisation
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.